Video-Fundstück: Abenteurer Irving McClure Johnson filmte 1929 auf der “Peking”

Anno dazumal rund Kap Hoorn

Genau richtig bei dem Wochenend-Wetter: Eine halbe Stunde Chillout auf dem Sofa und dazu noch eine Menge Kultur „tanken“! (auf Englisch)

Der legendäre Segel-Abenteurer Irving McClure Johnson war nicht nur ein faszinierender Seefahrer, sondern auch ein begnadeter Dokumentar-Filmer. 1929 drehte er epische Sequenzen an Bord der „Peking“, die er später zu dem mittlerweile legendären Streifen „Around Cape Horn“ schnitt und in 1985 nochmals selbst im Off besprach bzw. kommentierte.

Die „Peking“ war damals das größte Segelschiff der Welt. Die Viermast-Bark der US-amerikanischen Handelsmarine fasste 5.300 Tonnen Cargo, setzte 32 Segel, von denen manche über 1 Tonne wogen. Das Schiff kam ohne jegliche maschinelle Unterstützung aus, es gab keine Winschen, nur Flaschenzug-Übersetzungen, alles wurde von Menschenhand in Bewegung gesetzt. Die „Peking“ liegt heute als Museumsschiff im South Street Port von New York City.

Johnsons 16mm-s/w-Aufnahmen sind auch in Extrem-Situationen wie etwa bei Sturmfahrten von bemerkenswerter Qualität; umso erstaunlicher, da damals noch nicht „auf der Schulter“ gedreht wurde, sondern alle Sequenzen auf dem Stativ in möglichst ruhiger Position aufgenommen werden mussten.

Das Vid beginnt ein wenig seltsam: Johnson beschreibt, wie er sich als junger Mann für seine späteren Segelabenteuer zuhause in Massachusetts vorbereitete. Kontrollierte Stürze vom Hochrad sind ebenso dabei wie Mast-Enter-Training auf Telefonmasten (inkl. Kopfstand in schwindelerregender Höhe). Die darauf folgenden „Segel-Abenteuer“ haben höchsten Seltenheitswert – und sind nicht nur deshalb durchweg sehenswert!

Irving McClure Johnson (geb. 1905) wurde vor allem wegen seiner Weltumseglungen auf drei (alle in den Niederlanden gebauten) Lotsenschonern mit wechselnder Mannschaft, aber immer mit seiner Frau „Exy“ Electa, berühmt.

Beide machten sich als Buchautoren einen Namen, Johnson drehte mehrere Filme für die National Geographic Society. Im zweiten Weltkrieg wurde er zum Helden, weil er mit seinen navigatorischen Kenntnissen der US-Marine zwischen den Atollen und Riffen des Südpazifiks viele militärstrategische Vorteile verschaffte und zu gerade versenkten japanischen Schiffe tauchte, um dort wichtige Geheimdokumente etwa über Minenfelder etc. zu bergen. Er arbeitete bis zu seinem Tod im Jahre 1991 als Kurator für ein Schifffahrtsmuseum; seine Frau Electa führte diese Arbeit fort, bis sie in 2005 hochbetagt starb.

Tipp: SR-Leser Tobias Breithaupt

 

 

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12 Kommentare zu „Video-Fundstück: Abenteurer Irving McClure Johnson filmte 1929 auf der “Peking”“

  1. avatar matti sagt:

    Wunderbar! Danke!

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    • avatar andreas sagt:

      unglaublich, wie hart im Nehmen diese Jungs waren. Sowas gibt’s heute nicht mehr, auch nicht auf der Gorch Fock, oder?! Matti!?

      Toll auch der Kommentar von dem alten Herrn. Mann, hat der viel zu erzählen….und ‘nen Kreuz wie’n Preisringer, alle Achtung.

      Allerbeste Sonntagsunterhaltung das!

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  2. avatar Sven sagt:

    Mir ist die Peking als Flying P Liner der Reederei F- Laeisz mit Heimathafen Hamburg bekannt.
    So auch u.a. bei Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Peking_%28Schiff%29 nachzulesen.
    Unter der Flagge der US amerikanischen Handelsmarine ist die 1912 bei Blohm & Voss vom Stapel gelaufene Peking nie gefahren. Ist hier von einem anderen Schiff die Rede?

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    • avatar miku sagt:

      Stimmt was Ihr schreibt: Die “Peking” liegt nur heute unter US-amerikanischer Flagge im Southport-Hafen N.Y. Zuvor fuhr sie niemals bei der US-Handelsmarine; bin ein wenig durcheinander gekommen, weil Johnson in diesen Jahren unter anderem bei der US-Handelsmarine aktiv war.
      Jetzt steht die “Peking” wohl zum Verkauf – ist offenbar so verrottet, dass sie sich keiner mehr leisten kann und irgendwie davor bewahrt werden muss, im Hafen abzusaufen. Eine Schande, bei so einer Schiffshistorie, nicht wahr?

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  3. avatar Demond Andreas sagt:

    schöner, interessanter Film. 1929 fuhr die Peking noch unter der Flagge der Reederei F. Laeisz.

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  4. avatar NK sagt:

    Irgendwo habe ich gelesen, dass es auch Bemühungen gibt, die Peking wieder nach Deutschland zu holen…

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  5. avatar hurgahmann sagt:

    Es sind Verhandlungen im gange die Peking nach Hamburg zu holen. Im THB stand zu lesen, dass die Verhandlungen bis Ende März abgeschlossen sein sollen. Problem ist auch das das Schiff nicht geschleppt werden kann es muss auf Ponton oder Dockschiff.
    Über die geplante Verwendung (wahrscheinlich Museum) und Liegeplatz in Hamburg war noch nichts zu hören.

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  6. avatar laser82 sagt:

    unglaublich beeindruckend und das ist gerade einmal 80+ Jahre her . . .
    danke segelreporter!

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  7. avatar ger499 sagt:

    Schöne und beeindruckende Aufnahmen – ganz ohne GoPro und HD-Schnickschnack….

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  8. avatar Stefan Z sagt:

    Ein wenig Literatur zu dem Thema: “Die Jungfernreise der Viermastbark Padua 1926/27: Tagebuchaufzeichnungen von Roderich Murrmann, mit Fotografien aus einem Album von Gerhard Störmer”. Mein Großvater war als geigenspielender Jungmann für 5M dabei.

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  9. avatar CDR sagt:

    Er spricht mehrmals von hypnotism, die von Schiff und Job ausgeht. “die verrücktesten Sachen macht man. Man macht´s für sie ohne groß nachzudenken”.
    Ich verstehe genau, was er meint. Besser kann man es nicht beschreiben. Genau so ist es im Sturm auf einem Rahsegler – und wahrscheinlich auch beim VO 60 heute

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  10. avatar Martin sagt:

    Leider ist das Video nicht mehr verfügbar.
    Hat noch jemand ein Backup?

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