Superyacht Crash: Kapitän äußert sich – Rätselhafte Computer-Fehlfunktion

Kleinholz

Der Crash der 77 Meter langen Superyacht “Go” hat dem Kapitän jede Menge Spott eingebracht. Nun äußert er sich zu den Gründen für den Unfall in der Edel-Marina von St-Maarten.

Simon Johnson musste schwere Vorwürfe über sich ergehen lassen, nachdem er gleich zweimal hintereinander mit der Mega-Yacht “Go” in die Steganlage des St. Maarten Yacht Clubs gekracht war. Nun äußerte er sich bei der lokalen Zeitung Daily Herald über die fatalen Momente, die zum Crash geführt haben in der Hoffnung, dass nicht weiter seine Kompetenz in Frage gestellt wird.

Die Superyacht “Go” hat bei ihrem Crash jede Menge Kleinholz hinterlassen.

Der Crash passierte als Johnson die Ausfahrt aus der Simpson Bay ansteuerte, die ihm mit der 13,5 Meter breiten “Go” in der Brückendurchfahrt nur 50 Zentimeter Platz auf jeder Seite lässt. Etwa 20-mal habe er dieses Nadelöhr schon unbeschadet passiert. Diesmal wehte der Wind achterlich mit 24 Knoten, aber das Manöver sei auch schon bei stärkerem Wind gelungen.

Als er eine Position etwa 50 Meter vor der Durchfahrt hielt, habe sich die Yacht “auf mysteriöse Weise vorwärts bewegt”. Die Kontrollen auf der Brücke hätten keine Fehlfunktion angezeigt. Auch im Maschinenraum war alles normal.

Den Anker fallen lassen?

“Aber ich hatte nur eine extrem eingeschränkte Kontrolle über das Schiff – eigentlich nur noch das Bugstrahlruder.” Er überlegte, den Anker fallen zu lassen, aber das wäre katastrophal gewesen. Der Bug hätte in den Wind und das Heck Richtung Felsen und Brücke gedreht. Ein Leck wäre nicht schön gewesen mit gut 160.000 Liter Treibstoff an Bord. Deshalb zielte er mit dem Bug in Richtung des Yachtclub-Stegs, um dort einigermaßen sanft zu stranden.

So eng ist die Durchfahrt in die Simpson Bay auf St-Maarten:

Johnson konnte das Schiff wieder befreien, nach einer erneuten Fehlkommunikation zwischen Brücke und Maschinenraum kam es aber zu einer zweiten Kollision. Der Kapitän erklärt weiter im Daily Herald. “Die Ursachen für die Fehlfunktion sind noch nicht endgültig geklärt, aber eine intensive Untersuchung ist im Gange”.

Der Vorfall sei ziemlich beunruhigend: “Die Tatsache, dass es keinen Alarm gab, war wirklich beängstigend. Ich kenne diese Yacht so gut, und doch hatte ich nur 13 Sekunden Zeit, um die eine Entscheidung zu treffen, gegen den Steg zu fahren.”

So etwas habe er während seiner dreieinhalb Jahre als Kapitän auf der Go” noch nicht erlebt. 28.000 Meilen legte er mit dem Schiff zurück und besuchte dabei 276 Häfen. Insgesamt ist er seit 40 Jahren im Geschäft, davon 35 Jahre als Kapitän.

14 Computer für die Steuerung

Er kritisiert nun die moderne Elektronik, mit der diese Yachten gesteuert werden als “lächerlich übertrieben”. Allein auf der Brücke seien 14 Computer installiert, zwei weitere unter Deck. Es gebe keine Möglichkeit für eine manuelle Übernahme der Steuerung.

Wenn die Superyacht besonders nahe am Geschehen sein will.

“In dieser Branche müssen Fragen gestellt werden: Wer baut diese Boote, wer entwirft sie, wer überwacht sie und warum werden wir Kapitäne nicht gefragt, was wir brauchen, um sie zu bedienen?”

Nun werde das Schiff erst einmal den Hafen nicht verlassen, bis die Spezialisten der Lloyds Versicherung die nötigen Reparaturen genehmigt haben. Dann folgt noch ein Test auf See, um alle Systeme zu überprüfen. Er dürfe noch keine offizielle Schlussfolgerung mitteilen, bis die Untersuchungen nicht abgeschlossen sind, aber es sehe so aus, als ob eine Computerstörung zu dem Crash geführt hat.

Rückhalt bekommt Johnson vom deutschen Eigentümer Hans Peter Wild. Er hat folgende Erklärung abgegeben: “Ich stehe voll und ganz hinter den Entscheidungen des Kapitäns. Er konnte eine personelle, wirtschaftliche und ökologische Katastrophe für die Insel abwenden. Ich habe volles Vertrauen in den Kapitän und bin ihm sehr dankbar.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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