Segel-Superyacht: 82 Meter Dreimaster “Sea Eagle II” versperrt Landebahn vor Auckland

Masten als Hindernis

Wenn die siebtgrößte Segelyacht der Welt Neuseeland besucht, führt das schon mal zu Problemen beim Flugverkehr. “Sea Eagle II” versperrte mit ihren drei 62 Meter hohen Masten eine Einflugschneise.

Hier kommt keiner mehr durch. Die 62 Meter hohen Masten versperren die Einflugschneise. © Mik Chub

“Sea Eagle II” ist die größte bisher gebaute Aluminiumyacht der Welt und erst ein Jahr alt. Allein das Kohlefaserruder sorgt für einen neuen Rekord: Mit vier Metern Länge ist es das längste bisher gebaute Ruderblatt aus Karbon. Der Stapellauf bei der niederländischen Nobelschmiede Royal Huisman Anfang 2020 war eine große Show.

Es dauerte dann aber ein halbes Jahr, bis sich das Schiff erstmals auf der Nordsee unter Segeln zeigte. Eine Augenweide für segelnde Superyacht-Fans, insbesondere als Gegensatz zur “Sailingyacht A” die kurz zuvor fertiggestellt worden war. Der taiwanesische Eigner Samuel Yen-Liang Yin (70) scheint nicht nur Protzen, sondern auch segeln zu wollen. “Der Eigner wollte mehr Bootsgeschwindigkeit, um mehr von der Welt unter Segeln zu sehen”, sagte damals der Projektleiter.

“Sea Eagle II” bei den ersten Segelmeilen – eine Augenweide © Tom van Oossanen/Huisman

Aber solche Dimensionen sorgen im Alltagsbetrieb für Probleme, die beim “normalen” Segeln doch eher unüblich sind. “Sea Eagle II” legte bei der Anfahrt des Hafens von Whangārei in Neuseeland den nahen Flughafen lahm. Als die Yacht mit ihren drei 62,5 Meter hohen Masten die Einfahrt ansteuerte passierte sie die Einflugschneise und sorgte damit für einen Stillstand im Flugverkehr.

Der Flughafen von Auckland. An- und Abflug über das Wasser. © Land Information New Zealand (LINZ)

Die Masten ragten mehr als 20 Meter über die Landebahn und bildeten ein vorübergehendes Hindernis für ankommende und abfliegende Flugzeuge, da der Flugverkehr Richtung See abgewickelt wird.

Trotz der Verkehrsbehinderung reagierten die neuseeländischen Behörden wohlwollend auf die Anfrage zur Einreise. Denn das Superyacht-Business hat für das kleine Land eine große wirtschaftliche Bedeutung. Normalerweise kommen jeden Sommer etwa 60 große Yachten zu Besuch und lassen im Schnitt pro Schiff umgerechnet 1,6 Millionen Euro in die Wirtschaft fließen. Kaum irgendwo auf der Welt gibt es eine solche Dichte an Know How in diesem Geschäftsbereich und viele Eigner nutzen die Infrastruktur um Refit- und Reparaturarbeiten ausführen zu lassen.

Klassischer Dreimast-Look. © Tom van Oossanen/Huisman

Deshalb hatten sich die Werften besonders auf den America’s Cup in Auckland gefreut. Er sollte eine lukrative Verbesserung dieses Segments bewirken. Eigner wollten die Attraktion der Regatta für einen Besuch nutzen und gleichzeitig Arbeiten am Schiff vornehmen lassen. Die Anfragen für Plätze in diesem Zeitraum sollte sich auf 120 verdoppelt haben.

Aber schließlich dämmte die Pandemie solche Reisetätigkeiten massiv ein. Auch die strikten Einreisebestimmungen waren ein Hindernis. Allerdings wurde Eignern schließlich eine Ausnahmegenehmigung erteilt, wenn sie Arbeiten am Schiff im Wert von umgerechnet mindestens 30.000 Euro vornehmen lassen würden. Dennoch brach die Anfrage nach Liegeplätzen ein. Und einige Eigner etwa lieber nach Australien aus.

 

Immer noch ist es nicht einfach nach Neuseeland einzureisen, auch wenn die Maßnahmen gelockert und etwa die Reisetätigkeiten von und nach Australien wieder aufgenommen wurden. So musste die 13-köpfige Crew der “Sea Eagle II” eine 14-tägige Quarantänezeit überstehen – was aber auf der Yacht nicht so unangenehm gewesen sein dürfte.

Das Schiff befindet sich immer noch auf seiner Jungfernfahrt und die Crew testet alle Systeme seitdem das Schiff Amsterdam im November verlassen hat. Nach Angaben des neuseeländischen Kapitäns Tod Thompson soll noch nicht alles so funktionieren, wie gewünscht. Das Schiff macht jetzt für mindestens sechs Wochen in der Superyacht-Basis von Port Nikau fest, um dort Garantiearbeiten ausführen zu lassen.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

eins × vier =