Überfall: Neue Erkenntnisse zum Angriff auf Karibik-Segler

Raub außer Kontrolle geraten

Nach dem Überfall auf das britische Segler-Paar Roger und Margaret Pratt in St. Lucia, der mit dem Tod des Skippers endete, sind weitere Einzelheiten über das Unglück bekannt geworden.

St Lucia Ueberfall

Das erfahrene britische Seglerpaar erfüllte sich mit der Langfahrt einen lang gehegten Traum. © Pratt

Roger Pratt ist nicht wie bisher dargelegt einer Messer-Attacke zum Opfer gefallen. Die Polizei in St. Lucia hat ermittelt, dass der 62-Jährige Engländer nach acht Faustschlägen auf den Kopf und in das Gesicht bewusstlos über Bord gefallen und ertrunken sein soll.

Britische Medien berichten, dass fünf etwa 20-Jährige Verdächtige gehört werden, die im Umfeld des Handelshafen Vieux Fort leben. Die Region befindet sich abseits der Touristen-Gebiete und istbekannt für hohe Arbeitslosigkeit.

Die unbewaffneten Räuber sollen keinen Mord geplant haben. Offenbar sei der Raub außer Kontrolle geraten. Von einem Kanu aus enterten sie die 41 Fuß Yacht, trennten die beiden Segler und attackierten sie, um die Verstecke von Wertgegenständen zu erfahren.

Dabei wurden die Segler geschlagen. Auch Margaret Pratt weist Verletzungen im Gesicht auf und hat zwei blaue Augen. Sie fand ihren Mann im Wasser treibend, nachdem die Angreifer geflohen waren.

St. Lucia gilt bisher nicht als extrem gefährliches Gebiet für Langfahrtsegler. Dennoch weist das Auswärtige Amt auf Piraterie hin: “Segler sollten beachten, dass Raubüberfälle auf ankernde oder sich in Küstennähe befindende Schiffe bzw. Fälle von Piraterie in der Ostkaribik sporadisch vorkommen und entsprechende Maßnahmen ergreifen (Vorsicht mit spontanen Gästen an Bord, Eigensicherung bei Nacht). Notrufe an die Polizei/Küstenwache über 911 (Mobiltelefon) sind möglicherweise zuverlässiger als Dringlichkeitsrufe über mobilen Seefunk.”

Zur Kriminalität heißt es: “Wie die gesamte Region hat auch St. Lucia eine Zunahme der Gewaltkriminalität zu verzeichnen. Es wird daher grundsätzlich zu Vorsicht bei Spaziergängen in wenig belebten Vierteln bzw. Parks größerer Städte und Siedlungen, besonders nach Einbruch der Dunkelheit, geraten.”

 

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Carsten Kemmling

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6 Kommentare zu „Überfall: Neue Erkenntnisse zum Angriff auf Karibik-Segler“

  1. avatar blaq sagt:

    Tragisch…:(

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  2. avatar Tim sagt:

    Lagen auf unserer Atlantikrunde im Februar 2008 vor Vieux Fort vor Anker, um einen Freund zum Flughafen zu bringen. Das war einer der wenigen Momente, wo ich irgendwie ein ungutes Gefühl hatte. Dinghy auf der Mole zurückgelassen und dann regelrecht eine Art Spießrutenlauf entlang der runtergekommenen Dorfstraße gemacht. Waren froh, als wir wieder weiter konnten. Ist auch nichts passiert, aber die Stimmung der Locals habe ich noch deutlich als eher unfreundlich in Erinnerung. Auf der anderen Seite ist ein 10 m Sperrholzbötchen auch nicht so interessant, wie ein 12 m Koffer.

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  3. avatar robi rösti sagt:

    Arbeitslosigkeit in vielen Ländern ,macht auch kleine Diebe immer Hemmungsloser !

