Segel-Projekt: Polen will sich als Technologie-Land präsentieren – Skandal um Segel-Star

"Finanzielle Missverständnisse"

In Polen ist eine große Werbeaktion für das Land gestartet, bei dem die Volvo Ocean Race Yacht von Puma die entscheidende Rolle spielt. Zuvor hatte es einen Skandal um den bekanntesten polnischen Segler gegeben.

Die Polish National Foundation (PNF) hat in Gdynia ein neues Projekt vorgestellt, in dessen Rahmen junge Menschen zu professionellen Rennseglern ausgebildet werden sollen. Dafür ist die ehemalige Volvo-Ocean-Race-70-Yacht “Mar Nonstro” gekauft und in “I love Poland” umgetauft worden.

I love Poland

Der Volvo 70 im neuen Gewand. © PNF

Die 21 Meter lange Yacht hat beim Volvo Ocean Race 2011-12 teilgenommen, und wird  von den Polen als “Formel1-Yacht” betrachtet, mit der sich das Land als modern und innovativ präsentieren möchte. Tatsächlich sind die VO70 mit ihrem Neigekiel im Vergleich der schnellsten Monohulls der Welt noch sehr konkurrenzfähig, auch wenn die fünf Fuß kleineren VO65  Einheitsyachten der jüngsten Volvo-Auflage ihre Rekord-Etmale gebrochen haben.

900.000 Euro soll das Schiff gekostet haben. Der Kern des Projekts ist die Ausbildung eines professionellen Teams polnischer Regattasegler, die in den kommenden Jahren an den größten und renommiertesten Wettbewerben der Welt teilnehmen wollen.

Flagge zeigen in der Welt

Dabei soll “I love Poland” auch in den größten Häfen der Welt die polnische Flagge zeigen sowie bei internationalen Konferenzen und verschiedenen Arten von Veranstaltungen. Das Projekt soll mehrere Jahre dauern und eine Reihe von PR-Aktivitäten beinhalten. “Wir sind bereit, in das Projekt zu investieren”, sagt Filip Rdesiński, Präsident der Polish National Foundation. “Denn wir glauben, dass es dem polnischen Segelsport und ganz Polen echte Vorteile bringen wird.”

Ursprünglich sollte die Yacht im Rahmen eines Projektes mit dem Namen “Poland 100” starten. Die Teilnahme an den prestigeträchtigsten Regatten wurde als eines der Elemente der Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Unabhängigkeit Polens geplant. Sie sollte innerhalb von zwei Jahren 40.000 Seemeilen segeln und 100 Häfen auf fünf Kontinenten anlaufen.

Mar Mostro in Aktion vor Newport, Rhode Island. © PUMA Ocean Racing

Am Steuer sollte der nationale Segel-Held und Olympiasieger Mateusz Kusznierewicz stehen. Er hatte die Gesellschaft Navigare gegründet, die für die Organisation des Törns verantwortlich zeichnen sollte. Aber Anfang April wurde der Bruch zwischen ihm und PNF bekannt.

Ärger um Gold-Held Kusznierewicz

Der Vorwurf von PNF: Kusznierewicz soll einen Teil der potenziellen Crew nicht mehr bezahlt  und auch die letzte Rate für den Kauf der Yacht nicht beglichen haben. Auf der anderen Seite soll ein Führungsmitglied von Navigare Ausgaben verantwortet haben, die von der Polish National Foundation in der Vorbereitungsphase als nicht projektgebunden gewertet wurden. Danach heißt es bei der PNF, es sei zu einem Vertrauensverlust gekommen. Sie ließ die frühere Vereinbarung mit Navigare Ende April auslaufen und beschloss, das Projekt ohne die Beteiligung der Navigare-Stiftung und ohne  Kusznierewicz fortzusetzen.

Bei Navigare hört sich die Version etwas anders an: “Die Vereinbarung zwischen PFN und der Navigare Foundation ist am 30. April per Gesetz ausgelaufen, weil PFN seinen Verpflichtungen zum Kauf der Yacht zu diesem Zeitpunkt nicht nachgekommen ist. Die Bedingung für die Umsetzung des Projekts Polska100 war der Kauf einer Yacht durch die Polnische Nationale Stiftung. Diese Bedingung ist von PFN nicht erfüllt worden.”

Die Kusznierewicz-Stiftung gibt an, dass auf Wunsch von PFN eine fast 20-köpfige Crew, die bei Navigare beschäftigt war, die schon mit der intensiven Vorbereitung der Yacht begonnen hatte. “Alle Arbeiten sollen im Auftrag von PFN unter der Aufsicht von PFN und der Kontrolle und Kostenübernahme durchgeführt worden sein.

Neuer Skipper

Dieser handfeste Skandal in Polen soll nun aber hinter dem Projekt liegen. Inzwischen heißt es, dass es “finanzielle Missverständnisse” gab. Nun gehe es um ein völlig neues Projekt, alle Fälle seien rechtlich abgeschlossen.

Der neue Skipper heißt Jarosław Kaczorowski. Er hält den Volvo 70 für eine der besten Yachten in der Geschichte der der Um-die-Welt-Regatta. Er wählt die Crew aus und entscheidet, wer auf welcher Etappe segeln darf. Es werde eine Stammcrew geben aber es sollen auch andere Segler zum Training eingeladen werden.

In den kommenden Monaten werden potenzielle Crewmitglieder in polnischen Gewässern getestet, wie es auch schon bei der Überführung von Frankreich nach Polen passierte. In der Wintersaison soll das Schiff in Spanien stationiert sein, von wo aus Nordamerika schnell zu erreichen ist.

Der vorgestellte Plan beinhaltet einen Start 2019 beim RORC Caribbean 600 Rennen in der Karibik, einen Rekordversuch auf der klassischen Atlantikroute (New York-Lizard Point), die Teilnahme am Rolex Fastnet Race und am Mackinac Race 2020 auf den Großen US-Seen.

 

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Segel-Projekt: Polen will sich als Technologie-Land präsentieren – Skandal um Segel-Star“

  1. avatar christoph sagt:

    Mann, das Schiff hieß “Mar Mostro” was sich aus dem italienischen herleitet und wohl eine freie interpretation von Mostro Marino (Seemonster, Seeungeheuer) ist.
    Ich lerne gerade italienischen 😉

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