Vermüllung: Taucher filmt Plastikdschwemme vor Bali – Ocean CleanUp vor Einsatzpremiere

Ein Meer aus Plastik

Ein Taucher filmt vor Bali an einem Manta-Hotspot einen Teppich aus Plastikmüll. Müssen wir uns an solche Bilder gewöhnen? Wollen wir das? 

Boyan Slat, Yvan Bourgnon oder Kjell Inge Røkke und andere „kleine“ Initiativen haben die Ärmel längst hochgekrempelt und tun etwas gegen den Plastikmüll in den Meeren. Wann werden endlich unsere Regierungen wach? 

Seitdem Plastik als Massenprodukt auf die internationale Märkte gelangte, wurden 8,3 Milliarden Tonnen davon produziert. Nur knapp ein Drittel dieser Plastikmengen wurden recycelt – 6,3 Milliarden Tonnen Plastik bedecken als Müll unsere Erde und treiben in den Ozeanen unseres Blauen Planeten. 

Vor allem die Belastung der Meere ist seit Jahren Thema bei internationalen Umweltschutzorganisationen, Umweltkonferenzen, Umweltministerien und und und… Aber so richtig „getan“ hat sich bisher nur wenig. 

Auch wenn die UN vor einem Jahr dem Plastik in den Meeren offiziell „den Krieg erklärte“, auch wenn immer mehr Politiker ihre Sorge um den Zustand der Meere ausdrücken, bleibt es doch Umweltschutzorganisationen und/oder kleineren, oft privaten oder semi-professionellen Initiativen überlassen, tatsächlich die Ärmel hochzukrempeln um „etwas zu tun“.

Müllsammelsegler

Auf SegelReporter wurde bereits häufig über die wichtigsten dieser Initiativen berichtet. Wir mussten dabei aber auch feststellen, dass einige dieser Maßnahmen herbe Rückschläge erfuhren und mitunter „ausgebremst“ um lange Zeiträume in ihren Bemühungen zurückgeworfen wurden. 

Plastikmüll

“Manta”, ein Müllsammelmaran oder Müllsegler, erdacht von Yvan Bourgnon © Sea Cleaners

Beispiel Yvan Bourgnon: Der umtriebige Abenteuer-Segler, der vor drei Jahren auf einem offenen  Strandkatamaran einhand um die Welt segelte und 2017 mit dem gleichen Gefährt die Nordwest-Passage bezwang, ist noch weit entfernt von der Realisierung seines „Herzenprojektes Müllmaran“. Bourgnon kündigte nach seiner Weltumseglung an, dass er dermaßen geschockt sei vom vermüllten Zustand der Meere, dass er einen riesigen „Müllsammler der Meere“ bauen lassen wolle. 

Der „Manta“, so der Arbeitstitel des Müllseglers, wurde allerorten begeistert aufgenommen, als bahnbrechende Idee gefeiert und in vielen Medien hoch gelobt. Doch ob es tatsächlich zumindest zu einem Baubeginn kommen wird (Stapellauf vorgesehen für 2020) steht derzeit noch in den Sternen. 

Warum fehlt es eigentlich immer an Geld?

Zwar haben Crowdfunding-Aktionen immerhin so viele finanzielle Mittel gesammelt, dass an den Plänen und Rissen des „Manta“ weiter gearbeitet werden konnte. Doch „von einer Kiellegung des Schiffes“ sei man noch weit entfernt, gestand Bourgnon im Interview mit einem französischen TV-Sender.

Alles nur schnöde Theorie oder bald schon realisiert? Der “Manta”-Müllmaran des Yvan Bourgnon soll die Meere vom Dreck befreien © bourgnon

Bisher hätten sich noch nicht genug Mäzene für eine Realisierung des Projektes gefunden. Mit seiner „Association Sea Cleaners“ will Yvan Bourgnon jedoch für das Projekt weiterkämpfen – „ganz egal, wie lange es dauern wird, bis man die nötigen finanziellen Mittel für den Bau des Müllsammlers zusammen habe. „Vielleicht entschließt sich ja auch bald einmal ein Staat, einen „Manta“ bauen zu lassen,“ gibt sich Bourgnon optimistisch.

