Unglück: Einhandsegler tot auf seiner Yacht gefunden

Tod an Bord

So trieb die “Avrio” 70 Seemeilen vor Jamaika © caribbean coastguard

Starb der Segler vor der Insel Jamaika  eines natürlichen Todes? Oder war Gewalt im Spiel? Die Polizei ermittelt.  

Ohne in Binsenweisheiten verfallen zu wollen: Der Tod hat immer etwas Tragisches – für die Lebenden. Als besonders schlimm empfinden wir seltsamerweise den Tod in der Einsamkeit. Menschen, die der Sensenmann alleine erwischt, wird interessanterweise in allen Kulturen besonders viel nachträgliches Mitleid entgegen gebracht.

Der Freeclimber, der bei einem Soloaufstieg abstürzt; der Taucher, der bei einem Solotauchgang alleine in die Tiefe der Ozeane nicht wieder auftaucht; der Forscher, der einsam irgendwo in einer Schneewehe der Arktis erfriert und der Einhandsegler, der über Bord fällt und alleine im Meer treibend ertrinkt oder auf Hoher See in der Kajüte seines Bootes an einem Herzversagen stirbt (siehe SR Bericht über Clipper Race Crew, die das Auffinden eines verstorbenen Seglers auf seiner Yacht filmte). 

Dieses einsame Sterben fasziniert und gruselt zugleich. Was mögen der oder die wohl zuletzt gedacht haben? Waren sie sich ihrer Einsamkeit bewusst? Hatten sie besonders große Angst, weil sie wussten, dass es keine Chance auf Hilfe von außen mehr gibt? 

Once in a lifetime

Vielleicht ist das der Grund, warum der Tod eines britischen Einhandseglers in der Karibik derzeit die Segelszene so erregt. Oder sind es nicht geklärte Details auf Luftaufnahmen der Unglücksyacht?

Die Geschichte von Mark B. und seiner Yacht „Avrio“ ist rasch erzählt. Am 6. Dezember 2019 segelte der bis dahin offenbar eher unerfahrene Segler, auf der Yacht „Avrio“, einer 30-Fuß Halmatric, einhand und nonstop von Großbritannien in die Karibik. 

Es war der Beginn zu Mark B.’s „once-in-a-lifetime“ Reise, die ihn mit einigen Stops rund um die Welt führen sollte. Nach ca. drei Wochen erreichte er Barbados, von wo aus er bald weiter nach Grenada segelte. 

Auf Grenada freundete er sich mit einem Segler aus Manchester an, von dem er sich wiederum nach ein paar Tagen verabschiedete und Richtung Norden segelte. Offenbar wollte Mark B. nach Jamaika. 

Dieser befreundete Segler informierte eine Woche später das International Boat Watch Network (IBWN), als er keine Nachricht mehr von Mark B. erhielt. Auch im Zielhafen hatte sich Mark nicht gemeldet.

Kein Lebenszeichen zu erkennen

Am 19. und 21. Januar 2020 wurde die „Avrio“ schließlich bei drei Flügen von IBWN gesehen und fotografiert. Die Yacht war auf Drift, die Segel eingerollt und mehr oder weniger sorgfältig am Baum festgelascht. An Bord war bei jedem Überflug kein Lebenszeichen zu erkennen. 

Daraufhin meldeten die mittlerweile sehr besorgten Angehörigen Mark B. als vermisst.  Die US Küstenwache informierte die jamaikanischen Kollegen, die kurz darauf die „Avrio“ siebzig Seemeilen querab der Nordküste Jamaikas enterten. 

An Bord fanden sie den bereit stark verwesten, nackten Körper von Mark B. Der Motor der Segelyacht funktionierte offenbar nicht, weil der Treibstoff stark verschmutzt war. Das Funkgerät war offenbar nicht einsatzfähig, ein Epirb fehlte an Bord. Ein Dingy, das noch beim Ablegen in Großbritannien an Bord der „Avrio“  gewesen sei, hatte Mark B. offenbar bereits bei seinem Törn über den Großen Teich verloren. 

Die jamaikanische Küstenwache informierte die lokalen Polizeibehörden, die nun den Leichnam von  Mark B. dahingehend obduzieren lassen, ob es Fremdeinwirkung beim Tod des 42-Jährigen gegeben habe. 

Und tatsächlich stellt sich die Frage, warum eine Yacht auf Hoher See die (backbords deutlich erkennbaren) Fender hängen ließ? Zwar ist es nicht unüblich in der Karibik, bei relativ ruhiger See und sehr wenig Wind lange Strecken zu motoren. Aber sollte der Segler so nachlässig gewesen sein und über lange Strecken die Fender hängen gelassen haben? Oder bereitete er sich auf ein Manöver wie etwa das seitliche Anlegen einer anderen Yacht vor? 

Letztendlich wird wohl schwer zu klären sein, unter welchen Umständen Mark B. ums Leben kam. Die Obduktion soll zumindest klären, ob Gewalt der Grund für seinen Tod war

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