Vogelschutz: Möwenkolonie muss dem America’s Cup weichen – Attrappen aus 3D-Drucker

Unter die Rümpfe geraten

In Deutschland hätte es wohl einen Aufschrei gegeben, wenn eine geschützte Vogel-Population durch Baumaßnahmen für eine Segelregatta in Bedrängnis geraten würde. Die Kiwis setzen andere Prioritäten.

Die meisten Touristen kennen die für Neuseeland typischen Rotschnabelmöwen vor allem als kreischende, pfeilschnell aus der Luft herabsausende, Pommes-klauende Plagegeister an Aucklands Waterfront. Doch die Vögel stehen unter Schutz, in den letzten Jahren sank ihre Population dramatisch. Für den Bau des neuen America’s Cup Fährterminals wurde nun eine gesamte Möwenkolonie umgesiedelt.

Der neue Wohnort der Möwen ist nur rund 150 Meter von ihrem alten Wohnort entfernt. Mit Hilfe von im 3D-Drucker täuschend echt nachgebauten Möwenattrappen, gesammeltem Strandgut und frischer, küstentypischer Bepflanzung wurde den rund 1.000 Möwen ihr neues Zuhause so verlockend wie möglich gemacht.

Achtung! Vogelflug. © Amory Ross

“Die neue Möwenkolonie hat einen direkten Seeblick und ähnliche Hügel und Erhebungen wie die bisherige”, erklärt Tim Lovegrove von der Stadtverwaltung in Auckland, der als ‘relocating manager’ für die Möwen im Einsatz war. “Im August 2019 haben sich die ersten Möwen  niedergelassen, viele folgten, so dass wir nach der Brutperiode rund 1.500 Vögel zählen konnten.”

Die Bestände der Möwen mit den roten Schnäbeln gingen in ganz Neuseeland in den vergangenen Jahren drastisch zurück © Auckland Council

Der erfolgreiche Kolonie-Neubau war das bisher größte Umsiedlungsprojekt für Seevögel in Neuseeland und soll nun exemplarisch für weitere Projekte stehen, bei denen ein Ausgleich zwischen der Ausdehnung der Städte und den Bedürfnissen der Natur gefunden werden muss. 

Noch gucken die Italiener den Vögeln das Fliegen nur ab. Bald wollen sie selber hoch hinaus. © LUNA ROSSA / Carlo Borlenghi

Vögel geraten wie hier 2013 immer häufiger in das Visier der schneller werdenden America’s Cupper. © LUNA ROSSA / Carlo Borlenghi

Ganz verschwinden werden die Möwen von der Waterfront und dem Austragungsort des America’s Cup 2021 aber nicht. Die Vögel gelten als durchaus wanderfreudig und neugierig – vor allem, wenn die Chance auf etwas Essbares besteht. Also gut möglich, dass einige demnächst auf den Absperrgittern des neuen Fährterminals sitzen und sich kreischend darüber unterhalten, wie sehr sich ihre alte Heimat doch verändert hat.

Allerdings werden sie sich bald mit einer neuen Gefahr auseinandersetzen müssen. Wenn vor Auckland ersteinmal die AC75-Cupper mit 50 Knoten über das Wasser kreischen, müssen selbst die rasenden Luft-Akrobaten aufpassen, dass sie nicht unter die Rümpfe kommen.

 

 

Ein Kommentar „Vogelschutz: Möwenkolonie muss dem America’s Cup weichen – Attrappen aus 3D-Drucker“

  1. avatar Paul sagt:

    Schön geschrieben 😀

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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