Segelmacher: Frische Garderobe für die „Gorch Fock“ von Diekow

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Gorch Fock

Gorch Fock unter Vollzeug im Sturm. © Bundesmarine

Norderstedter Segelmacherei gewinnt Ausschreibung für das Schulschiff der Bundesmarine “Gorch Fock”. Alle 23 Segel der Dreimastbark werden gewechselt.

Großauftrag für Diekow-Segel in Norderstedt: Die komplette Garderobe der Windjammer „Gorch Fock“ wird dieses Jahr ausgetauscht. 23 verschiedene Segel vom Jager über Fock und Groß bis zum unteren Besan hat die knapp 90 Meter lange Dreimastmark. Das sind mehr als 2000 Quadratmeter Fläche. Der in zweiter Generation inhabergeführte Familienbetrieb Diekow, der 1957 gegründet wurde, gewann die Ausschreibung für das Segelschulschiff der Bundesmarine.

Gorch Fock

Die “Gorch Fock” im Eis. © Bundesmarine

Bevor die Segelmacher tatsächlich die Scheren in die Hände nehmen können, ist jedoch noch eine umfangreiche Detailabstimmung notwendig. Um sich ein hautnahes Bild zu machen, heuerte Dipl.-Ing. Jürgen Diekow jüngst sogar an Bord von Deutschlands wohl bekanntestem Schiff an.

18,2 Knoten Toppspeed

Die Segeleigenschaften der „Gorch Fock“ gelten als außergewöhnlich gut. Ihr Toppspeed betrug bisher 18,2 Knoten. Bis Windstärke sieben fährt sie meist noch unter Vollzeug – eine hohe Anforderung an Stärke und dauerhafte Reißfestigkeit der Tücher.

Aus Flachstuch wie beim Stapellauf 1958 (für 8,5 Millionen DM bei Blohm & Voss in Kiel gebaut) sind die Segel allerdings schon lange nicht mehr. Mit modernen synthetischen Materialien wurden auch die Schnitte verbessert. Von ursprünglich 1.952 stieg die Gesamtfläche auf zuletzt 2.037 Quadratmeter, das Mehr einer Zwölf-Meter-Yacht.

Als Bark hat die „Gorch Fock“ zwei gut 45 Meter hohe Hauptmasten mit Rahsegeln, die Rah vom Groß ist 24 Meter lang. Besantopp sowie oberer und unterer Besan sind Schratsegel, zwischen den drei Masten gibt es Stagsegel.

Unfälle an Bord

Trotz zweier tödlicher Unfälle 2008 und 2010 (der fünfte und sechste in der Geschichte), als eine Offiziersanwärterin über Bord ging und eine aus der Takellage stürzte , hat die „Gorch Fock“ bis heute ihren Nimbus als Vorzeigeschulschiff der Bundesmarine gewahrt.

Allerdings waren Umgang und Zustände an Bord ins Gerede gekommen. (SR-Interview zum Thema mit “Gorch Fock”-Thriller Autor und ex Rekrut Jan von der Bank) Der Ausbildungsbetrieb war unterbrochen und überprüft worden. Zurzeit liegt das Schiff in Cobh, einem Vorort vor Cork/Irland. Im Juni soll sie wieder die Windjammerparade der Kieler Woche anführen.

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9 Kommentare zu „Segelmacher: Frische Garderobe für die „Gorch Fock“ von Diekow“

  1. avatar Super-Spät-Segler sagt:

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  2. avatar T.K. sagt:

    Es ist doch schön, dass in Zeiten von EU noch solche Aufträge im Lande bleiben!
    Ich hoffe allerdings die werden dann auch wirklich in D produziert…..!

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    • avatar Simmi sagt:

      OMG!

      Rechtspopulismus!

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 22

      • avatar SR-Fan sagt:

        Sind wir schon so weit, dass Unterstützung für die inländischen Arbeitsplätze “Rechtspopulismus” ist? Dann haben es die Unternehmen ja geschafft.
        Vielleicht sollten wir auch die Gewerkschaften in Deutschland komplett unterbinden. Sie hindern uns ja ganz offenbar daran mit den Arbeitslöhnen in Bangladesch mitzuhalten. Dachte eigentlich, wir hätten uns die letzten 200 Jahre weiterentwickelt.

        VG

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        • avatar Drahtzieher sagt:

          Simmi hätte wohl die Ironie in seinem Beitrag deutlich kennzeichnen sollen.

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      • avatar Bernd sagt:

        OMG is so last century!

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  3. avatar Olli Schmidt-Rybandt sagt:

    Das würde mich auch interessieren. Rahsegel sind nicht so wahnsinnig schwer zu designen, erfordern in der Größe aber reichlich schweres Gerät zur Verarbeitung. Kann eine mittelgroße Segelmacherei durchaus leisten, dauert aber einige Zeit im Falle der 2000qm. Die sind für das Schiff deutlich zu wenig, aber für eine Werkstatt allerhand.

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  4. avatar Backe sagt:

    Die Segel der GF wurden bislang immer in Deutschland gefertigt, und zwar bei der Segelmacherei “Hinsch & Ruhland” in Glückstadt – die jedoch 2010 in die Insolvenz gingen. Die speziellen Maschinen für das schwere Tuch wurden damals nach Mecklenburg-Vorpommern verkauft.
    Der letzte komplett neue Segelsatz stammte aus dem Jahr 2008, kostete 300.000€ und wurde in über 5000 Stunden Handarbeit hergestellt.

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  5. avatar Klaus sagt:

    RESPEKT, Herr Diekow!

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