Unglück: Gestorben im Schlepp der Küstenwache

Retter in der Kritik

Ein rätselhafter Unfall, der zum Tod des Skippers führte, ist aufgelöst worden. Die US Coast Guard hat erklärt, wie der Mann trotz ihrer Aufsicht erst den Mast und dann das Leben verlieren konnte.

Die Unglücksyacht "Kolina" hatte sich von der Mooring gelöst. © U.S. COAST GUARD

Die Unglücksyacht “Kolina” hatte sich von der Mooring gelöst. © U.S. COAST GUARD

Lance Alexander war eigentlich schon gerettet. Der 71-Jährige hing im Schlepp der Coast Guard, die ihn nach einer fünfstündigen Such-Operation manövrierunfähig vorfand 26 Meilen von Hawaiis Hauptinsel entfernt. Ein Sturm hatte seinen 30-Fußer “Kolina” beschädigt. Er ging auf Drift, als die Mooring-Leine brach.

Eine Stunde vor Mitternacht hatte die Küstenwache mit einem 110 Fuß langen Patrouillenboot den Havaristen gefunden, ihn auf den Haken genommen und ihm ein Funkgerät zur Kommunikation übergeben. Aber schon nach zehn Minuten meldete sich Alexander nicht mehr.

Rigg im Wasser

Die Retter konnten in der Dunkelheit nicht viel sehen und versuchten, die Sprechverbindung wieder herzustellen. Schließlich erkannten sie nach einer halben Stunde, dass der Mast auf der “Kolina” gebrochen war. Das Rigg hing neben der Yacht im Wasser und der Skipper war nicht zu sehen.

Die Coast Guard kappte die Schleppverbindung und versuchte, sich dem Einhandsegler zu nähern. Aber in der Dunkelheit und bei schwerem Seegang gelang keine Kontaktaufnahme. Erst am nächsten Morgen traf ein zweites Boot der Küstenwache ein, und die Besatzung fand Alexanders leblosen Körper, der sich unter Wasser neben der Yacht im Rigg verfangen hatte.

Die Autopsie zeigte, dass der Segler nicht ertrunken, sondern durch einen Schlag auf den Kopf gestorben ist. Offenbar traf ihn das herabstürzende Rigg und er rutschte erst später aus dem Cockpit über Bord.

Schleppleine am Mastfuß

Weitere Untersuchungen ergaben, dass die 63 Jahre alte Yacht, die Alexander seit fünf Jahren renovierte, ohnehin nur mit einem Notrigg ausgerüstet war. Der Skipper hatte noch keine Draht-Wanten installiert, nachdem er das Schiff erst wenige Wochen zuvor erstmals ins Wasser gebracht hatte. Er verwendete offensichtlich Tampen-Material.

Mangels eines ausreichend stabilen Bugbeschlages, so heißt es in der Untersuchung, habe der Segler die Schleppleine am Mastfuß befestigt. Den heftigen Lastspitzen im Wellengang habe das Rigg schließlich nicht standgehalten.

Die nun abgeschlossenen Ermittlungen weisen auf Seetüchtigkeit-Mängel bei der Yacht hin. So sank es am Nachmittag der Rettungsoperation, als es in der stürmischen See von einer besonders hohen Welle getroffen worden sein soll.

Erfahrener Segler

Alexander war eigentlich ein erfahrener Segler, der auf anderen Yachten einhand von Kanada nach Hawaii und bis nach San Francisco gesegelt war. Er lebte auf seinem Oldtimer und wollte ihn in Form bringen, um die hawaiische Insel Molokai anzusteuern, wo seine Partnerin lebt, mit der er seit 25 Jahren verbunden ist.

Aber er war schon angeklagt, illegal auf seiner Yacht zu leben und musste sein Schiff im Hafen alle 72 Stunden bewegen, um dem Gesetz zu entsprechen. Der Mann galt als beliebter Lebenskünstler, der sich als Musiker, geschickter Holzarbeit, Schriftsteller, Fotograf hervor tat und insbesondere gegen den Missbrauch von Drogen engagierte. Er wies einen überdurchschnittlichen IQ von 164 auf.

Der Vorfall hat den Ablauf der Rettungsoperation in den Fokus der Kritik geraten lassen. Die Untersuchung kritisiert, dass der Coast Gurad Kommandeur die Situation und den Zustand des Havaristen falsch eingeschätzt habe. Es gebe aber keine disziplinarischen Konsequenzen gegen beteiligtes Personal.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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