Summer of Foiling: Ex Olympioniken entdecken das Fliegen – Urlaub mit Wasserspielzeug

Verfolgungsjagd auf Tragflächen

Was tun ehemalige Olympiaklassen-Segler, wenn sie auf dem Trockenen sitzen? Johannes Polgar (42), Frau Kathrin (geb. Kadelbach, 36) ihre Brüder und zwei Olympioniken vergnügen sich mit Foiling-Equipment.

Johannes Polgar hatte keinen guten Start in das Jahr. Die Folgen einer Knie-Innenband-Verletzung nach einem Sturz beim Nacra17-Segeln bedeuteten für den 42-jährigen ex Olympioniken (Tornado 2008) das Ende des Comeback-Versuchs. Der Starboot-Europameister von 2010 trat mit seiner Vorschoterin Carolina Werner bei der Foiling-Nacra17-Australien-WM im Februar 2020 nicht mehr an und muss kampflos Kohlhoff/Stuhlemmer das Olympiaticket überlassen.

Eine Enttäuschung zwar, aber sie wurde mehr als wettgemacht durch die Geburt seiner Tochter. Die Olympia-Kampagne ging nahtlos in die Elternzeit über. Und die Corona-Krise hätte für die Fortsetzung der Nacra17-Karriere wohl auch große Schwierigkeiten gebracht. Schließlich muss Polgar Ende Oktober wieder seinen Arbeitsplatz im Sportmarketing bei Audi antreten. Also eigentlich kein schlechtes Timing.

Kühle Getränke werden bei ca. 18kn übergeben… beim „Summer of foiling“ 🚀 © privat

Aber der gebürtige Sauerländer will davon nichts wissen. Für die olympischen Athleten sei das alles “ein großer Mist”. “Mir tut das so leid”, sagt er im Gespräch mit SR. Die Karriere einfach ein weiteres Jahr fortzusetzen, sei für viele Sportler extrem schwer. Und dabei ist es noch nicht einmal klar, ob der Termin 2021 gehalten werden kann.

Andererseits sieht er in der langen Zwangspause aber auch eine Chance, “die Begeisterung für den Segelsport neu zu einfachen”. Beispiel dafür sei der Urlaub, den er gerade erlebt hat. “Das Segeln hat so sehr gefehlt, und die Möglichkeiten, Schiffe mit der größeren Familie zu chartern waren begrenzt, so dass wir uns eine Alternative ausgedacht haben”.

Foiling generations… P.Kadelbach mit Sohn Fritz 🚀 © privat

Die nähere Familie um die Brüder seiner Frau Kathrin (geb. Kadelbach, Olympia-Achte, 470er, 2012) sowie Freunde wie Ulrike Schümann (47, Olympia-Vierte, Yngling, 2008) und Alexander Baronjan (44, Olympia-Neunter, Mistral Surfen, 2000) hatten alle das gleiche Problem: Einen ansprechenden Urlaubsinhalt finden. Frei nach dem Motto: „Bringst Du mir etwas mit? Was Spannendes, was zum Spielen. Und Schokolade!“

Sie trafen sich beim Thema Foiling. Insgesamt 16 Personen bezogen in nächster Nähe Ferienunterkünfte auf Rügen, nahe am Wasser, und sie brachten so viel Material zum Fliegen mit, wie sie auftreiben konnten: Wasp-Moth, Kite-, Surf-, Pump– und e-Foil. Nur den Nacra17 ließ Polgar zuhause.

Es hat funktioniert. “Irre, wie man mit solchem Gerät, die Wasserport-Begeisterung erhalten oder wieder entfachen kann”, sagt Polgar. Am Strand sorgten sie teilweise für Trauben von Zuschauern, wenn die Verfolgungsjagden starteten. “Selbst alte Fischer blieben mit offenem Mund stehen”. Solche Foiler hatten sie noch nicht gesehen.

Bei erfolgreicher Foiling Performance gab’s das Shirt… © privat

Die neu “Flieger” haben für ihren “Summer of Foiling” sogar die passende Klamotte kreiert. Eine Wiederholung scheint nicht ausgeschlossen.

Auch abends gilt… „stay loyal to the foil“ 😂 © privat

Alexander Baronjan (Olympia-Surfer Sydney 2000) begeistert auf neuem Terrain. © privat

Philipp Kadelbach auf dem morgendlichen Weg zum Bäcker. © privat

First sail – first foil… Hendrik Kadelbach (ex 470er) verdient sich sein Shirt. © privat

© privat

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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