Superyacht Design: 66 Meter Segler mit Kite-Antrieb – 28 Meter Tender schleppt das Spielzeug

Mit Wendeltreppe und Whirlpool

Das türkische Kunstrukteur-Büro Red Yacht Design hat Einzelheiten zu seinem jüngsten Superyacht- Projekt ICE Kite bekannt gegeben. Ein “deutscher Unternehmer” soll es in Auftrag gegeben haben.

Superyacht mit Kite-Antrieb. © Red Yacht Design

Den Beweis für die Sinnhaftigkeit des Drachen-Antriebs auch für große Yachten und Frachter hatte die Hamburger Firma SkySails eigentlich schon vor mehr als zehn Jahren erbracht. Zusammen mit der Bremer Reederei Beluga entwickelte sie einen vollautomatischen Zugdrachenantrieb, der den Spritverbrauch deutlich senken konnte.

Aber Beluga schlitterte 2011 in die Pleite und 2012 musste auch SkySails Leute entlassen. Es wurde ruhig um die Firma, die ihr Syste inzwischen auch als Windrad-Alternative zur Energieerzeugung anbietet. Andererseits erhöht sich der Druck auf die Reedereien, ihre Fracht umweltfreundlicher zu transportieren. Inzwischen gibt es neue Initiativen, das Potenzial der Kite-Technik auf See auszuschöpfen. Eine Airbus-Tochter soll für solche Zwecke gleich 50 Drachensysteme geliefert haben.

Das 26 Meter lange Tochter-Boot gibt’s im Paket dazu. © Red Yacht Design

Da ist es auch ein gutes Zeichen für die Branche, dass die Windkraft in Zukunft auch gegen den aktuellen Trend für Superyachten noch eine größere Rolle spielen könnte. Auf der Suche nach einer umweltfreundlicheren Form des Antriebs hat ein deutscher Unternehmer, der bisher nicht beim Namen genannt werden will, 2018 die Superyacht Ice Kite in Auftrag gegeben. Und das Projekt ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass das türkische Kunstrukteur-Büro Red Yacht Design Einzelheiten preisgegeben hat.

Viel Glas sorgt für beste Aussichten. © Red Yacht Design

In Zusammenarbeit mit den renommierten niederländischen Konstrukteuren von Dykstra Naval Architects habe man die Yacht quasi um einen Kite-Antrieb herum entworfen. Er werde durch einen 2.000 PS starken zweimotorigen Dieselantrieb ergänzt. Die Höchstgeschwindigkeit soll etwa 17 Knoten betragen.

Was es genau mit dem Namen “Ice” auf sich hat, wird nicht ganz klar. Möglicherweise deutet er auf das bevorzugte Cruising-Gebiet des Eigners hin. Vielleicht braucht er deshalb einen warmen Whirlpool auf dem Oberdeck.

Das Whirlpool muss bei dieser Art von Yachten wohl sein. © Red Yacht Design

Jedenfalls möchte er möglichst wenig Sprit verbrauchen und hat deshalb einen superleichten Aluminiumrumpf gewählt mit Aufbauten aus Kohlefaser. Allerdings geht es nicht ohne einen Hubschrauberlandeplatz auf dem Vordeck, falls es mal zu eng wird auf dem Schiffchen. Vielleicht verzichtet er deshalb auf ein normales Rigg. Sonst würde  auf dem Voschiff der Platz zum Landen fehlen.

Aluminium-Rumpf mit Kohlefaser-Aufbau. © Red Yacht Design

Das Achterschiff weist einen großzügigen Pool auf – im Meer schwimmt es sich offenbar nicht entspannt genug. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Essbereich für zwölf Personen, eine Bar und zahlreiche Sonnenliegen. Ein zweites, weniger auffälliges Sonnendeck nimmt einen Großteil des Flybridge-Decks ein.

Auf dem Unterdeck befindet sich die voll ausgestattete Eignerkabine mit Badezimmern, einem Büro, einem Aufenthaltsbereich und einem direkten Zugang zum angrenzenden Spa. Der Eigentümer kann wählen, ob er die Nutzung für sich selbst reserviert oder für bis zu 10 Passagiere öffnet – es gibt vier Gästekajüten.  Die Besatzung wohnt im Vorschiff.

Spielzeuge wie das Flugzeug und ein 12-Meter langes 16-Knoten-RIB sind auf dem “Beiboot” untergebracht. © Red Yacht Design

Da die beabsichtigte Widerstand-Minimierung im Wasser einen schmalen Rumpf erfordert, fehlt der Platz für das Stauen des offenbar notwendigen Spielzeugs. Deshalb setzt sich in der Szene scheinbar immer mehr die Idee durch, einen Ausrüstungsschlepper nebenher dieseln zu lassen.

Elektro Bötchen zum Chillen. Falls es mal auf dem Mutterschiff zu stressig wird. © Chilli Island

Dieses Schiffchen ist immerhin auch 26 Meter lang und soll ein Icon A5-Amphibienflugzeug transportieren, ein U-Boot vom Typ Worx, ein 60-Knoten-RIB und zwei Jet-Skis. Außerdem Tauchausrüstung, SeaBobs und ein elektrisches Chilli Island Bötchen. Ein 6-Tonnen-Kran übernimmt das Zeugs ins Wasser.

Das Projekt soll auf einer niederländischen Werft realisiert werden. “Weitere Informationen gibt es nach Baubeginn”, heißt es vom Konstruktionsbüro.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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