Tödlicher Unfall: Teenager stirbt nach Sturz aus dem Rigg des Schoners „Germania Nova“

Tragisches Ende einer jungen Weltenbummlerin

Weltumseglung, Karibik, Unfall, tödlich

Die 18-jährige Bethany S. verunglückte tödlich © Facebook/smith

Die 18-jährige Bethany S. startete vor 10 Jahren mit ihren Eltern zur Weltumseglung. Seit einem Jahr arbeitete sie als „junior deckshand“ auf der Germania-Traumyacht. Nun passierte das Unglück. 

Die karibische Langfahrtszene trauert: Am vergangenen Dienstag starb die 18-jährige Bethany S. nach einem Sturz aus dem Rigg der „Germania Nova“. Der Unfall ereignete sich im Hafen von Port Antonio/Jamaika bei Reinigungsarbeiten in einem der beiden 60-Meter-Masten des Luxusschoners, auf dem die Waliserin vor einem Jahr als „junior deckshand“ angeheuert hatte. 

Bethany S. war in der internationalen Langfahrtszene bekannt und beliebt – nicht zuletzt, weil sie bereits seit mehr als 10 Jahren gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder die „Sieben Meere unsicher machte“, wie sie auf ihrem Blog schrieb. 

Seit zehn Jahren auf den Weltmeeren

Die Familie S. startete im April 2007 zu einer Weltumseglung auf ihrer Yacht „Cape“. Sie verbrachten drei Jahre im Mittelmeer, bummelten zu den Kanaren und halfen bei mehreren humanitären Einsätzen in West-Afrika. 2012 wagten sie den „Sprung über den Großen Teich“ und tingelten seitdem durch die Karibik. 

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Germania Nova in der Karibik © germania nova

Vor einem Jahr heuerte Bethany S. in Trinidad auf der „Germania Nova“ (Baujahr 2011) an, der 60-Meter-Replika der legendären „Germania“ (Bj. 1908 ) von Stahl-Tycoon Krupp. Die „Germania Nova“ gehört dem Stahlunternehmer Jürgen Großmann und wird hauptsächlich für Luxus-Chartertörns mit fester Crew eingesetzt (Wochencharter ca. 90.000 Dollar) .

Bethany S. schrieb damals, dass sie „sich regelrecht in das Schiff verliebt“ habe und sie „überglücklich“ gewesen sei, als man sie als „junior-deckshand“ einstellte. Ihre Blogs stellte sie fortan unter das Motto: „Lebe dein Leben heute, Du weißt nie, was Dir der nächste Tag bringen wird.“ 

Auch die Eltern freuten sich für ihre Tochter, die so ihren „seemännischen Horizont“ erweitern konnte.

Knoten gelöst?

Der Unfallhergang wird derzeit von den Behörden auf Jamaika untersucht. Aus der Segelszene vor Ort ist zu vernehmen, dass Bethany S. wohl für Reinigungsarbeiten in den Mast gezogen wurde. Dabei soll sich ein Knoten gelöst haben. Andere Versionen gehen davon aus, dass ein Fall oder eine Sicherungsleine gebrochen sei. 

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Bethany S. galt als “Sonnenschein der Segel-Community in der Karibik” © facebook/smith

Niall Robinson von der Charter-Agentur Hill Robinson Yacht Management, die „Germania Nova“ im Auftrag verchartern, bestätigte den Unfall und versicherte, dass „man alles tun werde, um die Familie S. in ihren schweren Stunden zu unterstützen“. 

Doch dem ist aber ganz offensichtlich nicht so. Das Boot der Eltern liegt derzeit in Trinidad an Land, wo sie mit umfassenden Renovierungsarbeiten beschäftigt waren. Der Vater war gerade für einen neuen Job nach Holland geflogen um dort für drei Wochen auf einem Schiff zu arbeiten. Vorher hat er im Dreiwochen-Turnus Schiffe von England aus zu Ölplattformen in der Nordsee gefahren und war dann wieder drei Wochen in Trinidad.  Die Mutter arbeitet frei als Ghostwriterin von Bord aus und der Sohn macht derzeit eine Ausbildung auf einem Schiff auf Antigua.

Low-Budget-Segler in Not

Die Drei sind sofort zum Unglücksort gereist, um sich von der Verunglückten zu verabschieden. Die „Low-Budget-Segler“ haben jedoch große Schwierigkeiten, die anstehenden Kosten von mindestens 9.000 britischen Pfund zu decken. Enge Freunde haben schon eine Online-Sammelaktion eingerichtet, mit der zumindest die wichtigsten anstehenden Unkosten gedeckt werden sollen. 

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Bethany S. bei der Arbeit © facebook/smith

Zudem wurde gestern ein Benefiz-Barbecue veranstaltet, dessen Erlöse ebenfalls der Familie S. zugute kamen. 

Die nicht immer gerade gut betuchte Langfahrtszene spendet also – die versprochene Unterstützung seitens der Arbeitgeber der verunglückten Bethany S. lässt jedoch noch auf sich warten. 

Memorial Fund / Spendenseite

Spenden
http://www.fastdownwind.com

4 Kommentare zu „Tödlicher Unfall: Teenager stirbt nach Sturz aus dem Rigg des Schoners „Germania Nova““

  1. avatar Jürgen Weppler sagt:

    Mein Mitgefühl an die Angehörigen.
    Leider ist nicht ganz klar, wie der Unfallhergang war. Aber wenn sich ein Knoten löst oder ein Fall oder eine Sicherungsleine bricht, frage ich mich, warum man nicht doppelt gesichert wird, wenn man in den Mast geht. Mag sein, dass einige das als übertrieben abtun, aber ich habe mich das schon immer gefragt. Ich selbst gehe nur doppelt gesichert (zweites Fall) in den Mast.
    Auch die sogenannten Bootsmannstühle auf Segelyachten sind alles andere als sicher um Arbeiten im Mast zu verrichten.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 12

  2. avatar pl_knut.erbar sagt:

    Ich denke, die junge Seglerin dürfte bereits in ihrem Alter mehr Meilen und eine bessere Ausbildung gehabt haben, als die meisten Ostsee/ Nordsee – Segler in ihrem gesamten Leben kumulieren werden.
    Die konkrete Unfallkonstellation ist keinem von uns bekannt. Altkluge Kommentare, was man selber – natürlich! – alles besser gemacht hätte, sind weder der Situation angemessen noch helfen sie weiter. Statt dessen, einfach mal nachdenken und via Spendenbutton (direkt unter dem Artikel!) der Familie den einen oder anderen Euro zukommen lassen. Das wäre weitaus passender, als diesen tragischen Unfall zum Anlass einer zufriedenen Selbstbeweihräucherung zu nehmen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 18 Daumen runter 3

  3. avatar Seilor sagt:

    Zumindest das finanzielle Leid der Familie wird doch wohl hoffentlich Jürgen Grossmann als Besitzer der Germania Nova lindern?! Die Managing Company macht schliesslich nur was man ihr sagt …

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

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