Unfall: “Elbe 5” nach Kollision mit Frachter gesunken – Ignorierte der Kapitän Warnungen?

Horror-Vision

Gerade erst ist der 1883 gebaute 37 Meter lange Lotsenschoner “Elbe 5” für 1,5 Millionen Euro saniert worden. Nun ist er nach einer Kollision gesunken. 43 Menschen waren an Bord. Ein Glücksfall erleichterte die Rettung.

Lotsenschoner "Elbe 5"

Der gesunkene Lotsenschoner “Elbe 5” (Beild Klicken für NDR-Bericht)

Das Bild von der Kollision entspricht einer Horror-Vision. “Elbe 5”  gerät auf der Elbe in Höhe von Stade mit der Backbord-Breitseite vor den Bug des unter zypriotischer Flagge fahrenden 141 Meter langen Containerfrachters “Astrosprinter” und wird massiv auf die Seite gedrückt.

“Elbe 5” kollidiert mit dem Containerfrachter “Astrosprinter”

Weiteres Kollisions-Bild von einem Tagesspiegel-Fotograf

Ein Wunder, dass die historische Yacht nicht sofort auseinander bricht. Aber die 43 Menschen an Bord können sich auf dem leckgeschlagenen Oldtimer halten. Dabei ist es einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass sich eine DLRG- und Feuerwehr-Abteilung wegen eines anderern Einsatzes in der Nähe befindet. Die Zeit bis zu ihrem Eingreifen kann durch diesen Umstand von geschätzten 15 auf 3 Minuten verkürzt werden.

Die DLRG schleppt den Lotsenschoner zum Anleger Stadersand und währenddessen evakuieret die Feuerwehr das Gros der Besatzung. Acht Gäste werden leicht verletzt. Einige kommen in ein Krankenhaus. Das Schiff können die Retter allerdings nicht vor dem Untergang retten. Es sinkt in der Mündung des kleinen Flusses Schwinge und wird dort mit Stahlseilen provisorisch gesichert.

Der gesinkene Lotsenkutter im Hafen von Stadersand an der Elbe

Die genaue Ursache für die folgenschwere Kollision ist noch nicht bekannt. Die Untersuchung läuft. Aber das Abendblatt berichtet: “Der 82 Jahre alte Schiffsführer des Traditionsseglers soll mehrfach von einem vorausfahrenden Schiff vor einer möglichen Kollision mit dem Containerfrachter gewarnt worden sein. Auch die Polizei sprach davon, dass es zu klären sei, ob der Mann ‘auf Funkansprachen reagierte’.” Es ist auch nicht klar, ob “Elbe 5” unter Segeln und Motor fuhr. Das Museumsschiff wurde von einem pensionierten Elblotsen gesteuert.

Containerschiff fuhr korrekt

Das Foto legt jedenfalls nahe, dass der Schoner die Fahrrinne queren wollte. Und die Wasserschutzpolizei stellte schon fest, dass das Containerschiff, das in Richtung Elbmündung unterwegs war, korrekt auf der rechten, nördlichen Fahrwasserseite gefahren ist.

Da der Unfall offenbar ohne größere Verletzungen ausgegangen ist, rückt jetzt das Schicksal der Yacht in den Vordergrund. Für den Förderverein „Freunde des Lotsenschoners No 5 Elbe“, der im Mai 2003 gegründet wurde, “um den Lotsenschoner als fahrtüchtiges Kulturdenkmal zu erhalten” wie es auf der Vereinswebsite heißt, ist es jedenfalls ein echtes Drama.

Denn bei dem 136 Jahre alten Schiff handelt es sich um eine echte Berühmtheit, die von den Vereinsmitgliedern mit großen Mühen am Leben gehalten wird. Schließlich handelt es sich um Hamburgs letztes erhaltenes Seeschiff aus der Ära des Holzschiffbaus.

30 Jahre im Lotsendienst

Es lief 1883 auf der Werft von H.C. Stülcken auf Steinwerder im Hamburger Hafen vom Stapel. Auftraggeber war die Hamburgische Deputation für Handel und Schiffahrt, die eine äußerst solide Bauausführung verlangte. Über 30 Jahre lang hat der Gaffelschoner Lotsen in der Elbmündung und der Deutschen Bucht versetzt.

Anschließend wurde der ausgemusterte Schoner als Privatyacht in die USA verkauft und erlangte auf diesem Weg unter dem Namen “Wanderbird” eine gewisse Berühmtheit. Er segelte 13mal über den Atlantik. 1937 umrundete er auf dem Weg nach San Francisco. Weitere Pazifikreisen schlossen sich an. 2002 erwarb die Stiftung Hamburg Maritim das Schiff in Seattle und brachte es wieder zurück nach Hamburg. Seit 2007 befährt es die Elbe unter anderem mit Touristen.

Ob es auch diesen Schicksalsschlag übersteht, ist noch nicht klar. Die Stiftung Hamburg Maritim ließ mitteilen, dass noch nicht über ein Bergungskonzept entschieden wurde. Der Rumpf soll allerdings keine großen Schäden aufweisen. Es war gerade erst im Winter acht Monate lang in einer dänischen Werft für 1,5 Millionen Euro überholt worden und hatte unter anderem neue Außenplanken und einen neuen Achtersteven erhalten. Teurer dürfte der vermutlich notwendige Austausch der Technik werden, die durch das eindringende Wasser schwer beschädigt worden sein soll.

Berühmter Törn rund Kap Hoorn

1936 war es eine Sensation, dass eine Privatyacht Kap Horn umrunden wollte.  Aber der Amerikaner Warwick M. Tompkins nahm sogar seine sechs- und vierjährigen Kindern Ann und Warwick mit auf den Weg von Boston um das Horn bis nach San Francisco.

Die neunköpfige Crew kämpfte mit der “Wander Bird” gut einen Monat in der Kap-Horn-Region gegen heftige Stürme an und wurde immer wieder zurückgetrieben. Aber schließlich schaffte der motorlose Schoner die Passage allen Widerständen zum Trotz.

Für die Tompkins Kinder ist die "Wander Bird" ein großer Abenteuer Spielplatz.

Für die Tompkins Kinder ist die “Wander Bird” ein großer Abenteuer Spielplatz.

Thompson hatte “Elbe 5″1929 erworben als eines von elf Holzschiffen, das der Hamburger Senat zwischen 1855 und 1906 bauen ließ, um den Lotsendienst auf der Elbe aufzunehmen. Das Schiff war 1924 in Privatbesitz übergegangen und in den USA gelandet.

Ohne Netz und doppelten Boden. Der vierjährige Warwick klettert in der Takelage herum.

Ohne Netz und doppelten Boden. Der vierjährige Warwick klettert in der Takelage herum.

Der Amerikaner nutzte es nach seiner spektakulären Reise als Wohnschiff in San Francisco. 2002 erwarb die Stiftung Hamburg Maritim das Schiff in Seattle und brachte es wieder zurück nach Hamburg. Es wurde vom Verein Jugend in Arbeit Hamburg restauriert und wird vom Förderverein „Freunde des Lotsenschoners No. 5 Elbe e.V.“ betrieben.

Mit Koch und Familie unterwegs auf der "Wander Bird" rund Kap Horn.

Mit Koch und Familie unterwegs auf der “Wander Bird” rund Kap Horn.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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