Unglück: Einhand-Renner, Drogenschmuggler, Superyacht – Nun ist “Phocea” verbrannt

Das Ende einer Legende

Die 45-jährige Geschichte von “Phocea” ist endgültig beendet. Der 75 Meter lange berühmte Viermaster, der einmal die größte und schnellste Segelyacht der Welt war brannte auf seinem Ankerplatz vor der Insel Langkawi (Malaysia) vollkommen aus.

Die 75 Meter lange Superyacht “Phocea” brennt vor Langkawi/Malaysia. © MMEA

Als die Crew des Patrouillenschiffes KM Tenggol heute Morgen gegen 8 Uhr die hohen Flammen aus dem 75 Meter lange Viermaster “Phocea” schlagen sah, war es schon zu spät. Das Schiff war auf seinem Ankerplatz vor dem malaysischen Archipel Langkawi nicht mehr zu retten. Die sieben Besatzungsmitglieder sprangen über Bord und wurden von der “Tenggol” aufgenommen.

Die zerstörte Phocea. © MMEA

Die malaysische Küstenwache leitete Löscharbeiten ein, die auch wegen des starken Windes bis zum Nachmittag dauerten. Aber danach war das berühmte Schiff vollkommen zerstört. Die Behörden vermeldeten, dass immerhin kein Öl ausgelaufen sei. Bilder zeigen, dass “Phocea” offenbar auch nicht gesunken ist.

Damit schließt sich das letzte Kapitel der 45-jährigen Geschichte einer der berühmtesten Yachten der Welt. Sie lief 1976 in Toulon unter dem Namen “Club Méditerranée” vom Stapel. Der französische Segel-Quereinsteiger Alain Colas trat damit bei der Einhand-Transatlantik OSTAR gegen die Legende Éric Tabarly an und verlor nach einem Zwischenstopp nur knapp.

Umbau zur Luxusyacht

Das für seine Zeit revolutionäre Boot erreichte Geschwindigkeiten von bis zu 30 Knoten und war mit modernster Technik ausgestattet. Zwei Jahre lang (1976–1977) bewegte Colas “Club Méditerranée” als Repräsentant für Frankreich. 1980 übernahm sie der schillernde Franzose Bernard Tapie, der sich unter anderem als Adidas-Chef und Präsident des Fußballvereins Olympique Marseille einen Namen machte.

Er ließ die Rennyacht in eine Luxusyacht umbauen. Sie wurde erst in “La Vie Claire” umbenannt, später dann in “Phocéa”. Bernard Tapie empfing an Bord Geschäftsleute, Politiker und die Fußballstars von Olympique de Marseille, die damals den europäischen Fußball dominierten. Der aktuelle französische Nationaltrainer Didier Deschamps feierte an Bord seine Hochzeit.

Phocéa, ex Club med, heute unter welcher Flagge? © Fraser Yachts

Phocéa, ex Club med, heute unter welcher Flagge? © Fraser Yachts

Tapie brach mit der eigentlich zum schnellen Cruiser umgebauten Monster-Yacht sogar 1988 den Atlantik-Rekord. Er benötigte knapp über acht Tage. Ein Fernsehteam des Senders TF1 war mit an Bord. Als Tapie 1996 bankrott ging, wurde das Schiff an die libanesische Milliardärin Mouna Ayoub verkauft. Sie ließ es bei der Lürssen-Werft für etwa 17 Millionen Dollar 20 Monate lang zum Luxus-Cruiser umbauen und behielt es dreizehn Jahre lang. Ihr saudischer ex-Ehemann Nasser Al-Rashid soll größtenteils die Rechnung bezahlt haben.

Danach ginge es an den französischen Internet-Unternehmer Xavier Niel und die Branchen-Kollegen Rosenblum für geschätzte 10 Millionen Euro. Schließlich ging es in den Besitz des Thailänders Pascal Vu Anh Quan Saken über und ihre Geschichte wird danach etwas unübersichtlich.

DIE BEWEGTE GESCHICHTE DER PHOCEA (PORTRÄT)

“Phocea” wurde im südpazifischen Inselstaat Vanuatu kurzzeitig wegen Drogenschmuggels beschlagnahmt, war für das Land aber auch als Diplomaten-Yacht eingetragen. Sie segelte unter der Flagge von Luxemburg und Malta. Aktuell ist es für St. Vincent und die Grenadinen gemeldet. Die bunte Geschichte der legendären Yacht hat nun ein jähes Ende genommen. Über die Gründe für den Brand ist noch nichts bekannt.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Unglück: Einhand-Renner, Drogenschmuggler, Superyacht – Nun ist “Phocea” verbrannt“

  1. avatar Carsten sagt:

    Interessanter Bericht, weiter so.
    Gruss Carsten G.

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