Spannendes Boot: Club Swan 36 mit flexiblem Starboot-Rigg – C-Foils für den Auftrieb

Krasse Kiste

Die finnische Yachtwerft Swan setzt die Verjüngung ihrer Regatta-Flotte fort. Die Club Swan 50 ist schon ein schöner Erfolg, nun kommt die 36, die mit radikaler Optik und Funktionalität punkten will.

Club Swan 36

Die Club Swan 36 bei den ersten Testfahrten. © Nautor

Es ist immer etwas schwierig, wenn Werften ihre Onedesign-Flotten erneuern wollen und sich dabei selber kannibalisieren. J/Boats hat den Übergang ziemlich gut hinbekommen mit der Einführung der J/70, die im Wettbewerb der hauseigenen J/24 steht. Beide Klassen haben ihren Platz gefunden. Zum Beispiel X-Yachts dagegen hat die X-99 schwer vernachlässigt, nachdem die neuere X-35 auf den Markt kam. Inzwischen haben beide Typen keine nennenswerten Flotten mehr zu bieten.

Club Swan 36

Der Lateralplan unter Wasser. © Nautor

Da scheint es Swan deutlich geschickter zu machen. Die finnische Edelmarke hat die Club Swan 50 als Einheitsklasse auf den Markt gebracht. Und  im zweiten Jahr nach der Vorstellung gingen 2018 bei einer Regatta wie der Copa del Rey vor Palma zehn neue Yachten an den Start. Die 50 scheint besonders den Geschmack deutscher Eigner zu treffen. Hendrik Brandis, Sönke Meier Sawatzki und Stefan Heidenreich belegten gleich die ersten drei Plätze (Ergebnisse).

Jochen Schümann fungierte bei der Vorstellung als Anchorman der Marke und propagierte den neuen Nations Cup, der wohl so etwas wie ein Nachfolger des Admiral’s Cups sein soll. Aber so richtig einleuchtend ist diese Rennserie noch nicht. Schümann tritt auch nicht mehr sichtbar als Markenbotschafter auf.

Den Kopf verdrehen

Aber Nautor geht den Weg weiter, die etablierten Klassen Swan 45 und 42 zu behalten und dennoch auf Neuerung nicht zu verzichten. So gesellt sich ab nächstem Jahr zu der Club Swan 50 die 36. Und die hat es wirklich in sich.

So will die Club Swan 36 Vollgas geben. © Nautor

Philippe Oulhen ist mit der Produktline der Swan-Club-Yachten befasst. Er erklärt die Überlegungen hinter der neuen radikalen Club Swan 36, die schon jetzt vielen Seglern die Köpfe verdreht.

Club Swan 36

Wie ein Schweizer Messer. Die schmale Kielfinne weist wenig Widerstand auf. Gegen die Abdrift soll das jeweilige C-Foil helfen. © Nautor

Man habe das Boot der Zukunft entwickeln wollen. “Wenn man sich kleinere Boote ansieht, gibt es drei grobe Kategorien. Eine davon sind Klassiker wie 5,5 mR, Starboot oder Drachen – die heute alle noch sehr beliebt sind, Tradition beinhalten und sich immer noch auf einem sehr hohen Niveau befinden. Dann gibt es noch die konventionellen Sportboote. Ihre Entwicklung kam vor allem durch Materialverbesserungen zustande, insbesondere bei der Konstruktion von Kohlefaser- und Sandwich-Rümpfen, die es möglich machten, leichtere Boote zu bauen.

Am anderen Ende des Spektrums stehen modernere Boote mit beweglichen Anhängen und einem hohen Verhältnis von Segelfläche zu Verdrängungsvolumen. Ich nenne sie die konzeptionellen Boote. Die IMOCA60 gehört in diese Kategorie, und in diese Richtung haben wir auch die ClubSwan 36 entwickelt.”

Spezieller Bugbereich 

Das Deck ist flach, das Cockpit offen und der Bugspriet kann eingezogen werden, so wie man es von einem modernen Sportboot gewohnt ist. Auffällig ist der spezielle Bugbereich  der den Schwerpunkt senken und Luftwiderstand sowie das Gewicht reduzieren soll.

Die große Besonderheit ist aber der Einsatz von  C-förmig gebogenen Seitenschwertern. Die sollen ein Spin Off aus der umfangreichen Entwicklungsarbeit für die Club Swan 125 sein, die ebenfalls im nächsten Jahr auf den Markt kommt. Die Schwerter entwickeln beim Amwindsegeln Auftrieb nach Luv sollen im Hich-Speed-Modus aber bei einem bestimmten Krängungswinkel auch den Rumpf anheben.

ClubSwan-125

Rendering der Club Swan 125 auf dem virtuellen Weg nach Hobart. © Nautor

Diese Art von Foils gibt es schon seit vielen Jahren, wie zum Beispiel die auffälligen Schwerter bei den ORMA Trimaranen in den 60er Jahren. Bei der ClubSwan 36 haben die Designer es hinbekommen, die sperrigen Foils in ihren Schwertkästen so zu verstecken, dass sie im Innenraum kaum stören.

Eine Stärke ist geringe Gewicht von 2,6 Tonnen. Die 1988 von German Frers gezeichnete Swan 36 brachte noch 6,7 Tonnen auf die Waage. So zielt die Club Swan auf einen hohen Vorwind-Speed.

Aber auch am Wind soll die spezielle Konfiguration der Anhänge sehr effektiv sein. Wenn das Schiff sehr aufrecht segelt, sorgt der Lift am gebogenen Schwert für viel Höhe. Wenn man aber etwas abfällt und mehr Krängung ins Boot bringt, erhöht sich der Speed aber eben auch die Abdrift.

Club Swan 36

Die Foil-Stellung bei verschiedenen Krängungswinkeln. © Nautor

Insbesondere zwischen 14 und 21 Grad Krängung soll es große Differenzen im Verhalten der Yacht geben. Die Crews werden lernen müssen, die besten Modi zu finden. Einige werden sich an ihre Zeit mit leichten Gleitjollen wie den 470, 505 oder FD erinnern. Bei Starkwind fällt man mit diesen Booten auf der Kreuz etwas ab, um den Speed zu erhöhen und generiert dann wieder etwas Höhe.

Oulhen weist aber auch auf das besondere Rigg hin. Der argentinische Designer Juan Juan Kouyoumdjian wie auch Nautors Vizepräsident Enrico Chieffi segeln viel im Starboot, und so sollen sich einige Merkmale des 36er-Riggs aus dieser Philosophie ergeben haben. Das flexible Karbon-Rigg mit nur einem Salingspaar ist vielfältig trimmbar. Die Macher beschreiben diesen Schritt als: Zurück in die Zukunft.

Das vielseitig trimmbare flexible Rigg mit nur einem Saling-Paar und Backstagen ist dem Starboot nachempfunden. © Nautor

Die Club Swan 36 soll neben der 50 die Basis für den propagierten Nations Cup darstellen. Die Eigner steuern und die Zahl der Profis ist auf die Hälfte beschränkt. Für 2019 ist ein Rennzirkus auf dem Mittelmeer mit den Club Swan 50 geplant, aber auch auf der Ostsee soll sich eine Serie etablieren. Es wird sich zeigen, wie solch eine Yacht hierzulande einschlägt. Viel hängt vom Preis ab. Dazu hat die Werft aber noch nichts veröffentlicht.

Rundes Deck und großes Cockpit. Die Club Swan 36 ist ein Hingucker. © Nautor

Club Swan 36

Offenes Cockpit, Doppelruder. © Nautor

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *