World Sailing: Erster globaler Segel-Chef aus Fernost? – Quanhai Li fordert Präsident Andersen

Duell um den Chefposten

Bei der Abstimmung zur Präsidentschaft von World Sailing sind nach dem ersten Wahlgang zwei von vier Kandidaten ausgeschieden. Der massiv kritisierte Präsident Kim Andersen ist noch im Rennen, aber dem Chinesen Quanhai Li werden gute Chancen eingeräumt.

Von vier Bewerbern sind nur noch Präsident Kim Andersen und Quanhai Li im Rennen. © World Sailing

Der Posten des World-Sailing-Präsidenten wird nach einer in dieser Woche laufenden elektronischen Stichwahl vergeben. In der ersten Runde haben sich der amtierende Präsident Kim Andersen aus Dänemark und der Chinese Quanhai Li gegen Scott Perry (Uruguay) und Gerardo Seeliger (Spanien) durchgesetzt. 127 von insgesamt 145 nationalen Seglerverbänden hatten ihre Stimme abgegeben.

Für viele Beobachter war es überraschend, dass Andersen offenbar weniger Schaden genommen hat als erwartet worden war. Schließlich ist der Weltverband finanziell schwer angeschlagen und der Däne muss sich vor der Ethik-Komission des IOC verantworten. Aber er hat sich offenbar erfolgreich gegen die Gegner in der eigenen Organisation gewehrt, indem er selber einige ihrer vermeintliche Interessenkonflikte offenlegen ließ und vor den World Sailing Ethik-Rat brachte.

Der größte Gegner Gerardo Seeliger sollte offenbar in Stellung gebracht werden, und dem langjährigen Finn-Dinghy-Präsidenten aus Spanien wurden beste Chance eingeräumt. Nun ist es aber ganz anders gekommen. Andersens Wiederwahl-Kampagne hat überlebt, und sein größter Gegner ist nun ein Chinese.

Quanhai Li (58) ist bisher in der internationalen Segelsport-Funktionärswelt nicht besonders wuchtig aufgetreten. Sein Bekanntheitsgrad ist gering, obwohl er schon seit acht Jahren im Vorstand von World Sailing arbeitet. Er spielte allerdings eine zentrale Rolle bei den Olympiabewerbungen Chinas für 2000 und 2008 und war dann für die Vorbereitung der Segelspiele in Qingdao zuständig. Von 1988 bis 2012 agierte er auf den Regattabahnen als International Judge.

Zu seinen Wahlversprechen gehört, dass er große Sponsorensummen aus China generieren kann, wenn er gewählt wird. Das ist vielleicht sein größter Trumpf in der angespannten finanziellen Lage von World Sailing. Zahlreiche nationalen Verbände mögen dieses Argument sehr hoch gewichten. Sie könnten aber auch befürchten, dass ein chinesischer Präsident beim IOC nicht gut ankommt. Schließlich gibt es schon internationale Stimmen die wegen Chinas politischer Verfehlungen unter anderem in Bezug auf die Einhaltung der Menschenrechte zum Boykott der Winterspiele 2022 aufrufen.

Es muss sich nun zeigen, ob der Chinese die Stimmen für die ausgeschiedenen Kandidaten einsammeln kann. Der Spanier Seeliger hat schon seine Unterstützer dazu aufgerufen, für Li statt Andersen zu stimmen. In einer öffentlichen Erklärung befürwortet er “einen frischen Start” mit Li. World Sailing müsse das Vertrauen und den Respekt gegenüber dem IOC wieder gewinnen.

Das finale Ergebnis der Präsidenten-Abstimmung soll am 1. November veröffentlicht werden.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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