Schiffbau: Schwedische Forscher entwickeln neuen Frachtsegler – Platz für 6000 Autos

Konzept der Zukunft?

Umweltschonender Welthandel statt Klimasünde? Auch die Königliche Technische Hochschule in Stockholm (KTH) tüftelt am Konzept eines modernen Frachtseglers. Im Herbst soll ein Modellschiff auf Jungfernfahrt geschickt werden.  

Die Frachtsegler-Version aus Schweden © Wallenius Marine

Segelschiffe, die Waren über die Meere transportieren, sind die Zukunft des Güterverkehrs zu Wasser – davon sind immer mehr Wissenschaftler überzeugt. Vielerorts wird deshalb bereits seit einiger Zeit an neuartigen Schiffskonzepten gearbeitet, so zum Beispiel bei Neoline. Die uralte Idee des Transports unter Segeln scheint wieder im Aufwind zu sein.

100 Meter hohe Masten und Platz für 6.000 Autos

Nun ziehen auch die Schweden nach. Das Projekt: ein nahezu emissionsfreier, windbetriebener Autotransporter, der gemeinsam von der Königlichen Technischen Hochschule in Stockholm (KTH), der Wallenius-Reederei und der Firma SSPA entwickelt sowie von der schwedischen Verkehrsbehörde finanziell gefördert wird. Dieser soll voraussichtlich 200 Meter lang sein und Platz für 6.000 Fahrzeuge bieten.

Gegenwärtig seien rund 450 große Autotransporter auf den Weltmeeren im Einsatz, schreibt die KTH. Jeder davon verbrauche täglich etwa 40 Tonnen fossile Brennstoffe. Wenn es nach den Forschern der Hochschule geht, sollen diese Schiffe komplett durch die neuen Frachtsegler ersetzt werden.

Weiter heißt es auf der Webseite der KTH: „Die Schifffahrtsindustrie, die heute rund 90 Prozent der weltweiten Fracht abwickelt, ist für zwei Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation ist es Ziel, die Emissionen des Seeverkehrs bis zum Jahr 2050 zu halbieren. Wir gehen noch viel weiter und streben eine Reduktion von 80 bis 90 Prozent an.“

Noch stehen die Forscher bei der Entwicklung des neuen Schiffes allerdings vor zahlreichen technischen Herausforderungen. Es gebe praktisch keine Dokumentationen, Statistiken oder bewährte Technik, auf die zurückgegriffen werden könne, erklärt Jakob Kuttenkeuler, Professor am KTH Centre for Naval Architecture. Die vier Segel werden zum Beispiel etwa 100 Meter hoch sein – und damit fast doppelt so hoch wie die bisher gebauter Segelschiffe. „Es war nie notwendig, die Windgeschwindigkeit oder -richtung in diesen Luftschichten zu untersuchen“, so Kuttenkeuler weiter. Nun investieren er und seine Kollegen viel Zeit in Tests per Computersimulation.

Längere Transportzeiten zugunsten der Umwelt

Die größte Schwierigkeit bestehe allerdings darin, potenzielle Kunden, Reedereien und Frachtkäufer, vom Konzept zu überzeugen, so die Forscher. Bei den Transportzeiten müssten diese nämlich Abstriche machen. Für die Überquerung des Atlantiks werden die Frachtsegler nach Einschätzung des Projektteams voraussichtlich bis zu zwölf Tage benötigen. Herkömmliche Autotransporter brauchen nur sieben bis acht. 

„Die Hoffnung ist, dass die Kunden bereit sind, Produkte auf eine Art und Weise zu transportieren, die einen großen Gewinn für die Umwelt darstellt, und zwar auf Kosten einer etwas längeren Reisezeit“, sagt Kuttenkeuler.

Zurzeit baut das Team ein selbstfahrendes Modellschiff mit einem sieben Meter langen Rumpf. Im Herbst soll es damit auf eine erste Jungfernfahrt in den Stockholmer Schären gehen.

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