Vorwindsegel – der Spinnaker: Alles rund um das Ballonsegel

Mehr Segelspaß vor dem Wind

Bei leichtem achterlichen Wind steigen immer seltener die bunten Segel nach oben. Dabei versprechen die leichten Tücher großen Segelspaß. Zu Beginn unserer Serie über Vorwindsegel rücken wir den eleganten Spinnaker in den Fokus.

© Jan Maas

Nicht nur das Design von Booten hat sich in den letzten Jahren verändert, auch der Segelplan der Yachten hat sich angepasst. Waren in den 1970er und 1980er Jahren noch große Genuas mit kleinen Großsegeln durch die IOR-Formel begünstigt, sind es heute riesige Großsegel und kleine Vorsegel, die auf den allermeisten Yachten zu finden sind. Das Handling mit dem kleinen Vorsegel ist auch wesentlich einfacher als die riesigen Lappen von früher. Gerade bei kleiner Crew segelt es sich entspannter. Allerdings offenbart der Segelplan auch ein Problem. Denn bereits bei Halbwindkursen verwinden die Vorsegel im Topp so sehr, dass sie kaum noch Vortrieb leisten. Ab einem bestimmen Windwinkel flappen die Vorsegel im Windschatten des Großsegels nur noch träge herum. Gerade bei wenig Wind wird dann eher der Motor angeworfen, als der Versuch unternommen, sich segelnd fortzubewegen. Dabei gibt es gute Alternativen zu den Pferdestärken unter Deck.

In den letzten Jahren haben fast alle neuen Modelle einen serienmäßigen Bugspriet bekommen, um die Lücke mit Code 0 und Gennaker füllen zu können. Gerade der Gennaker ist zum Mittel der Wahl geworden, da er im Handling einfacher zu segeln ist als der Spinnaker. Doch auch der Spinnaker kann den Gennaker noch immer übertrumpfen, denn mit ihm lässt sich sogar platt vor dem Laken segeln, während die meisten Gennaker für das Kreuzen vor dem Wind ausgelegt sind. Gennaker mit weit ausgeschnittenem Luvliek und langem Gennakerpole können auch sehr tief segeln.

In Teil 1 unserer Serie zu Vorwindsegeln schauen wir uns den Spinnaker genauer an.

Das bunte Segel bereitet unterwegs viel Segelspaß © Kai Köckeritz

Der Spinnaker

Was ist der Spinnaker?

Bei einem Spinnaker handelt es sich um ein Vorwindsegel aus leichtem Nylon, das sich für Kurse vor dem beziehungsweise mit raumen Wind eignet. Das Segel wird freifliegend – ohne an einem Stag befestigt zu sein – gefahren. Durch seine runde Form und den auffallend bunten Farben wird der „Spi“ oft auch Ballonsegel genannt. Die Segelfläche des Spinnakers übertrifft die von Großsegel und Fock zusammen, sodass der Spi gerade bei Leichtwind seine Stärken ausspielen kann. Seine größte Stärke liegt hingegen in der Fähigkeit, dass mit ihm sehr tiefe Kurse gesegelt werden können. Sogar Kurse platt vor dem Laken sind kein Problem. Diese Eigenschaft verdankt das Segel dem Spinnakerbaum, mit dem das Segel vor dem Wind so weit nach Luv ausgestellt werden kann, dass es aus dem Windschatten des Großsegels tritt. Doch auch bei raumen Kursen fühlt sich der Spinnaker wohl. Je nach Schnitt des Segels kann er auch halbwinds eingesetzt werden. Allerdings entsteht bei spitzen Kursen viel Krängung und das Schiff kann aus dem Ruder laufen. Der „Sonnenschuss“ ist dann die Folge, in dem das Boot nach Luv schließt. Dennoch bleibt der Spinnaker die erste Wahl für tiefe Kurse – auch und gerade für Fahrtensegler, die mit der Genua nicht vor dem Wind kreuzen möchten.

Spinnaker: Schotführung

Während des Segelns „schwebt“ der Spinnaker vor dem Boot, beide Schothörner in etwa auf gleicher Höhe. Die Leine in Lee wird Schot oder auch Spinnakerschot genannt, die Leine in Luv heißt Achterholer. Der Achterholer läuft durch den Endbeschlag des Spinnakerbaumes und wird nicht an diesem befestigt. Das Trimmen erfolgt unterwegs größtenteils über die Spischot. Über den Achterholer wird der Spinnakerbaum rechtwinklig zum Wind gestellt und dann nur noch bei Kursänderungen oder Winddrehern angefasst.

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Kai Köckeritz

Leidenschaftlicher Fahrtensegler und Chefredakteur des Magazins segeln. Er ist viel in Holland unterwegs, aber auch in den Revieren des Südens. Lange Schläge sind eher seins als kurze Up&Downs auf der Regattabahn.

9 Kommentare zu „Vorwindsegel – der Spinnaker: Alles rund um das Ballonsegel“

  1. avatar Rolf Winterhalter sagt:

    Was? Spinnaker. Was für eine Erkenntnis!
    Genaker war doch schon immer nur für die die kein Spi segeln konnten.

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    • avatar Olli sagt:

      Nee. Ist was für Ratingboote. Sonst gibt es gar keine symmetrischen Spis mehr.

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      • avatar Sven 14Footer sagt:

        Nicht ganz, der asymetrische Gennacker mit Bugspriet ist auch auf Fahrtenschiffen immer beliebter, weil das Gerödel mit dem Spibaum entfällt und der Hals im Manöver fixiert bleibt.
        Allerdings hat der symetrische Spi auf Vorwindkursen noch seine Vorteile.
        Auf den oftmals vielen Vorwindabschnitten der Niederelbe fahre ich lieber Spi als mir mit dem Genni einen Wolf zu halsen.

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        • avatar Olli sagt:

          Es zwingt Dich ja keiner ständig zu halsen und nie tiefer als 150° zu fahren. Du kannst den asy Kite genauso achterholen wie das Anachronismussegel.

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  2. avatar christian1968 sagt:

    Toller Artikel, der Lust macht, das bunte Monster mal wieder auszuprobieren. Gut geschrieben und gut beschrieben. Danke !

  3. avatar Olli sagt:

    Wenn es ballonartig ist, also ein deutlich positiv gerundetes Vorliek hat, dann ist es ein Spinnaker. Egal, ob symmetrisch oder asymmetrisch. Und eben jener Spinnaker kann an einer Halsleine gefahren werden oder mittels Baum achtergeholt werden. Egal ob symmetrisch oder asymmetrisch.
    In Frankreich oder England käme es zu Verwechslungen wenn der asymmetrische Spi Gennaker genannt würde. Darunter verstehen die nämlich was anderes.
    Die Vielfalt an Segeln hat gewaltig zugenommen seit Segel aller Mittelbreiten in ORC vermessungsfähig und die Einflüsse des Hochseerennsport spürbar sind. Da fällt es etwas aus der Zeit, einen Spinnaker nur dann Spinnaker zu nennen, wenn er symmetrisch ist und achtergeholt gefahren wird. Ganz schön anachronistisch. Das Segel wird ja gefahren wie ein vierkant gebrasstes Rahsegel. Ebenfalls ziemlich anachronistisch…

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    • avatar excom0 sagt:

      Stimme Dir nicht zu. Im deutschen Sprachgebrauch ist der Spi symmetrisch und der Genni asymmetrisch. Im Angelsächsischen geht es umgangssprachlich etwas durcheinander. Da wird oft als Spi bezeichnet, was wir als Gennacker sehen. Deshalb sagt man im englischen zwar kite, aber ergänzt um ” asym”. Damit klar ist, ob denn nun Spi oder Genni gemeint ist.
      Des Französischen bin ich leider nicht mächtig.
      Rainer

  4. avatar PL_treganlasol sagt:

    Gut nachvollziehbar geschrieben, danke.

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