TV-Rückschau: ZDF-Dokumentation „Mord im Paradies“

Vergeben, nicht vergessen

Ruhig, unprätentiös dargestellt: Heike Dorsch in der ZDF 37° Doku © zdf

Ruhig, unprätentiös dargestellt: Heike Dorsch in der ZDF 37° Doku © zdf

Die „37-Grad“-Doku erzählt das reale Schicksal der Heike Dorsch. Tragisch, ergreifend und mit einem durchaus hoffnungsvollen Akzent. Ein Muss für alle Blauwasser-Träumer.

In der wohl berührendsten Szene geht Heike Dorsch durch einen Dschungelhain auf Nuka-Hiva. Ihr Gang wirkt ein wenig verlegen und man fragt sich im ersten Moment, was dieser Auftritt eigentlich soll. Bis man die Aufschrift auf ihrem T-Shirt entziffern kann: „Forgive, but do not forget!“ Ein mutiges Bekenntnis für eine Frau, deren Freund hier auf dieser Insel 2011 brutal von einem Einheimischen ermordet wurde.

Ruhig und unprätentiös präsentiert die 37-Grad-Redaktion ihre Dokumentation über Heike Dorsch, die sich gemeinsam mit ihrem Freund einen lange gehegten Lebenstraum erfüllte, der auf denkbar schmerzhafte Weise abrupt endete.

Dabei wird besonderer Augenmerk auf Heike Dorschs „Geschichte danach“ gelegt: Wie hat sie das grausame Erlebnis und den Verlust des Partners verarbeitet? Und wie ist es, wenn man aus diesem Schock heraus plötzlich im Mittelpunkt des Medieninteresses steht? Welche Gefühle kommen wieder hoch, wenn man bei den Dreharbeiten zu einem Spielfilm, der ihr eigenes Leben beschreiben soll, beratend dabei ist?

Blick zurück auf einen geplatzten Lebenstraum © zdf

Blick zurück auf einen geplatzten Lebenstraum © zdf

„Es ist gut, dass „Blauwasser“ ein Spielfilm ist. Es gibt mein Leben und es gibt diesen Film,“ sagt sie in der Dokumentation. „Manchmal sehe ich mich selbst und dann doch wieder nicht!“

Heike Dorsch wirkt zurückhaltend, ehrlich und offen. Keineswegs aufdringlich, wie ihr mitunter in den letzen zwei Jahren vorgeworfen wurde – ihre offensive Art, mit den Ereignissen auf Nuka-Hiva umzugehen, sei marktschreierisch und zu sehr auf Medienaufmerksamkeit ausgerichtet.

Sie wolle wieder ins Leben zurückfinden, sagt sie in einer Szene. „Nur weiß ich noch nicht so ganz genau wie! Wenn ich an meine Geschichte denke, kann ich manchmal kaum glauben, dass ich sie erlebt habe!“

"Wir sind im Paradies angekommen!" sagte ihr Freund Stefan. Tage später wurde er ermordet © zdf

“Wir sind im Paradies angekommen!” sagte ihr Freund Stefan. Tage später wurde er ermordet © zdf

Die Verarbeitung der Ereignisse in einem Buch, in einem Fotobildband und nun mit den beiden ZDF-Produktionen (Spielfilm und Dokumentation) ermöglicht ihr zumindest einen finanziellen Neuanfang. Ob dies wirklich hilft, die Ereignisse zu verarbeiten, wird sich zeigen.

Wer die 37 Grad-Doku „Mord im Paradies“ gestern verpasst hat, kann den Film in der ZDF Mediathek online in voller Länge (29 Minuten) „nach“schauen.

Der Spielfilm „Blauwasserleben“ wird unter der (nicht gerade treffenden) Rubrik „Herzkino“ gezeigt.

Spenden
https://yachtservice-sb.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *