Wintersport: Roman Paszke legt mit polnischem Rekordkat in Kiel an

Von vereisten Gärten und den Harten

Von Andreas Jung

Der 93 Fuß lange polnische Rekord-Kat hat in Kiel vor dem Büro angelegt. Das Großsegel wird gesetzt, der Schnee geschippt, weiter gehts rund Skagen...© A. Jung

Schneeschieber gehören eigentlich nicht so zur Standard-Bordausrüstung. Etwas anderes gilt, wenn man auf einem Monster-Kat im Dezember unterwegs ist, auf dem Weg von Irgendwo nach Nirgendwo, und mal eben in Kiel auf ein Bier anlegt.

Aber von vorne: Ich besitze das Privileg, von meinem Büro über die ganze Kieler Förde blicken zu können. Zwischen meinem Fenster und der Ostsee befinden sich gerade einmal 5 Meter Kai. An dem liegen im Sommer die holländischen Zwei- und Dreimaster. An dem liegt ab Oktober nichts.

Daher war es einigermaßen überraschend, als letzte Woche ein Segel meinen Ausblick aus dem ersten Stock auf die Südsonne versperrte. Zumal an diesem Tag das norddeutsche Schneechaos ausgebrochen ist.

Der maritime Paravent ist speziell: Ein polnischer Cat aus Carbon und Pipapo und geschätzt 70 Fuß groß. Tatsächlich sind es 93 Fuß, wie sich später herausstellt. Komische Sache. Aber es ist spät und ich gehe nach Hause. An Autofahren ist nämlich nicht zu denken. Der Schnee hat den gesamten Kieler Verkehr zusammenbrechen lassen.

Am nächsten Tag liegt das Ungeheuer noch immer da. Fünf Mann schippen eine Stunde Schnee von Trampolin und Schwimmern. Einer enteist die Winschen mit einem riesigen, generatorbetriebenen Fön. Klar, dass muss man sich mal genauer ansehen.

Das Ding besteht nur aus Trampolin und 2 Schwimmern. Kein Schutz, nirgendwo. Damit würde ich bei den Temperaturen nicht einmal quer über die Förde segeln. „Where are you heading to?“ will ich wissen. Das ist nicht Polnisch und bleibt daher unbeantwortet. Ein zweiter und dritter Versuch bringen etwas Aufklärung: „France“.

Hmm. France. Das ist ziemlich weit weg von Kiel. Durch den Nord-Ostsee-Kanal würde Sinn machen. Aber warum schlägt man dann das Großsegel an, das gestern noch abgeschlagen war? Durch den Kanal mit einem Monster-Kat unter Segeln dürfte Mecker geben. Andererseits: Spätestens seit einer legendären Harald-Schmidt-Polen-Witze-Reihe mit diplomatischen Verwerfungen weiß man, dass  die Nachbarn auch andere Sachen machen, für die es Mecker gibt.

Aber schauen wir mal genau hin: Kein Auspuff, nix in der Richtung. Die Kiste hat eindeutig keinen Motor. Durch die Kieler Schleuse wird sie also nicht kommen und damit auch nicht durch den Kanal. Rund Skagen? Im Winter! Muss wohl!

Also: Wer sind die Typen? Bei diesem kratzbürstigen Typ, mit dem ich eben gesprochen habe, handelt es sich um so eine Art Legende. Roman Paszke. Hat mal „The Race“ mitgesegelt, das Nonstop Rennen der Mega Multis um die Welt und ist vierter geworden.

Aber diese Karre hier scheint er mehr oder weniger selbst gebaut zu haben. Lief 2007 mal als „Bioton“. Paszke wollte damit den Rekord einhand um die Welt von Ellen Mac Arthur brechen. Aber Francis Joyon kam ihm zuvor und erreichte mit seinem Mega Tri eine neue Fabelzeit.

Nun segelt der Kat als „Gemini III“ und brach im April den Rekord über den Atlantik in West-Ost Richtung. Er benötigte acht Tage und 23 Stunden und erreichte mit Crew einen Top Speed von 38,4 Knoten.

Er ist gerade vollgekleistert mit Renault-Stickern. Klar, dass er nach Frankreich will. Keine Ahnung, was die Jungs antreibt, sich bei uns den Arsch abzufrieren. Aber ich bin ja auch kein Pole. Und wir alle kennen den Zusammenhang von den Harten und den Gärten.

Das Video zeigt den 93 Fuß Kat 2008 als “Bioton” im Einhand Betrieb. Er wurde bei der schwedischen Marstrøm Werft in Vollkarbon gebaut. Die Bauzeit dauerte nur zweieinhalb Monate. Der vordere Beam besteht aus dem Mast von Paszkes altem “Polpharma Warta” Kat.

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Carsten Kemmling

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5 Kommentare zu „Wintersport: Roman Paszke legt mit polnischem Rekordkat in Kiel an“

  1. avatar andreas sagt:

    Witziger Artikel, aber ich habe gerade mal den tatsächlichen Atlantik-Rekord von West nach Ost recherchiert. Allerdings war das ein Trimaran, kein Katammaran. Die Banque Populaire3 brauchte am 2.8.2009 für die 907,9 Seemeilen mit Pascal Bidégorry und 11 Mann Crew, 3 Tage 15 Stunden 25 Minuten und 48 Sekunden vom Ambrose Lighthouse nach Lizard Point, Durchschnittsspeed 32.94 Knoten. Der schnellste Kat war 2006 nach 4T 8h 23 min 54s im Ziel.Bruno Peyron mit Crew auf Orange II.

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    • avatar Carsten sagt:

      hmm stimmt. Blöd. Die falsche Info hatte ich noch nach dieser Quelle in den Text gefummelt. Vermutlich ist der Rekord in die andere Richtung von Ost nach West gemeint. Beim World Speed Sailing Council ist Paszke allerdings nicht offiziell gelistet. Da ist noch Francis Joyons Rekord von 9d 23h 54m genannt. Den könnte er unterboten haben. Dann aber wohl inoffiziell.

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  2. avatar Holger Jess sagt:

    Wahrscheinlich wollte Roman nur mal seinen Bruder Kryzstof
    der in Kiel lebt besuchen und noch mal kleinen Vodka vor Weihnachten zusammen trinken…..
    In Polen ist Roman übrigens ein echter Segelheld.

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  3. avatar Krzysztof Paszke sagt:

    Die Feststellung von Holger Jess ist fast richtig, bis auf die Tatsachen, dass Roman kein Alkohol trink (seit Jahren)und ich mehr auf den italienischen Wein stehe. Korrekt ist, dass mein Bruder nicht auf dem Boot war sondern im Flieger nach Paris. Nicht war ist, dass mit dem Kat irgend ein Rekord gebrochen wurde. Absolut falsch ist, dass der fordere Beam aus dem alten Mast der “Warta Polfarma” ist. Des Weiteren hat der Kat zwei innen Motoren aus Leichtmetall eines bekannten italienischen Hersteller. Weitere Infos http://www.race2000.eu/index.php?lang=english

    Zugegeben die Zeit ist besser für einen Eissegler als für einen Kat. Das schöne dabei ist, dass die Jungs aus Gran Canaria in die Karibik dem Nächst segeln und ich mit Karol Jablonski auf den Masuren die DNs bewegen werden.

    Frohe Weihnachten an die Holgii und alle anderen Segler.

    Krzysztof Paszke

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  4. avatar Jens sagt:

    Moin Paschi,

    nimmst Du mich mit zum Eissegeln? 😉

    Reinhauen…

    Jens

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