Segeln im Alter: Jon Sanders gelingt 11. Weltumsegelung – mit 81 Jahren und trotz Pandemie

„Mit Papierkarten und einem Sextanten“

Als der Australier Jon Sanders (81) Ende 2019 im australischen Fremantle zur Weltumseglung aufbrach, war von einer Pandemie noch keine Spur. Das änderte sich allerdings schnell. Aber auch unter Corona-Bedingungen hat Sanders es geschafft – wieder einmal.

Jon Sanders und seine Rekorde auf See sind längst legendär. Auch mit 80 Jahren wagte es der Ausnahmesegler noch einmal und machte sich auf den Weg, um hauptsächlich die südliche Halbkugel in mehreren Etappen zu erkunden. Doch diese Reise mit seiner Sparkman & Stephens-39-Fuß-Yacht von 1971 entwickelte sich zur besonderen Herausforderung. Und aus den geplanten acht bis zehn Monaten wurden ein paar mehr.

Erschwerte Bedingungen

Der Tageszeitung „The Guardian“ berichtete Team-Manager Stephen Davis, dass die größte Herausforderung diesmal darin bestanden habe, die Quarantänebestimmungen zu erfüllen. „Die Verhandlungen mit den Behörden in jedem Hafen waren mühsam, kompliziert und jedes Mal eine neue Herausforderung.“ Als Sanders im März 2020 die Karibik erreichte, war Corona plötzlich allgegenwärtig. Und so saß er erst einmal im Hafen auf St. Martin fest. In Panama erwartete ihn dann schon der nächste Lockdown und auch auf Tahiti und kurz vor dem Ziel in Sydney gab es Verzögerungen.

Mit dem Zerfall des Zeitplans wurden auch die Bedingungen auf See zunehmend schwieriger für den inzwischen 81-Jährigen. „Er geriet in drei sehr starke Stürme“, erzählte Davis weiter. Die Folge: kleinere Verletzungen bei Sanders und Schäden an der Elektronik. „Er segelte die letzte Etappe ähnlich wie James Cook mit Papierkarten und einem Sextanten“, wird Davis in den australischen Medien zitiert.

Hinzu kam das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Für Sanders selbst die größte Sorge auf seiner Reise. Schließlich war ihm klar: „Wenn ich in meinem Alter Covid bekomme, bin ich erledigt.“

Etwas Gutes hatte die Reise unter Pandemie-Bedingungen für den Rekordsegler allerdings auch: weniger Schiffsverkehr. Die Karibik etwa sei in anderen Jahren voll mit Kreuzfahrtschiffen gewesen, was das Alleinsegeln nicht gerade leicht mache, so Sanders im „Guardian“. Doch dank Corona war das diesmal ganz anders.

Auf Umweltmission

Knapp 15 Monate nach dem Aufbruch im australischen Fremantle konnte Jon Sanders seine 11. Weltumsegelung schließlich erfolgreich beenden. Mehr als 40.000 Kilometer hat der Ü80-Langfahrtsegler zurückgelegt – und dabei auch noch an den entlegensten Stellen der Ozeane Wasserproben für ein Meeresforschungsprojekt gesammelt, die Aufschluss über die Mikroplastikkonzentration geben sollen. Jeden Tag filterte Sanders dafür an Bord etwa eine Stunde lang Meerwasser durch eine spezielle Pumpe. Denn: Seine Besorgnis über den Zustand der geliebten Ozeane ist groß.

Ein weiteres derartiges Segelabenteuer könne er sich trotzdem erst einmal nicht vorstellen, erklärte der Held der Meere nach seiner Rückkehr. Und schob dann doch noch nach: „Aber wer weiß. Sag niemals nie.“

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