Oder Boyan Slat. Der erst 23-jährige Niederländer ist seit 5 Jahren bereits so etwas wie ein Star in der Umweltszene. Sein Projekt „Ocean Clean Up“ schlug damals ein wie eine Bombe: Ein gerade mal 18-Jähriger nahm es mit Abermillionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren auf! Sein Bekanntheitsgrad stieg wie bei einem Filmsternchen, namhafte Wissenschaftler schlossen sich ihm an, es flossen Gelder von staatlicher Seite, ein Crowdfunding war mehr als erfolgreich und dennoch musste auch Boyan Slat immer wieder Rückschläge hinnehmen. 

Mehrfach wurden Test-Einsätze seines revolutionären Müllsammel-Systems – die Plastikteile sollen auf Hoher See in eine verankerte Auffangbarriere treiben – verschoben. Es mehrten sich kritische Stimmen unter Umweltforschern in Bezug auf die Wirksamkeit der Barriere und mögliche Kolateralschäden bei der Meeresfauna. Bei ersten Testeinsätzen vor den Niederlanden wurde nur unbeeindruckend wenig Müll aus dem Wasser gefischt. Zudem waren herbe technische Rückschläge zu vermelden – so ging etwa 2016 dem ersten Barriere-Prototypen (ein riesiges Schlauchsystem, siehe Bild) schlicht die Luft aus… 

Kurz vor Ersteinsatz im Pazifik

Doch endlich sei man nun soweit, berichtet Boyan Slat. Der Niederländer des Jahres 2017 (!) will mit seinem Team schon in wenigen Wochen in der San Francisco Bay die erste Ocean Clean Up -Müllsammel-Barriere der Welt zusammensetzen um sie im Sommer im berühmt-berüchtigten Plastikmüll-Mahlstrom vor Hawaii zu installieren.

Angesichts der hohen Professionalität, die sich mittlerweile bei Ocean CleanUp etablierte und aufgrund einer in Europa und den USA sehr hohen Medienaufmerksamkeit, dürfte dieser Einsatz zu einer Art „alles oder nichts“-Aktion für Boyan Slat und sein Team werden. 

So sah die erste schwimmende Müllsammelbarriere nach wenigen Tagen auf See aus .© Ocean CleanUp

Gelingt diese erste Aktion, steht Ocean CleanUp jedenfalls vor einer vielversprechenden Zukunft. Doch was, wenn nicht? Gibt es einen Plan B? Warum beteiligen sich nicht schon längst mit geballter Kraft (und entsprechenden finanziellen Mitteln) etwa die Meersanrainer-Staaten an solchen Projekten?

Wer hat einen Plan B?

Durch Vermeidung von Plastik können wir viel für die Umwelt tun. Manche Länder verbieten etwa die kostenlose Abgabe von Plastiktüten oder erheben Umweltsteuern auf Plastikverpackungen. Und doch sind es die mehr oder weniger kleinen Initiativen wie die von Boyan Slat,  Yvan Bourgnon oder die des norwegischen Milliardärs Kjell Inge Røkke (SR-Artikel), die aktiv den Kampf gegen den Plastikmüll aufgenommen haben.

Stellt sich nur die Frage, wann sich endlich die Regierungen ihrer besonderen Verantwortung für den Schutz der Meere stellen. Umweltkonferenzen oder Bekundungen wie „dem Müll den Krieg erklären“ sind bisher meist nur Lippenbekenntnisse. Die Politik ist tatkräftig gefordert – angesichts solcher Videos wie ganz oben fragt man sich allerdings, ob es nicht schon längst zu spät dafür ist!

