Überfall: Blauwassersegler in St. Lucia auf 41 Fuß Yacht ermordet

Ende eines Traums

Die Briten Roger und Margaret Pratt sind auf der Karibik-Insel St. Lucia überfallen worden. Der Skipper wurde mit mehreren Messerstichen getötet. Die Polizei hat zwei Verdächtige festgenommen.

St Lucia Ueberfall

“Das ist Glück…” lautet die Bildunterschrift zum 60. Geburtstagsfoto der Skipperin wenige Tage vor dem Überfall. © Pratt

St. Lucia, die Nordinsel der ostkaribischen Inselgruppe, gilt als eines der Traumziele für Segler. Aber für ein Seglerpaar vom Londoner Royal Thames Yacht Club wurde der Ort in der Nacht von Freitag zu Samstag zum Alptraum.

Ein Überfall auf sein Schiff im Hafen von Vieux Fort kostete den 62-Jährigen Skipper Roger Pratt  das Leben. Britische Medien berichten, dass er seine Frau Margaret (60) vor einer Bande beschützen wollte, die ihre 41 Fuß YachtYacht geentert hatte.

Im Dinghy geflohen

Die Behörden berichten, dass Pratt von drei Männern erst zusammengeschlagen und dann durch mehrfache Messerstiche ermordet worden sei. Die Angreifer warfen ihn über Bord und flohen mit ihrem Dinghy. Seine Frau fand kurz darauf den im Wasser treibenden Körper.

St Lucia Ueberfall

Die 41 Fuß Yacht “Magnetic Attraction”. © Pratt

Die lokale Polizei hat bei der folgenden Untersuchung zwei Männer festgenommen. Anders lautende Meldungen sprechen davon, dass es ein Feuergefecht gegeben habe, bei dem ein Mann gestorben sei.

Das Ehepaar hatte im Juli 2013 England verlassen um mit dem vor 12 Jahren erworbenen Schiff den Törn ihres Lebens zu absolvieren. Es war der Plan, den 60 Geburtstag von Margaret Pratt  in der Karibik zu feiern.

Am 10 Januar war es so weit. Bei einem Dinner im edlen Discovery Resort in der Marigot Bay feierte das Paar mit Freunden den Ehrentag. In ihrem Blog kommentieren sie später ein Bild von dem schönen Abend mit “Alle zusammen an einem wunderbaren, denkwürdigen Tag. So sieht Glück aus…”

Probleme mit dem Zoll

Nur wenige Tage später wollten sie die Insel verlassen hatten aber Probleme bei der Zollabfertigung in Soufriere. Ein ansässiger Behördenvertreter erklärte, dass der zuständige Mann nicht zur Arbeit erschienen sei und sie nicht ausklarieren könnten.

Also segelten sie weiter bis zu dem südlichsten Hafen von St.Lucia Vieux Fort, um nach dem Wochenende am Montag dort die Zollangelegenheiten regeln zu können. “Hier ist es sehr anders”, schreiben die Segler in ihrem Blog-Eintrag. Es gibt einen Hafen; einen Flughafen aber keine Touristen”. Ein Ort, an dem sie offenbar mehr als vergleichsweise wohlhabende Europäer auffielen als in den zuvor besuchten Häfen mit hohem Besucher-Anteil. Zwei Drittel des Wirtschaftseinkommens von St. Lucia stammt aus dem Tourismus.

St Lucia Ueberfall

Das erfahrene britische Seglerpaar erfüllte sich mit der Langfahrt einen lang gehegten Traum. © Pratt

Wohl fühlten sich die Segler nicht in dem Handelshafen. “Vielleicht kann ich mir ein paar Magazine am Flughafen besorgen”, sind die letzten im Blog geschriebenen Worte von Roger Pratt. Dann nahm das Unglück seinen Lauf.

Dabei schrieb seine Frau noch am 13 November, dass ihr Mann in Lanzarote ein Piraten-Seminar besucht habe. Als besten praktischen Tipp soll er die Installation einer App empfunden haben, die verbunden mit Bewegungsmeldern lautes Hundegebell erzeugen soll, um Eindringlinge zu vertreiben. “Das macht Sinn!” schreibt sie.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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7 Kommentare zu „Überfall: Blauwassersegler in St. Lucia auf 41 Fuß Yacht ermordet“

  1. avatar christian sagt:

    Wirklich traurig und erschütternd zugleich! Wer vieux fort kennt weiß dass es leider ein sehr armer ort mit vielen arbeitern und fischern ist, ein ort der abgelegen von den touristischen zielen st. Lucias ist und lediglich von einigen wenigen fahrtenseglern zum ein- und ausklarieren anlaufen, aber wohl meist kaum geld da lassen… Vom tourismus sieht vieux fort wohl in erster linie die abgasstreifen des nahe gelegenen flughafens und die weißen yachten der fahrtensegler die vor dem hafen ankern…

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  2. avatar Michael sagt:

    Ihr macht mir Mut! Dort will ich morgen hin um Crew aufzunehmen

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  3. avatar Arne sagt:

