Sommertörn: Schwestern segeln mit ihrem IF-Boot rund Fünen

Jenseits der Regattabahnen

Tag 2 – Ab nach Dänemark

Ausschlafen. Das war mal wieder nötig. Zum Glück habe ich eine tolle Schwester, welche den Wetterbericht abhört, Brötchen kauft, den Abwasch vom Vortag macht… da krieg ich fast ein schlechtes Gewissen. Aber nur fast.

Maike beim Ausbaumen der Fock © MC

Maike beim Ausbaumen der Fock © MC

Wir wollen heute rüber in die dänische Inselwelt. Wohin, wissen wir noch nicht genau. Auf Lyø hätten wir Lust. Oder Avernakø. Oder so die Ecke. Der Wind weht günstig, die Sonne scheint. Auf jeden Fall weg aus Schilksee. Hier habe ich für meinen Geschmack zu viele Assoziationen mit diversen Regatten. Außerdem trifft man andauernd Leute, die man kennt. Ich will jetzt Urlaub von alledem. Nur Janthina, Svenja und ich und eventuell eine nette kleine dänische Insel. Das will ich.

Salz im Gesicht und von Sonnencreme verklebter Körper, Gischt auf der Sonnenbrille, Knoten im Haar, nasse Füsse von an Bord schwappenden Wellen. Kitzeln im Bauch, während wir mit fünf Knoten in Richtung Norden segeln. Das ist das Gefühl, welches ich seit frühester Kindheit mit Sommer verbinde. Das Gefühl von Freiheit. Die unendlichen Möglichkeiten, die sich einem bieten.

Die Dänemarkflagge wird gesetzt © MC

Die Dänemark Flagge wird gesetzt © MC

Irgendwann flaut der Wind ab, Svenja geht an die Pinne. Ich kuschele mich unter die Sprayhood und lese „Wir Ertrunkenen“ von Carsten Jensen. Ein großartiges Buch, finde ich. Schwipp-Schwapp. Es dauert immer länger, bis ich wieder eine Seite fertig gelesen habe. Schwipp-Schwapp. Schwipp-Schwapp. Was hab ich gerade gelesen? Schwipp-Schwapp. Schwipp-Schwapp. Angenehm, dieses Plätschern…

Ein paar Stunden später wache ich wieder auf. Wir befinden uns zwischen Ærø und Als – Zeit, die Dänemarkflagge zu hissen! Yeah, wir sind tatsächlich mal wieder in Dänemark! Ganz schön lange her, seit wir hier zuletzt waren.

Gegen halb acht sind wir schließlich auf Höhe der Inseln. Wir blicken durch das Fernglas nach Lyø. Nööö. Ist uns zu voll. Avernakø? Ein 180° Grad Schwenk bringt das gleiche Bild: Ein Wald von Masten. Nöö. Muss nicht. Ankern ist auch schön. Und so fahren wir bei abnehmendem Wind und Dämmerlicht noch ein Stündchen weiter, bis wir schließlich in einer kleinen Bucht mit wenig anderen, hauptsächlich dänischen, Mitliegern landen. Anker raus, unter Segelkraft einfahren, aufklaren, Gemüseschnippeln, Kochen, während leise Tracy Chapman aus den Lautsprechern meines Laptops dudelt und kleine Wellen gegen die Bordwand schwappen. Essen im Schein der Petroleumlampe, Meeresleuchten, als wir das Zahnputzwasser über Bord spucken. Schööööön. Warum hab ich das eigentlich so lange nicht mehr gemacht?

Tag 3 – Motor? Ohne!

Bågø. Das Anlegen wird erstmal versemmelt. Eigentlich wollen wir lässig unter Genua in den Hafen fahren. Bis zur Hafeneinfahrt klappt der Plan auch ganz gut. Doch dann bremst uns die Fähre aus, die natürlich in genau diesem Augenblick ablegen muss und nicht zwei Sekunden warten kann, bis wir vorbei sind. Zusätzlich versperrt ein Schlauchbootkind die halbe Einfahrt. An sich kein Problem. Nur so richtig viel Fahrt haben wir nicht mehr.