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  4. avatar Christian sagt:

    Wir waren 2010 mehrfach während unserer Karibik Runde in Vieux Fort – mit einem 14 m Koffer. Dem anfänglich unguten Gefühl muss ich zustimmen, der unfreundlichkeit der Anwohner allerdings ganz und gar nicht, eher im Gegenteil: Nach der ersten Landung lernte ich einen Fischer im Hafen kennen, der eindeutig einer der Arbeitslosen und Armen Menschen in Vieux Fort ist. Nach den ersten Gesprächen half er uns beim aufsuchen einer Frischwasserquelle, brachte uns mit den anderen Fischern im Hafen in Kontakt. Dort konnten wir dann den frischesten Fisch kaufen den wir in der Karibik je bekamen. Ich muss zugeben, anfänglich war ein ungutes Gefühl dabei, besonders als einer unserer Crew Mitglieder von einem Fischer mit einem größeren Messer in der Hand angesprochen wurde – unser Crewmitglied aber nichts verstand und entsprechend zurückhaltend auf den mit seinem Messer-Fuchtelnden und nicht zu verstehdnen Fischer reagierte. Dieser reagierte daraufhin ebenfalls etwas seltsam, gerade weil eben nur eine ängstlich-ablehnende Reaktion von unserem Crewmitglied kam. Als ich dazu kam konnte ich mit ein wenig Hand und Fuss Kommunikation ihm aber erklären dass unser Crewmitglied sich einfach erschrocken hatte und nicht wusste wie es reagieren sollte… ab diesem Moment hatten wir eine gute Zeit in Vieux fort, und es wurde für mich einer der besondersten Orte in der Karibik – aufgrund seiner authentizität, gerade weil es abseits der touristischen Gebiete liegt. Ich denke es sind häufig genau diese Missverständnisse die zu genannten Unfreundlichkeiten führen.

    Ein Überfall, erst recht mit solcher Brutalität, ist natürlich ein anderes Thema wofür es kaum eine Entschuldigung gibt, der aber auch auf andere Gründe zurück zu führen ist.

    Dennoch ist es denke ich sehr wichtig den einheimischen entsprechend entgegenzutreten. Kommunikation auf Aufgenhöhe – nicht vom hohen Deck der weißen Segelyacht “herab” zu den Jungs in den Motorbooten sprechen, sondern von der Badeplattform oder zumindest sitzend an Deck – ist vielleicht schon ein Anfang… Wir werden im kommenden Winter wieder in die Karibik Segeln und voraussichtlich wieder vieux fort anlaufen. Wahrscheinlich wieder mit einem unguten Gefühl, es wäre allerdings Schade sich so besondere Erlebnisse und auch Bekanntschaften von einigen wenigen Kriminellen die es zu Genüge auch in jeder deutschen Großstadt gibt, kaputt machen zu lassen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 3

  5. avatar Karl Suck sagt:

    Hallo,
    also wir sind gerade zurück mit einer Flotillie mit 8 Cat´s von Martinique aus. Wir waren bis PSV, der südlichste Punkt der Grenadine von St. Vincent. Ich habe auch eigentlich sehr gute Erfahrungen gemacht und war bisher von eher wenig Kriminalität ausgegangen. Bis letzten Freitag.

    Wir lagen in der Marigot Bay, gegenüber von Doolittels Hotel als letzter Cat von innen gesehen oder besser vorn in der Einfahrt. Wir hatten uns mit Freunden zum Essen verabredet.

    Kurz um,… wir sind in dieser Nacht überfallen worden ohne das jemand von der Crew etwas mitbekommen hat,…. Geld, Handys, ein GPS, Segelklamotten wurden gestohlen.
    Wir wissen nicht wann es passiert ist, es muss aber gewesen sein als wir alle wieder an Bord waren,
    denn mein Handy hatte ich mit im Restaurant und später wieder an Bord. Die Diebe waren dreist, denn in meiner Jacke waren u.a. meine Schlüssel für das Auto und mein Haus, diese haben sie aus meiner Jacke zurückgelassen, ebenso meine VisaCard die zusammen mit meinem Handy und Bargeld in meinem Segelshorty waren. Mein Shorty hatte ich direkt im Bett neben mir liegen ohne das man durch das Fenster z.B. darauf zugreifen konnte.