    Ihr sollte endlich mit dem verständnisvollen Getue der ach so armen St. Lucianer aufhören. Mord bleibt Mord, auch wenn man arm ist! Dass wir Segler dort nicht willkommen sind, merken wir sofort beim Einklarieren durch arrogante und agressive Beamten. Schade für die wirklich tollen Guys in Mrigot Bay und bei den Pitons. So oft wurde diese Haltung in St. Lucia beklagt, geändert hat sich nichts. Rassimus umgekehrt. Fahrt einfach 100 nm weiter nach Portsmouth in Domenica (Prince Ruperts Bay). Dor haben die ansässigen Guides, Restaurantbesitzer und Taxifahrer eine Assiociacio(PAYS) gegründet und sorgen selbst für Sicherheit. Die haben verstanden, dass wir Yachties ihre Existenzgrundlage sind und sorgen selbst für Sicherheit. Ich komme gerade von dort, dass Gefühl, willkommen und beschützt zu sein, ist wirklich einzigartig. Außerdem ist die Natur von Dominica unvergleichlich, kein Touri-Rummel, zumindest im Norden. Schreibt mir, wenn ihr mehr wissen wollt: arne.ipsen@arcor.de

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 3

    • avatar christian sagt:

      Genau das ist es doch…. die Jungs in Marigot Bay – klar, Marigot Bay is ne Hotelbucht, die Pitons ein organisiertes Tourismus Zentrum mit Eintrittskarten… Ist klar dass es dort sicher ist.

      Mord bleibt Mord, keine Frage und da möchte ich auch in keinster Weise für Verständnis werben.

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  4. BITTE UN MITHILFE BEI DER SUCHE NACH MEINEM HOCHSEE-KATAMARAN “CARPE TEMPORA”:
    Ich bitte um Mithilfe bei der Suche nach den Aufenthaltsorten meines selbstgebauten Hochsee-Katamaran CARPE TEMPORA ab dem Jahr 2004, welcher mir auf der Karibikinsel GRENADA “abhanden” gekommen ist.
    Details und einige hundert Fotos auf meinen Alben bei Facebook oder meiner Website http://www.buch-carpe-tempora.de oder in meinem Buch: CARPE TEMPORA*nutze die Zeit*zwischen Traum+Trauma*.
    HOHE BELOHNUNG !!!

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  5. avatar Karl sagt:

    Hallo,
    also wir sind gerade zurück mit einer Flotillie mit 8 Cat´s von Martinique aus. Wir waren bis PSV, der südlichste Punkt der Grenadine von St. Vincent. Ich habe auch eigentlich sehr gute Erfahrungen gemacht und war bisher von eher wenig Kriminalität ausgegangen. Bis letzten Freitag.

    Wir lagen in der Marigot Bay, gegenüber von Doolittels Hotel als letzter Cat von innen gesehen oder besser vorn in der Einfahrt. Wir hatten uns mit Freunden zum Essen verabredet.

    Kurz um,… wir sind in dieser Nacht überfallen worden ohne das jemand von der Crew etwas mitbekommen hat,…. Geld, Handys, ein GPS, Segelklamotten wurden gestohlen.
    Wir wissen nicht wann es passiert ist, es muss aber gewesen sein als wir alle wieder an Bord waren,
    denn mein Handy hatte ich mit im Restaurant und später wieder an Bord. Die Diebe waren dreist, denn in meiner Jacke waren u.a. meine Schlüssel für das Auto und mein Haus, diese haben sie aus meiner Jacke zurückgelassen, ebenso meine VisaCard die zusammen mit meinem Handy und Bargeld in meinem Segelshorty waren. Mein Shorty hatte ich direkt im Bett neben mir liegen ohne das man durch das Fenster z.B. darauf zugreifen konnte.

    Nachdem wir am Morgen überschauen konnten was gestohlen war begaben wir uns zur Polizeistation in Marigot. Dies mache ich auch kurz,.. wir wurden behandelt wie Verbrecher,… als der erste Beamte uns zahlreiche Fragen über das wie und was gestellt hat, kam ein zweiter Beamter nach etwa einer Stunde und hat uns das gleiche noch einmal gefragt.
    Der 2. Beamte hat sich zuvor mit einem Passanten auf der Straße unterhalten und ihm wortwörtlich gesagt: ” Wieder so ein paar bescheuerte Segler, die sich haben beklauen lassen”

    Dieser 2. Beamte fragte uns danach noch einmal das gleiche ohne das er irgentetwas mitgeschrieben hätte,..
    auf die Frage was wir denn denken was er jetzt tuen sollte, sagten wir ihm,.. wir hätten gern einen Report oder ein Protokoll von dem Vorfall. Darauf hin verzog er das Gesicht und machte uns durch seine Mimik sehr verständlich klar, das er das nur sehr ungern machen wird,… Bis heute haben wir keinen schriftlichen Nachweis, die Botschaft und die Honorarkonsularin in Soufriere sind eingeschaltet.

    Darüber hinnaus hatten wir einen Abend zuvor in der Soufriere Bucht, nicht am Strand, sonder an der nördlichen Buchtbegrenzung an eine Mooringboye gelegeln. Crewmitglieder hörten in der Nacht ein lautes Geschrei von einem anderen Cat der genau vor uns lag. Diese Cat sahen wir am Tag drauf wieder als wir bemerkt hatte das wir bestohlen waren.
    Zwei Crewmitglieder unterhielten sich mit diesem deutschen Ehepaar von dem das Geschrei die Nacht zuvor kam, um zu erfahren was denn los gewesen sei. Darauf erfuhren wir das auch auch diesem Boot während die Eigner an Bord waren, versucht worden ist Dinge zu entwenden.

    Mein Fazit nach 6 Törns ohne Zwischenfälle in den südlichen Antillen:

    Es wird gefährlicher gerade auf den entlegenen Liegeplätzen, und ich überlege mir 2 mal, ob ich wieder zwischen Matinique und Grenada segeln gehe.

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