Zudem entscheidet sich der wenige noch vorhandene Wind auch noch dazu, so zu drehen, dass er nun direkt von vorn kommt. Also doch Motor an. Svenja geht nach hinten, klappt den Außenborder runter, Choke rausziehen, Leerlauf rein, ein klein wenig Gas geben, an der Reißleine zie… hä? Warum funkt das nicht? Noch mal probieren. Geht immer noch nicht. Na gut, dann eben nicht. Mit dem letzten Schwung fahren wir an einen Pfahl, halten uns dort erstmal fest und probieren es noch mal mit dem Motor. Geht nicht. Inzwischen guckt der halbe Hafen. Na super.

Abendstimmung © MC

Abendstimmung © MC

Pollern ist auch keine Option, dafür stehen die Pfähle zu weit auseinander. Schließlich schleppt uns ein Schlauchbootkind zu der letzten freien Box (in die sich kein anderer hereingetraut hat weil wegen Tiefgang und so. Ich liebe kleine Boote!). Seine Mutter erzählt uns später, wir hätten ihm damit ordentlich den Tag versüßt. Gern geschehen und danke noch mal. Das Problem mit dem Motor haben wir dann aber relativ schnell gefunden: Die Fernschaltung ist nicht richtig eingestellt und blockiert so die Gangschaltung. Die Lösung: Fernschaltung ab, Motor läuft wieder.

Später geht ein Däne von Schiff zu Schiff und lädt alle zu einer Partie ,Rondball‘, einer Mischung aus Baseball und Brennball, ein. Und so finden sich abends in der lauen Sommerluft Jung und Alt, Groß und Klein, Schwedisch, Dänisch, Deutsch auf einer Wiese neben dem Toilettenhäuschen ein. Die Regeln weiß zwar keiner so richtig, aber das tut dem Spaß keinen Abbruch. Wunderbar entspannte Atmosphäre.

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10 Kommentare zu „Sommertörn: Schwestern segeln mit ihrem IF-Boot rund Fünen“

  1. avatar Digger sagt:

    Ha ha. Schöne Parallelen zwischen uns. “Wir Ertrunkenen” – seit dem großartigen Buch ist Marstal ein anderes Marstal. Und ihr müsst allein deshalb auf jeden Fall nochmal ins Søfartsmuseet gehen.

    Beim Lesen hatte ich auch ne Idee: Man sollte einen neuen Wettbewerb ins Leben rufen: Cobb Slalom. Wer am schnellsten durch die Massen an Cobbs gelaufen ist, bekommt einen Einweggrill.

    Schreibt weiter, macht Spaß zu lesen!

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  2. avatar Sven sagt:

    Digger hat Recht! Sehr kurzweilig zu lesen und tolle Fotos.

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  3. avatar Schnellschuss sagt:

    Das macht echt Lust sich wieder den kleinen Ostsee-Klassiker vorzunehmen.
    Vor 20 Jahren wurde der einmal pro Jahr abgesegelt und es war genauso wie Maike es beschreibt.
    Immer wieder ein Erlebnis der besonderen Art. Vielen Dank für die wundervollen Erinnerungs-Flashes.

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  4. avatar Ballbreaker sagt:

    Cooler Trip!

    Sogar das Essen sieht essbar aus 😉

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  5. avatar 12er Enthusiast sagt:

    einfach schön zu lesen…danke für die schönen Momente.

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  6. avatar Peter sagt:

    Können wir dislikes nicht nur noch mit Erklärung zulassen? Das verstehe ich nun wirklich nicht….

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  7. avatar 23421 sagt:

    Rasmus ist reinster Alkoholiker. Der mag nur Sherry und Rum.
    Wie kommt man überhaupt auf die doofe Idee dem was ohne Alkohol andrehen zu wollen.

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  8. avatar Segler sagt:

    Ein IF-Boot in surf zu bringen?
    Fast unmöglich. Ich wette ihr seit nicht die Wellen runter gesurft. Die Wellen sind von achtern durchgelaufen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 6

  9. avatar Fabian sagt:

    Das ist ja jetzt mal witzig, denn den Törn haben wir Jungs 14-15 Jahre alt auch mit einem if in diesem Sommer gemacht und genau die gleiche Strecke!

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  10. super Beitrag, es hat sehr viel Spaß gemacht ihn zu lesen.

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