Seenot in der Südsee: Familie Eitzinger mit “Rancho Relaxo” auf Riff gelaufen

"Es war meine Schuld"

“Uns geht’s so gut”, schreibt die “Rancho Relaxo”-Crew noch am 20 Oktober in ihrem Blog als sie sich vom Moorea Atoll im Süd-Pazifik meldet. Zehn Tage später steht sie kurz vor dem Aus. Ein kurzer Moment der Schwäche und die 11.20 Meter lange Feltz Skorpion IIa, Baujahr 1980, sitzt auf dem Riff.

 "Rancho Relaxo" hoch und trocken auf dem Riff vor den Tuamotus Inseln. Der Skipper war am Steuer eingeschlafen. © Eitzinger

“Rancho Relaxo” hoch und trocken auf dem Riff vor den Tuamotus Inseln. Der Skipper war am Steuer eingeschlafen. © Eitzinger

David Eitzinger, der mit seiner argentinischen Frau Guillermina (34) und den beiden  Kindern (5, 7) vor zwei Jahren unter österreichischer Flagge in Berlin zur Weltumsegelung gestartet war, nickt am Steuer kurz ein und läuft auf. Um drei Uhr morgens trifft “Rancho Relaxo” auf dem Weg von Moorea zu den Tuamotus Inseln kurz vor dem Ziel das südliche Riff Tetiaroa.

“Alles ging sehr schnell”, schreibt Eitzinger. “Die Kids zogen ihre Rettungswesten an, und ich funkte Mayday. Als wir wussten, dass ein Navy Hubschrauber kommen würde, packten wir unsere wichtigsten Sachen, holten die Segel runter und schlossen die Fenster. Einer der besten Momente in unserem Leben kam, als wir die Lichter des Helikopters sahen. Es folgte einer der schlimmsten Momente: Wir sprangen ins Wasser und kletterten auf das Riff mit unseren Kindern auf dem Arm. Die Piloten machten einen tollen Job, als sie uns schnell in die Luft hoben. Von da brachten sie uns nach Papeete.”

Nach dem ersten Schock musste es schnell gehen, wenn die Familie ihre Yacht noch retten wollte. Starker Schwell kündigte sich an. So wurde ein Bagger besorgt, ein Schlepper und mit vereinten Kräften zogen die Helfer das Schiff von den Rockies. Als das Schiff angehoben wurde schlug der Mast allerdings gegen den Bagger und brach ab.

Unangenehm, nach Hilfe zu fragen

Das Schiff ist nicht versichert und die Crew überlegt nun, wie es weitergeht. Der Skipper schreibt: “Viele Freunde und Blogleser haben uns in den letzten Tagen geschrieben, dass sie gerne helfen wuerden und wir sollen doch mal einfach unsere Kontodetails senden.  Aber alleine der Gedanke um (finanzielle) Hilfe zu fragen machte mir schon richtiggehend Angst. Das hat einige Gründe. Der erste ist vermutlich Stolz. Ich denke, dieser wurde auf dem Riff in Tetiaora sowieso ordentlich zurückgestutzt und muss einfach ignoriert werden.

Der zweite ist, dass es unsere alleinige Entscheidung war, auf diese Reise zu gehen um Abenteuer und ein einfaches Leben zu suchen (was wir auch größtenteils gefunden haben). Es war MEINE Schuld als Skipper, nicht sicher navigiert und dann das Schiff auf’s Riff gesetzt zu haben, weil ich wärend meiner Wache einschlief. Warum sollte jemand anders für meine Fehler bezahlen ?

Drittens: Auch wenn finanzielle Hilfe uns im Moment sicher sehr helfen wuerde, müssen wir uns dennoch Gedanken um unsere mittel- und langfristige Finanzierung machen. Wir denken hier in die Richtung Magazinartikel, eventuell ein Buch (E-Book ?) zu schreiben, ich koennte EDV-Arbeit machen und Gui plant einen Webshop fuer ihr Kinderklamotten-Label ‘Coquito’. Weitere Tipps und Ideen sind sehr willkommen !

Was unsere Meinung bezüglich Spenden letzten Endes geändert hat: Hilfe in der Form helfender Hände würden wir ja auch nicht ablehnen. Da dies aber mitten im Pazifik keine Option ist, warum sollten wir uns dann finanzieller Hilfe verschließen ?
Wir haben also ein Paypal Konto eingerichtet und unsere deutschen Kontodaten hinterlegt. Seid euch gewiss, es war wirklich nicht leicht diese Zeilen zu schreiben. Für jeden Cent der uns hilft, wieder flott zu werden sind wir sehr dankbar. Vielen Dank für eure Unterstützung !”

Rancho Relaxo Website

WELT Artikel über die Abfahrt in Berlin

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Seenot in der Südsee: Familie Eitzinger mit “Rancho Relaxo” auf Riff gelaufen“

  1. avatar Heini sagt:

    Da sieht man mal wieder die Vorteile eines Metall-Rumpfes. Aus Plaste hätte es das nicht überlebt.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

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