Website Sea Cleaners

Website Ocean CleanUp

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7 Kommentare zu „Vermüllung: Taucher filmt Plastikdschwemme vor Bali – Ocean CleanUp vor Einsatzpremiere“

  1. avatar Christof Becker sagt:

    Menschen in Plastik Anzuegen sitzen auf Plastikbooten, segeln um die Welt, rammen hier und da mal einen Fisch, mal ein Fischerboot mit 20 Knoten und fordern vom Rest der Welt Plastikverzicht während Ihre Ausrüstung in Flugzeugen um die Welt jettet und in den Häfen von Umweltschutz gelabert wird. Der Normaloregattasegler deren Unterwasserschiffanstrich zwar selbstschleifend aber total OK für das Meerwasser ist, merkt gar nicht wie Klassenvorschriften erlassen werden, die seine Plastiksegel nur halb solange halten lassen, wie sie eigentlich könnten, wenn die Plastiksegelhersteller dieses denn auch wollten. Was für eine Scheinheiligkeit. Da ist es natürlich besser nach dem Staat als Regulierer zu rufen. Wenn dessen Meinung uns nicht passt wähle ich dann die nächste Partei und hoffe dass die nicht so hart mit uns umgeht.

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    • avatar Andreas Borrink sagt:

      Etwas plakativ vielleicht, aber im Prinzip wohl richtig, leider.

      Wobei: für die Plastikschwemme in den Ozeanen – vornehmlich an den Küsten Asiens – ist wohl eher nicht der Segler verantwortlich zu machen, der seine Segel bis zuletzt fährt und sie dann im Garten gegen die Sonne aufspannt. Das geht eher auf das Konto unserer Politiker, die stoisch behaupten, unser angeblich so wertvoller Plastikmüll (demnächst kommt bestimmt eine gelbe Tonne mit Schloß) würde irgendwo sinnvoll aufbereitet……wer das glaubt, denkt auch, im Himmel sei Weihnachten. Ab dafür möglichst weit nach Osten, “zertifizierten” Müllentsorgern ein paar Euros geben und dann verbrennen oder….s.o.

      Da versteht man auch gleich den tieferen Sinn von “Entsorgung” – nämlich sich selbst von den Sorgen (mit dem Müll) befreien…….und nicht folgende Generationen von den Sorgen um ihr Überleben. Da würde ich mir schon eine effektive Steuerung/Regelung durch unsere Politiker wünschen. Aber die verbrennen ihre Energie ja lieber mit dem Aufstellen von völlig sinnlosen, verwaltungsaufwändigen EU-Richtlinien für jeden kleinen normierbaren Pups, der gelassen wird. Oder sie sitzen in Talkshows, statt ihre Arbeit zu machen.

      Eine Rückkehr zu Baumwollsegeln und Holzbooten wäre da wohl kein wirklich wirksamer Schritt. Kauft lieber lose Wurst und Yoghurt in Keramikpötten.

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  2. avatar tyske amatør sagt:

    Chapeau!
    Gar keine Angst davor sofort als Spaßbremse, Innovationsverhinderer, Umsatzblocker und ewig Gestriger totschlag-argumentiert zu werden?

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    • avatar Christof Becker sagt:

      Keine Angst, denn: Haltbarere Segel im one-design verringern nicht den Spaß, Rücknahmeverpflichtungen für ausgelatschte Segel und Klammotten wären eine Innovation und ewig Gestrige glauben immer noch, dass unbegrenztes Wachstum in einer begrenzten Welt möglich ist. Dazu gehört der nachdenkliche Mensch nicht unbedingt.

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  3. avatar Nils kaiser sagt:

    alles schön und gut.

    Nur wenn die es nicht machen, würdest du dich hinstellen und was sagen?

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  4. avatar christof becker sagt:

    Genauso ist es. Jede Handlung ist auch ein politisches Statement, und die vemeidbare Hauptursache ist Gedankenlosigkeit.

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