Ultim Trimarane: Rothschild nach 17.000 Meilen im Ziel – “Spindrift” zur großen Runde gestartet

Rennen gegen die Zeit

Der eine kommt an, der andere fährt los. Spindrift ist zum Jules Verne Rekordversuch um die Welt gestartet, “Edmond de Rothschild” beendet 17.000 Meilen Atlantik-Runde siegreich.

Angekommen. Der Rothschild-Tri hat 17.000 Meilen absolviert. © Brest Atlantiques

Es mag einem vorkommen wie ein Staffelrennen. Der Ultim-Trimaran des Gitana Teams ist als erster der drei im Brest-Atlantiques-Rennen verbliebenen Boote im Hafen eingelaufen – der andere Große “Spindrift” hat die Leinen gelöst, um in 40 Tagen  die Welt zu umsegeln.

“Edmond de Rothschild” mit Franck Cammas und Charles Caudrelier haben 17.084 Meilen mit einem Durchschnitt-Speed von 24,8 Knoten absolviert. Das ist eigentlich nicht besonders schnell. Francis Joyon erreichte 2017 bei seiner um-die-Welt-Rekordfahrt auf der tatsächlich zurückgelegten Strecke von 26.412 Meilen einen Schnitt von 26.85 Knoten – im Lowtech-Modus ohne Foils. Aber der Rothschild-Tri erledigte nebenbei eben auch noch einen Reparatur-Stopp in Brasilien.

Cammas und Caudrelier geben auf den letzten Meilen noch einmal Gas. © © Yann Riou / Polaryse / Gitana SA

Viel können diese Zahlen nicht ausdrücken. Das Rennen um den Atlantik war nicht spannend, weil Francois Gabart mit der etwas kürzeren und drei Jahre älteren “Macif” kaum noch auf Augenhöhe segelt – Macif plant schon einen neuen Tri – und die neue “Sodebo” ist noch nicht mit dem richtigen Höhenleitwerk am Schwert-Foil ausgerüstet. Als dann auch noch das Ruder samt Heck abbrach, war das Rennen für Thomas Coville beendet.

“Brest-Atlantique” hat aber wohl seinen Zweck erfüllt. Nach dem Desaster bei der Route du Rhum 2018, als das Gros der 100 Fußer-Flotte auseinanderfiel ist der Beweis erbracht, dass auch die Monster der Foiling-Generation durchaus in der Lage sind, lange Distanzen auch im Southern Ocean zu bewältigen. Rekorde fielen zwar nicht, aber das Vertrauen der Sponsoren dürfte wiederhergestellt sein.

“Spindrift” legt ab

Da erscheint es wie ein Anachronismus, dass die noch größere “Spindrift” nun die Leinen gelöst hat, um den Jules Verne Rekord um die Welt zu brechen. Yann Guichard will die Fabelzeit von 40 Tagen und 23,5 Stunden knacken, die Francis Joyon vor zwei Jahren mit sechsköpfiger Crew aufgestellt hat. Allerdings mit gleich zwölf Männern an Bord. Mit harter Arbeit an Lenker und Schoten soll den leichtfüßigen Foilern der neuen Generation begegnet werden.

Spindrift beim Jules Verne-Start. © Chris Schmid / Spindrift Racing

Die 40 Meter lange “Spindrift 2” hat als “Banque Populaire V” vor elf Jahren erstmal die Werftallen der CDL-Werft in Nantes verlassen und 2012 den Jules Verne-Rekord auf 45 Tage und 14 Stunden gedrückt. Anfang 2013 wurde sie von Dona Bertarelli übernommen, und ihr Lebenspartner Yann Guichard beißt sich seitdem an der Bestzeit um die Welt die Zähne aus.

Das Schiff wurde immer wieder modifiziert, aber es scheint ihm kein Glück zu bringen. Im Juni 2015 beim Start zum Volvo Ocean Race schlitzte es ein Gummiboot auf. Eine Frau wird schwer getroffen. Sie verliert ein Bein. Guichard wurde verklagt.

Dann verlor der Franzose 2017 das Duell um die Welt gegen Joyon, der bei seiner Rekordfahrt ein perfektes Wetterfenster erwischt hatte. Schließlich scheiterten auch die Versuche Anfang 2018 und 2019. Erst brach der Mast auf der Anfahrt zur Startlinie, dann ein Ruder bei Australien.

Nun soll es also noch einmal klappen. Und es ist wohl die letzte Chance für den großen Trimaran. Die neuen Rennmaschinen beherrschen die Tragflächen-Technik immer besser und sind definitiv schneller. Francois Gabart erreichte schon mithilfe verbesserter Foils im Einhand-Modus die zweitschnellste Zeit um den Planeten in 42 Tagen, 17 Stunden. Die neue Generation der 100 Fuß Ultim-Trimarane ist noch schneller.

Aber Guichard tritt ja nur gegen die Zeit von Joyon an, der sich mit seiner IDEC-Sport inzwischen nicht mehr den Wettbewerbern stellt, sondern unbekannte Rekordmarken in Asien aufstellt.  Für “Spindrift” und die zwölfköpfige Crew ist es durchaus möglich, die Bestzeit zu knacken. Dafür müssen die Franzosen aber ein perfektes Wetterfenster erwischen.

Der Skipper ist zuversichtlich. Auch wenn es bisher noch nicht so gut aussieht. Nach knapp 400 Meilen liegt “Spindrift” schon gut 100 Meilen zurück. Aber vor Portugal erhofft die Crew einen schönen Beschleunigungsstreifen.

Zum Spindrift-Tracker

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Ultim Trimarane: Rothschild nach 17.000 Meilen im Ziel – “Spindrift” zur großen Runde gestartet“

  1. avatar herr zettpunkt sagt:

    Spindrift ist schon wieder kaputt und auf dem Rückweg.

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