Sommertörn: Schwestern segeln mit ihrem IF-Boot rund Fünen

Jenseits der Regattabahnen

Tag 7 – Was tun bei Flaute?

„Und es ist flau, flau, flau…“ summe ich. Der Große Belt liegt spiegelglatt da. Wir befinden uns zwischen Nyborg und Lohals, treiben vor uns hin und entspannen. Beziehungsweise kommen irgendwann auf dumme Ideen. Sport an Bord: Liegestütz im Cockpit, Klimmzüge am Spibaum, Situps auf der Achterpiek. Luftgitarre spielen auf dem Vordeck. Die besten Frisuren für Seglerinnen herausfinden. Suche nach dem kühlsten Schattenplatz auf einem 7,85 Meter langen Boot. Paddel herausholen und schauen, auf welche Geschwindigkeit man Janthina beschleunigen kann (das deprimierende Ergebnis: Ein Knoten).

Tag 8 – Menschen, Boote, Sensationen

Still und starr liegt die See... © MC

Still und starr liegt die See… © MC

Hafen(kino)tag in Lohals. Insgesamt beobachten wir in zwei Stunden ca. sechs versaute Anlegemanöver. Mal fehlt die Luvleine, mal fährt der Skipper mit zu viel Schwung in die Box und rammt einen Pfahl plus Steg, mal mit zu wenig Schwung und er driftet ab, ein weiterer kennt nur Vollgas vorwärts und Vollgas rückwärts. Auch sehr interessant zu beobachten: ein Ablegemanöver, welches über eine Stunde dauert.

Tag 9 – Downsizing in Skarø

Bei fünf Windstärken kreuzen wir unter Fock und gerefftem Groß durch das Langeland-Flach. Eine schwarze Wand zieht direkt auf uns zu. Hmm, ob da wohl Wind drinsteckt? Sieht so aus, lass mal sicherheitshalber die Fock runternehmen. Svenja turnt aufs Vorschiff. Kaum ist die Fock unten, geht die Welt unter. Ich weiß nicht, wovon ich nasser werde: Vom waagerecht fallenden Regen oder von den Wellen, die über Bord spritzen. Sehen kann ich kaum noch etwas. “Janthina” machen die Böen überhaupt nichts aus, gelassen segelt sie ihren Kurs, noch nicht einmal Ruderdruck verspüre ich. Das bringt solchen Spaß!

Maike trotzt dem Regen und Sturm © µç

Maike trotzt dem Regen und Sturm © MC

Nach zehn Minuten klart das Wetter auf und der Wind lässt ein wenig nach, sodass wir wieder die Fock setzen und ausreffen. Wir entscheiden uns dazu, durch den Svendborgsund zu segeln, welcher uns schon von weitem mit Böen und Gegenstrom begrüßt. Eine kleine Sensation: Eine Bavaria. Kreuzend! Mit beiden Segeln oben! Ein seltenes Bild, übrigens nicht nur bei Joghurtbechern, sondern auch immer mehr bei kleinen, wendigen Booten.

Durch den Svendborgsund zu segeln ist eine gute Entscheidung: Wunderschöne Landschaft, eine paar nette kleine Dörfchen, Svendborg mit seinen Schwimmdocks und abzuwrackenden Schiffen. Auch die bis zu 2,5 Knoten Gegenstrom und 45°-Winddreher bremsen uns nicht wirklich aus.

Rauschefahrt © MC

Rauschefahrt © MC

Als wir unter der Svendborgbrücke durch sind, überlegen wir, wo wir überhaupt hinwollen. Hjortø wäre nett, da waren wir schon Ewigkeiten nicht mehr. Doch in Anbetracht des Artikels im Hafenhandbuch, in welchem von Ortskenntnis die Rede ist, und des noch recht kräftig wehenden Windes, entscheiden wir uns doch lieber für Skarø. Da waren wir noch nie, der Name klingt gut und der Hafen scheint auch nicht überfüllt zu sein.

Vor dem Hafen drehen wir erstmal noch eine Ehrenrunde. Irgendwie waren wir schneller da als gedacht, und die Festmacher befinden sich noch tief in der Backskiste. Beim zweiten Anlauf klappt‘s dann. Kaum recken wir unser Näschen durch die Hafeneinfahrt, werden wir schon von netten Leuten zu einer freien Box gewunken – neben einem anderen IF-Boot, wie wir begeistert feststellen. Darauf ein Paar mit kleinem Kind. Versonnen blicken wir uns an: „Guck mal Svenja, so hat das vor 20 Jahren auch mit uns ausgesehen!“ Als wir uns in dem netten kleinen Hafen umgucken, entdecken wir zwei Boxen weiter „Digger“. Leider ohne Besatzung. Polly hätte ich doch gerne mal kennengelernt.

10 Kommentare zu „Sommertörn: Schwestern segeln mit ihrem IF-Boot rund Fünen“

  1. avatar Digger sagt:

    Ha ha. Schöne Parallelen zwischen uns. “Wir Ertrunkenen” – seit dem großartigen Buch ist Marstal ein anderes Marstal. Und ihr müsst allein deshalb auf jeden Fall nochmal ins Søfartsmuseet gehen.

    Beim Lesen hatte ich auch ne Idee: Man sollte einen neuen Wettbewerb ins Leben rufen: Cobb Slalom. Wer am schnellsten durch die Massen an Cobbs gelaufen ist, bekommt einen Einweggrill.

    Schreibt weiter, macht Spaß zu lesen!

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  2. avatar Sven sagt:

    Digger hat Recht! Sehr kurzweilig zu lesen und tolle Fotos.

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  3. avatar Schnellschuss sagt:

    Das macht echt Lust sich wieder den kleinen Ostsee-Klassiker vorzunehmen.
    Vor 20 Jahren wurde der einmal pro Jahr abgesegelt und es war genauso wie Maike es beschreibt.
    Immer wieder ein Erlebnis der besonderen Art. Vielen Dank für die wundervollen Erinnerungs-Flashes.

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  4. avatar Ballbreaker sagt:

    Cooler Trip!

    Sogar das Essen sieht essbar aus 😉

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  5. avatar 12er Enthusiast sagt:

    einfach schön zu lesen…danke für die schönen Momente.

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  6. avatar Peter sagt:

    Können wir dislikes nicht nur noch mit Erklärung zulassen? Das verstehe ich nun wirklich nicht….

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  7. avatar 23421 sagt:

    Rasmus ist reinster Alkoholiker. Der mag nur Sherry und Rum.
    Wie kommt man überhaupt auf die doofe Idee dem was ohne Alkohol andrehen zu wollen.

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  8. avatar Segler sagt:

    Ein IF-Boot in surf zu bringen?
    Fast unmöglich. Ich wette ihr seit nicht die Wellen runter gesurft. Die Wellen sind von achtern durchgelaufen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 6

  9. avatar Fabian sagt:

    Das ist ja jetzt mal witzig, denn den Törn haben wir Jungs 14-15 Jahre alt auch mit einem if in diesem Sommer gemacht und genau die gleiche Strecke!

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  10. super Beitrag, es hat sehr viel Spaß gemacht ihn zu lesen.

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