Segeln in der Krise: Zukunftsforscherin Anne-Marie Dahl analysiert die Probleme

"Der Segelsport muss sich ändern"

Kitesurfen funktioniert!

„Sportarten wie Kitesurfen sind nicht ohne Grund erfolgreich. Man kann es ganz alleine machen kann – mit anderen coolen Individuen, die das auch ganz für sich alleine machen. Kitesurfen passt gut in einen Trend, der sich so beschreiben lässt: In einer Welt, in der alles möglich ist, tendieren wir dazu, unsere eigenen Grenzen auszutesten. Wie weit kann ich gehen?

Wilde, gefährlich anmutende Sportarten passen besser in dieses Bild, als in einem Boot mit der guten alten Familie die Küste entlang zu schippern. Sieht auch besser aus auf Facebook…“

Temporäre Veranstaltungen

„Wir leben in einer Welt, in welcher Regeln und Normen aufgebrochen werden, und wir sind, wie schon gesagt, extreme Individualisten. In so einer Welt müssen wir unser eigenes Selbstbild schaffen. Das manifestiert sich in einem Dialog. Ein großer Teil dieses Dialogs findet auf Facebook statt. Und natürlich ist es vorzuziehen, cool und tough zu wirken!

Jede Sache, der der Hauch des vorübergehenden, Event-mäßigem anhaftet – , seht her, was ich gerade mache‘ – scheint im Moment einen Wert zu besitzen. Vor allem für junge Menschen. Mit Mama und Papa draußen vor der Küste herumzuhocken… nun, das ist nicht wirklich cool, nicht wahr?“

Traditionelle Vereine sind out

„Und dann gibt es Mitgliedschaften. Ich halte viele Vorträge für Freiwilligenorganisationen, Clubs und Vereinigungen, und alle spüren sehr stark, dass alles, was mit bindenden Mitgliedschaften zu tun hat, mit Situationen, wo man in einem Komitee tätig sein muss, eine Sitzung zu besuchen hat… die Menschen wollen all das nicht mehr wirklich.

Es ist eine langfristige Bindung, und damit etwas, was gegen alle diese Werte verstößt, welche ich bereits erwähnt habe. Wenn ich morgen etwas anderes machen will, möchte ich nicht gefangen sein. Alles, was nach Verpflichtung und Regelmäßigkeit klingt, ist problematisch. Und diese Tendenz wird wahrscheinlich noch wachsen. Auch, weil sich die Arbeit in unsere Freizeit hineinschmuggelt.

Arbeit war einmal das, was man von acht bis vier tat. Und wenn wir Lust hatten, konnten wir danach segeln gehen. Heutzutage wächst Arbeit und Freizeit für viele Leute mehr oder weniger zusammen, es gibt keine klare Grenze mehr. Dies bedeutet, dass Freizeitaktivitäten etwas sein sollten, was spontan dazwischengeschoben werden kann, wann immer man Zeit und Lust hat.“

Hier und jetzt

„Ich glaube, dass viele Menschen beim Segeln den Nervenkitzel, den Kick wollen. Aber sie wollen keine Verpflichtung. Stellt euch 20 Facebook-Freunde vor, welche zusammen ein Boot besitzen. Man kann das Boot buchen, wann immer man will. Oder sogar noch spontaner und flexibler, stellt euch ein Unternehmen oder eine Vereinigung vor, die ein Boot besitzt und das Erlebnis auf einer kommerziellen Basis anbietet? Das wäre interessant!

Es wäre außerdem hilfreich, eine Geschichte mit dem Erlebnis zu verbinden und das Ganze damit in ein Event zu verwandeln. Hier sind wir beim Spinnaker-Einpacken, beim Fangen eines Dorsches, was auch immer. Macht es projekt-orientiert, verbindet es mit einer Geschichte! Man kann das Erlebnis hier und jetzt haben, es gibt ein paar coole Fotos und etwas, was man hinterher bei Facebook posten kann.