    Nachdem wir am Morgen überschauen konnten was gestohlen war begaben wir uns zur Polizeistation in Marigot. Dies mache ich auch kurz,.. wir wurden behandelt wie Verbrecher,… als der erste Beamte uns zahlreiche Fragen über das wie und was gestellt hat, kam ein zweiter Beamter nach etwa einer Stunde und hat uns das gleiche noch einmal gefragt.
    Der 2. Beamte hat sich zuvor mit einem Passanten auf der Straße unterhalten und ihm wortwörtlich gesagt: ” Wieder so ein paar bescheuerte Segler, die sich haben beklauen lassen”

    Dieser 2. Beamte fragte uns danach noch einmal das gleiche ohne das er irgentetwas mitgeschrieben hätte,..
    auf die Frage was wir denn denken was er jetzt tuen sollte, sagten wir ihm,.. wir hätten gern einen Report oder ein Protokoll von dem Vorfall. Darauf hin verzog er das Gesicht und machte uns durch seine Mimik sehr verständlich klar, das er das nur sehr ungern machen wird,… Bis heute haben wir keinen schriftlichen Nachweis, die Botschaft und die Honorarkonsularin in Soufriere sind eingeschaltet.

    Darüber hinnaus hatten wir einen Abend zuvor in der Soufriere Bucht, nicht am Strand, sonder an der nördlichen Buchtbegrenzung an eine Mooringboye gelegeln. Crewmitglieder hörten in der Nacht ein lautes Geschrei von einem anderen Cat der genau vor uns lag. Diese Cat sahen wir am Tag drauf wieder als wir bemerkt hatte das wir bestohlen waren.
    Zwei Crewmitglieder unterhielten sich mit diesem deutschen Ehepaar von dem das Geschrei die Nacht zuvor kam, um zu erfahren was denn los gewesen sei. Darauf erfuhren wir das auch auch diesem Boot während die Eigner an Bord waren, versucht worden ist Dinge zu entwenden.

    Mein Fazit nach 6 Törns ohne Zwischenfälle in den südlichen Antillen:

    Es wird gefährlicher gerade auf den entlegenen Liegeplätzen, und ich überlege mir 2 mal, ob ich wieder zwischen Matinique und Grenada segeln gehe.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

    • avatar Anni sagt:

