Strandkat–Weltumseglung: Yvan Bourgnon hat es (fast) geschafft

„Am liebsten würd’ ich bremsen!“

Eindrücke von einem perfekten Segeltag, kurz vor Rückkehr in den Atlantik

Es ist vollbracht. Yvan Bourgnon ist der erste Mensch, der auf einem offenen Strandkat, ohne Schlupfkajüte oder sonstigen Schutz vor den Elementen und ohne GPS solo um die Welt segelte.

Viel hat er nicht mehr zu sagen. Er, der sonst wie ein Wasserfall redet und so wunderbare Geschichten erzählen kann. Ganz im Gegenteil, Yvan Bourgnon wirkt eher wehmütig, ganz so, als möchte er das Ende seines Abenteuers noch ein wenig herauszögern. Weit muss er nicht mehr segeln, vielmehr kurvt er vor Ouistreham Riva Bella, seinem offiziellen Zielort in der Normandie, noch ein wenig herum. Die derzeit eher schwachen Winde kommen ihm gerade recht, noch ein wenig durchatmen, noch einen Hauch vom „Grand Large“, der großen Weite mitnehmen, wie es im Französischen heißt.

Yvan Bourgnon, Weltumseglung, Strandkatamaran

“Nah am Wasser” © bourgnon

Seinen Startort Les Sables d’Olonne, etwas weiter südlich im französischen Departement „Vendée“ gelegen, hat er längst passiert, und eigentlich wurde die Weltumseglung bereits vollendet, als der Schweizer Extrem-Segler auf seinem offenen Sportkatamaran wieder aus dem Mittelmeer hinaus preschte, die Straße von Gibraltar passierte und mit seinen beiden Schwimmern erneut Atlantikwasser pflügte.

Übermenschlich

In 220 Tagen segelte Yvan Bourgnon somit 55.000 Kilometer, fuhr durch drei Ozeane und 13 Meere. Zwanzig Etappenorte steuerte Bourgnon auf seinem offenen Strandkatamaran an, unzählige Abenteuer erlebte er auf dem Wasser, und manchmal ging es „haarscharf an einer echten Katastrophe vorbei“.

Yvan Bourgnon, Weltumseglung, Strandkatamaran

Fast schon ein wenig wehmütig © bourgnon

Denn Bourgnons Gefährt, dieser so seltsam anmutende Strandkatamaran mit seinen hohen „Aufbauten“ auf den beiden Rümpfen (Bourgnon: „Sieht aus wie ein Sofa, fühlt sich an wie eine Folterbank“) ist ein fragiles Etwas, das alles andere als Hochsee-tauglich scheint. Und doch das Gegenteil bewiesen hat.

Dutzende Male muss er gekentert sein, er habe „irgendwann aufgehört zu zählen“. In manchen Medien werden sogar Hunderte Kenterungen erwähnt, egal: Tatsache ist, dass der Mann auf seinem Katamaran Leistungen vollbracht hat, die übermenschlich erscheinen. (SR-Leser begleiten Yvan Bourgnon seit Beginn seiner Reise – alle Artikel unter „Yvan Bourgnon“ in der Suchfunktion).

Tagelange Stürme, wochenlange Flauten, Kälte, enorme Hitze… all’ diese typischen Weltumseglungs-Unbilden erlebte er auf einem sieben Meter kurzen Teil, auf dem er sich noch nicht einmal vor den Wetterunbilden verkriechen konnte. Im Dauerzustand den Launen der Natur ausgesetzt, gab es nur eines für den Segler: Durchkommen und im nächsten Etappenort ankommen, irgendwie.

Doch genau an diesem „irgendwie“ wäre er beinahe gescheitert. Denn vor Sri Lanka, kurz vor dem Landfall, nimmt er noch eine Mütze voll Schlaf und strandet glatt an der felsigen Küste. Sein Katamaran, seine „Loulotte“ wie er sie liebevoll nennt, zerschellt. Bourgnon selbst kommt heulend vor Wut und Trauer unversehrt davon – sein Boot ist ein Totalschaden.

Doch mit Hilfe von Crowdfunding und williger Sponsoren baut Borgnon seinen ersten Katamaran originalgetreu nach und startet ein par Monate später als eigentlich vorgesehen von Sri Lanka, Richtung Afrika, Rotes Meer, Suez Kanal, Mittelmeer…

Yvan Bourgnon, Weltumseglung, Strandkatamaran

Eins mit dem Meer und seinen Bewohnern © bourgnon

 “Das Schicksal hat es gut gemeint”

40 Tage hat er von Port Said durch das Mittelmeer bis hinauf in den Ärmelkanal gebraucht, den einen oder anderen Etappenstopp inklusive. „Es war ziemlich ruhig“, sagt der Weltumsegler. „Okay, dass ich ein Fischerboot gerammt habe, im Nebel herumstocherte während ich unsichtbare Frachtpötte unweit von mir hörte oder jetzt zuletzt in den berüchtigten Gebieten des Raz de Sein oder Chenal du Four, wo teilweise bis zu 10 Knoten Strom stehen, noch unterwegs war… alles ist ja gut gegangen. Ich glaube, das Schicksal hat es nach seinem Faux-Pas an Sri Lankas Küste ganz gut mit mir gemeint.“

Eigentlich wolle er die Ankunft, jetzt auf den letzten Metern seiner Reise, am liebsten noch etwas herauszögern. „Ich würde am liebsten ein bisschen bremsen!“ sagt er in einem seiner mittlerweile kultigen Videos von Bord.

Yvan Bourgnon, Weltumseglung, Strandkatamaran

Traffic-Zone © bourgnon

Nur noch wenige Stunden trennen ihn vom Ende seines bisher wohl größten Abenteuers (siehe Liste seiner Abenteuer zur See hier). Was er jetzt vorhat? „Ich will mich erstmal verstärkt um meine beiden Kinder kümmern,“ sagt er ein wenig reumütig. „Aber es gibt noch reichlich zu erleben, da draußen!“

Verneigen wir uns jetzt schon vor einem Abenteurer, der mit sehr geringen Mitteln wirklich Großes geleistet hat. Rund um die Welt in einem offenen Katamaran, ohne GPS, völlig auf sich alleine gestellt… das ist schlicht enorm. Und wünschen wir ihm eine ruhige Nacht auf See, ohne Ankunftsschwierigkeiten morgen Vormittag.

Yvan Bourgnon, Weltumseglung, Strandkatamaran

Hat allen Grund zum Strahlen: Yvan Bourgnon © bourgnon

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Ein Kommentar „Strandkat–Weltumseglung: Yvan Bourgnon hat es (fast) geschafft“

  1. avatar Jörg Gosche sagt:

    Das macht ihm hoffentlich so schnell Keiner nach!

    Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 1

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