Ich glaube, solche Dinge könnten sehr beliebt sein! Das Konzept, einfach zum Hafen runterzugehen und zu segeln, und hinterher nach Hause zu gehen – exakt auf die gleiche Art und Weise, wie man zum Fitness-Center fährt – das ist der Weg der Zukunft.“

32 Kommentare zu „Segeln in der Krise: Zukunftsforscherin Anne-Marie Dahl analysiert die Probleme“

  1. avatar Klaus sagt:

    Hier—> http://www.sailingcenter.de/segeln/segelerlebnisse-tegernsee/

    Die Jungs am Tegernsee setzen meiner Meinung nach genau das um was die gute Dame für die Zukunft vorhersagt.. Zukunft ist heute!

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    • avatar Klaus sagt:

      In der Tat, das ist wirklich das Gegenteil unserer Clubjackenvereine. Danke für den Tipp.

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  2. avatar Backe sagt:

    Glückwunsch! Ein wichtiges Thema, das uns früher oder später alle betreffen wird!
    Ich finde es gut, dass auch solche “schweren” Themen hier von Zeit zu Zeit angepackt werden.

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  3. avatar Uwe sagt:

    Eine Studie braucht’s eigentlich nicht, denn der Sachverhalt ist simpel:

    Seit 1965 hat sich die Geburtenrate halbiert (Pillenknick).
    Fast Drittel der Kinder wird von Alleinerziehenden / Harzern betreut, die sich kein Boot leisten können.

    Dass die Segelvereine vergreisen, ist daher kein Wunder.

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    • avatar Sven2 sagt:

      Uwe:

      hier von “Harzern” zu sprechen finde ich mehr als respektlos. Ein Zitat aus der hamburger Richtlinie für die Bildung und Erziehung in Vorschulklassen:

      “Die Kommunikationsstrukturen sind von Achtung und Toleranz geprägt.”

      Vielleicht solltest Du Dich dort auch noch einmal einschreiben. Ach übrigens: der gute Namensgeber hieß Peter Har(t)z.

      Sorry, aber das einfach nur mit einem Dislike zu belegen reichte mir hier nicht aus.

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    • avatar Backe sagt:

      Vermutlich ist ein Kernproblem des Segelsports, dass in zu vielen Segelvereinen zu viele Uwes rumschwurbeln?

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      • avatar Backe sagt:

        Ich meine das ernst!
        Viele gerade junge Leute werden abgeschreckt, über Vereinsstrukturen in den Segelsport hineinzuschnuppern, weil sie dort entweder mit hemdsärmeligen Schubladenparolen (“das sind die Regeln, das haben wir hier schon immer so gemacht”) oder mit traditionswahrender und blaublazeriger Yachteigner-Arroganz konfrontiert werden.
        Frau Dahl hat vollkommen recht, wenn sie das als Auslaufmodell bezeichnet. Und zwar nicht nur für die Generation facebook …

        Schön finde ich, dass einige hier – im Sinne einer fruchtbaren Diskussion – erfreuliche Gegenbeispiele aufzeigen. Mir fallen dazu spontan das Camp24 in Kiel (wo übrigens überdurchschnittlich viele Kinder von Alleinerziehenden und sozial schwächer gestellten Familien zu finden sind ;.) oder die Segelschule der Uni-Kiel ein.

        Vielleicht ist es ein schöner Ansatz für Dich, Carsten, in der nächsten Zeit immer mal wieder eines dieser “neuartigen” Projekte hier bei SR unter einem feststehenden Oberbegriff wie z.B. “Zukunft des Segelsports” vorzustellen?!