      Wir sind gerade am vergangenen Wochenende von einem Segeltörn im gleichen Gebiet zurück gekommen. Wir haben im Revier zwischen Martinique, St. Lucia und den Grenadinen bereits in den letzten 7 Jahren einige Segeltörns unternommen und haben nie schlechte Erfahrungen gemacht. Bis letzten Donnerstag, den 18.12.2014. Als letzten und einzigen Stop auf St. Lucia auf dem Rückweg nach Martinique wählten wir die Marigot Bay. In den letzten Jahren war dort öfter ein Polzeiboot nachts Streife gefahren. In diesem Jahr war das nicht der Fall. Wir lagen ebenfalls an einem der letzte Plätze Richtung Meer vor Boje, vom Inneren der Bucht aus gesehen auf der linken Seite, gegenüber vom Doolittle. Wir hatten zunächst einklariert und eine Person war an Bord geblieben. Abends ab 19.00 Uhr hatten wir einen Tisch im ersten Restaurant – vom Boo aus gesehen – gebucht, dem Chateau Mygo. Im Cockpit des Katamarans hatten wir Licht angelassen und die Türen und Luken nach Möglichkeit verschlossen, allerings konnte bei einer Luke der Sicherungshebel nicht umgelegt werden. Als wir gegen 21.30 Uhr alle wieder an Bord waren, stellten wir fest, dass alle unsere Kabinen durchwühlt waren und in 2 Kabinen Geldbeträge entwendet worden waren von insgesamt 600 €. Alle Decksluken waren geöffnet worden und die Diebe entkamen durch eine Decksluke in der Nähe des Ufers. Da sie sich mit mehreren unserer Handtücher getrocknet hatten, und nasse Fußspuren hinterlassen hatten, schlossen wir, dass es mindestens 2 Diebe waren, die schwimmend gekommen und gegangen waren. Natürlich hatten sie die nicht abschließbare Luke bemerkt und waren dort eingestiegen. Weitere Wertgegenstände wie z.B. Kameras un Uhren hatten sie nicht angetastet. Die Crew war der Meinung, dass jetzt, wo die Diebe da waren, sie wohl kaum ein zweites Mal kommen würden. Am nächsten Morgen wollten wir sowieso weiter Richtung Martinique. Trotzdem beschlossen wir, das Boot so gut wie möglich zu verriegeln.
      Mit viel Kraft gelang es, den Sicherungshebel der Luke zu schließen, die Schiebetür zum Cockpit konnte nur mit einem kleinen Metallriegel geschlossen werden, da der eigentliche Schließmechanismus der Tür nicht funktionierte. Den Dingi-Motorschlüssel verwahrten wir direkt bei uns und ein Crewmitglied ging “bewaffnet” mit einem Tauchermesser, WD-40-Spray und einer Stirnlampe ins Bett. Eine zum Lüften geöffnete Decksluke wurde notdürftig mit einer Leine gesichert, um das Öffnen zu erschweren.
      Es passierte, was wir nicht gedacht hatten: gegen 3.00 Uhr morgens waren plötzlich Schritte an Deck zu hören. Ein Crewmitglied wurde wach und weckte seinen Kojengenossen, der im Salon nachsehen sollte, ob dieser noch verschlossen war. In der Zwischenzeit leuchtete der andere durch die Decksluke und dann durch eine kleine Luke nach achtern. Dort war ein Mann zu erkennen, der gerade den Kat verlies und in ein Ruderboot stieg. Das Crewmitglied brüllte daraufhin den Mann so laut an, dass die gesamte restliche Crew aufgeweckt wurde und der Dieb hastig davon ruderte. Da er Richtung Meer ruderte, war sein Fluchtweg begrenzt und 2 Crewmitglieder verfolgten ihn mit dem Dingi und stellten ihn. Er hatte jetzt sein Ruderboot ans Ufer gerudert und beteuerte, ein Fischer zu sein und wollte im felsigen Ufer-Urwald verschwinden. Als die beiden Crewmitglieder aber sein Boot mitnehmen wollten kam er aus dem Wald zurück und griff hastig in sein Boot. An der Stelle hatte ein Macheten-ähnliches Werkzeug gelegen, welches aber einer der Jungs aus dem Dingi bereits an sich genommen hatte, so dass der Dieb ins Leere griff.
      Da wir jetzt auch den Bootsnamen des Ruderbootes hatten, ließen wir den Mann entkommen und beschlossen, am nächsten Tag die Polizei zu informieren. Bereits früh am Morgen patroullierten 2 Polizisten in Zivil mit Revolver und Gewehr an diesem Uferabschnitt.Später erfuhren wir bei der Polizei, dass in dieser Nacht mindestens ein weiteres Boot ausgeraubt worden war. Das verwendete Ruderboot war ebenfalls gestohlen worden und wurd am Ufer halb versenkt entdeckt. Die Polizei erklärte, dass sie bereits eine Idee hätten, wer es sein könnte. Von unserer Charterbasis erfuhren wir dann im Nachhinein, dass es in letzter Zeit mehrere solcher Meldungen aus St. Luica und der Marigot Bay gegeben hätte. Wir werden diesen Platz wohl in Zukunft meiden.

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