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        • avatar Carsten Kemmling sagt:

          ja, das ist eine gute idee. über lesertipps in diesem sinne würden wir uns sehr freuen:

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  4. avatar Simon sagt:

    Das gibt’s schon 🙂

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  5. avatar Soling sagt:

    Die Probleme !! Keine Zeit =( Jobs), zu geringe Verdienste= ( Politik) , zu teures Material = Gewinngeil

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  6. avatar Fastnetwinner sagt:

    Dieser Thread sagt alles. Während es um die Zukunft des Segelsports geht reden hier alle politisch Korrekten über Quelle und Schreibweise von Hat(t)z. Das solche Art Segel-Community kaum Außenstehende anzieht ist doch klar. Wenn dieser Thread ein Segelclub wäre, würde ich hier auch austreten. Wer solche Wortwahl-Diskussion über die wahren und wichtigen Inhalte stellt ist nicht besser als der Stammtisch im BSC, die Theke im HSC, die Sabbelbüddel vom NRV oder die, die in alle den anderen Vereinen an den Stammtischen sitzen, und schon damals im ersten Ausschuss ganz am Anfang mit dabei waren, als die Seefah erfunden wurde. Ich hätte ja nie gedacht, dass ich mich mal auf Uwes Seite schlage, aber wenn ich den Rest hier sollest mache ich das gerne.

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  7. avatar Trainer sagt:

    Ich kenne genug Vereine in Ost und West, die genug Kinder in ihren Jugendgruppen haben. Die Identifikation mit dem Verein läuft meistens über eine Kontaktperson den Trainer. Eltern werden als Last empfunden, Stellen aber eine riesige potenzielle Mitgliedergruppe dar. Die Jugendlichen haben, um der Autorin zu widersprechen, mit Anfang 20 eben kein Geld um sich ein Boot zu kaufen. Dort müssen die Vereine ansetzen und die Leute auffangen. Mit 40 investieren sie dann vielleicht in ein Boot.
    Es ist meiner Meinung nach nicht “Rocket Science”: Segelkurse auch für Erwachsene und die Jugendlichen nach der Schule nicht verlieren!

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    • avatar Backe sagt:

      Zu unterscheiden sind meiner Meinung nach zwei Gruppen:

      – diejenigen, die über ihre Familien als Kinder zum Segeln kommen
      – und diejenigen, die ohne vorherigen Kontakt zu diesem Sport, sozusagen von “außerhalb”, Segeln kennenlernen bzw. für sich ausprobieren möchten – seltener als Kinder und Jugendliche, häufiger erst ab dem Erwachsenenalter.

      Bei der ersten Gruppe dürfte übrigens ein Problem darin, dass Segeln in vielen Vereinen automatisch mit “Training” und Regattasegeln gleichgesetzt wird.
      Die allgegenwärtige Opti-Segelei mit ihren riesigen Bootsbeständen (quasi jeder Verein hat ein paar davon, weltweit mit abstand die größte Bootsklasse!) dürfte wohl die breiteste Einstiegsplattform sein — gleichzeitig aber auch der größte Nachwuchs-Vernichter im Segelsport!

      Denn allzu viele Kids haben, wenn sie den Opti altersmäßig hinter sich lassen und gleichzeitig in die pubertäre Rebellionsphase hineinwachsen, schlicht und ergreifend keinen Bock mehr, das zu tun, was ihnen von eltern und Trainern vorgeschrieben wird: Schön brav zum Training gehen, immer ordentlich an die Regeln halten, in 500-Boote-Flotten im Ziel Nr. 399 werden, usw. …
      Anders kann ich mir nicht erklären, wo die ganzen Optikinder alle abbleiben.

      Auch dieser Aspekt sollte ggf. mal untersucht werden.

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      • avatar dubblebubble sagt:

        Opti-segeln finden nur die Mütter süß.

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      • avatar Skiffi sagt:

        Sehr richtig! In Dänemark oder Holland schnappen sich dann die 14- bis 17-jährigen dann irgendeine alte Holzmöhre und segeln – völlig glücklich – auf eigene Faust damit! Segeln zu kleinen Inseln, gehen schwimmen und machen Lagerfeuer am Strand!

        Schon beim Gedanken daran, stellen sich dem deutschen Vereinsobmann die Haare auf!!! Ja dürfen die das denn überhaupt….

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        • avatar 12er Enthusiast sagt:

          …und wie sieht das eigentlich aus versicherungstechnischer Sicht und haftungsmaessig aus…es gibt ja soviele Bedenken..

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  8. avatar Kersten sagt:

    Das Problem ist, dass der “Luxussport” Segeln, im Gegensatz zu Tennis und Golf. nicht erreichbarer und billiger wird. Ein aktuelles Schiff zu segeln ist für mich Normalo nicht machbar. Um Segeln aber weiterhin interessant zu machen, sollte mehr Hafenservice, Restaurants mit Steganlagen, Ankerbuchten mit Bojen, Events, … die Szene attraktiver und dadurch auch jünger machen. Aber was passiert. Es werden Hafenmeisterautomaten aufgestellt oder schlimmer, ganze Häfen geschlossen.

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    • avatar Backe sagt:

      Kersten, ich glaube ein Schwund an Bootseignern ist nicht nur über die Geldfrage zu erklären. (Eine halbwegs funktionstüchtige Anfängerjolle gibt es vielerorts für unter 1000 €, altgediente, gar nicht mal schlechte Kajütboote gibt es schob ab 3 – 4000 €, ein Wasserliegeplatz in Kiel für ein Folkeboot kostet im Jahr weniger als eine KFZ-Garage in Hamburg…)
      Es ist wohl eher das (zeitliche) Commitment, das die Bootseignerschaft mit sich bring, das viele Leute abschreckt, sich “zu binden”: Ich MUSS das Boot nutzen, ich MUSS mich um Pflege und Winterlager kümmern, etc.
      Der von Dir erwähnte Tennisschläger oder Golfsack hingegen liegt, wenn nicht betutzt oder nicht mehr spannend genug, einfach in der Ecke und frisst kein Brot.

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      • avatar Kersten sagt:

        Das stimmt. Was zum segeln findet man immer wenn man nur will. Was mich stört ist, dass vielleicht der ein oder andere Hafen ausgebaut wird, aber der spießige Mief der 70er ist fast überall noch zu riechen. Spielpatz für die Kinder, ne Ecke zum grillen, zum Becker musst du ein ganzes Stück laufen, eine nette Kneipe oder gutes Restaurant ist meist Fehlanzeige. Dann bleibt nur noch Hafenkino… Ist vielleicht ein bisschen krass dargestellt, aber mehr wird doch nicht geboten oder? Ich finde die Kreativität der Hafenbetreiber ist einfach mal gefragt, um Segler zu locken und Einsteiger zu überzeugen.

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  9. avatar tiefenrausch sagt:

    Super Artikel, super Thema, mehr davon! Z.B.Zukunft Regattasegeln: Interview mit DSV, Trainer, Sportlern, Jugendlichen….
    im übrigen: Trends kommen und gehen, Surfen war Ende der 70er Jahre sehr hip, jetzt eben Kiten.
    Ich meine, man sollte immer den auch von Frau Dahl angesprochenen Pluralismus im auge behalten – da ist der gestresste Familienvater, de Ruhe sucht, da ist der/die Jugendliche, der Kick sucht und Slebstdarstellung usw. usw. zunächst heist das für mich: Toleranz gegenüber denen, die´s anders machen. Inwieweit diese Variantenvielfalt Zukunft hat, das ist – siehe artikel – eine spannende Frage.

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  10. avatar Digger sagt:

    Danke.
    Mein reden. Segeln findet in der Öffentlichkeit nicht statt. Nur in der Segelöffentlichkeit. Und die wird älter und älter.

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  11. avatar kai sagt:

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  12. Also ich persönlich kenne sehr viele Menschen die Segeln, wie jedoch schon mehrfach gesagt wurde ist es aktuell so, das der Sport nicht viel Aufmerksamkeit genießt.

    Viele Vereine sind nicht im Netz oder gar Social-Netz und somit geht Segeln oft am Otto-Normal-Verbraucher vorbei. Ich denke wenn der Sport mehr Aufmerksamkeit (öffentlichkeit) bekommen würde, wären auch wieder mehr Mitglieder in den Vereinen zu verzeichnen.

    Grüße

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