Weltumseglung: Junger Meteorologe will CO2-neutral rundum – dem Klima auf der Spur

Generation "emissionsfrei"

Laurin Steinmaier (22) macht Nägel mit Köpfen und aus seinen Hobbys eine Passion: Auf einer alten Stahlyacht zu den „Hotspots“ des Klimawandels. Ambitioniert!

„Nein, bitte nicht schon wieder ein CO2-neutraler Langfahrtsegler!“ Das dürfte so manchem durch den Kopf gegangen sein, als er die Headlines zu diesem Artikel gelesen hat. Nach all’ dem Hype und Gedöns um Greta und Boris auf der IMOCA „Malizia“ (SR-Artikel-Auswahl), nach dem zweiten Sedlacek-Desaster (SR-Bericht) erscheinen die Begriffe „CO2-neutral“ und „Segeln“ gelinde gesagt ein wenig „ausgelutscht“.

Dennoch lohnt sich weiterhin der eine oder andere Blick auf CO2-neutrale Segelprojekte. Vor allem dann, wenn sie erfreulich weit entfernt vom Kommerz angesiedelt sind. Und von reichlich Enthusiasmus, Abenteuerlust und Spontanität geprägt werden.

Wie etwa bei Laurin Steinmaier. Der 22-jährige Meteorologie-Student hat letztes Jahr seinen Bachelor-Abschluss gemacht und ist derzeit mit einer etwas betagten Fahrtenyacht irgendwo vor Norwegen unterwegs. 

Das wäre zwar durchaus schon bemerkenswert – junger Student, auf eigener Yacht auf Langfahrt, das passiert auch nicht alle Tage – doch im Detail zeigt Laurin echtes Potential für mehr. Viel mehr! 

Auf „Momo“ um die Welt

„Seit meiner Kindheit träume ich davon, um die Welt zu segeln,“ schreibt Laurin auf seiner Website. Und seitdem er die Meteorologie als Studienfach für sich entdeckte, kommt noch der Wunsch nach einer möglichst klimafreundlichen Fortbewegungsart hinzu. So weit, so gut. Bestimmt gibt es heute viele junge Menschen, die so einen Traum mal kurz andenken, und dann seufzend wieder ad acta legen. Nicht so Laurin Steinmaier. Seit 2016 arbeitete er neben seinem Studium bei Wetteronline als Meteorologe. 2017 leistete sich der begeisterte Windsurfer und Fahrtensegler seine eigene Yacht namens „Momo“: Eine 12-Meter Stahlyacht, die – drücken wir es vorsichtig aus – eine gewisse Reife ausstrahlte. Und die von Laurin in einem Jahr ganz offensichtlich seefest und fit für Abenteuer gemacht wurde. 

Sieht robust, vor allem aber ökologisch aus. Nicht nur wegen dem mitgeführten Baum auf dem Vordeck © steinmaier

Nun kann heutzutage kaum noch ein Törn gestartet werden, der nicht irgendein hehres Ziel neben der Segelei verfolgt. „Als Meteorologe und leidenschaftlicher Outdoorabenteurer liegt mir unser Klima in besonderem Maße am Herzen,“ schreibt er auf seiner Website.  „Segelnd möchte ich die vom Klimawandel am stärksten betroffenen Regionen unserer Erde erkunden und davon in einem Blog berichten.“ Dazu postet er eine Weltkarte, auf der eine Route eingezeichnet ist, die den jungen Meteorologen tatsächlich rundum führt: Von Norwegen nach Spitzbergen, Island, durch die Nordwestpassage in den Pazifik, nach Australien, Südindien, Kap der Guten Hoffnung, zum antarktischen Festland, vorbei am Kap Hoorn, durch den Panama-Kanal und wieder zurück nach Europa durch den Atlantik.“ 

Uff – liest sich das nicht allzu ambitioniert, wenn nicht sogar sportlich? 

Den Klimawandel dokumentieren

Laurin schreibt: „Grundlage meiner Route soll sein, den Auswirkungen des Klimawandels zu folgen. Neben dem Besuch zahlreicher vom steigenden Meeresspiegel bedrohter Länder, sollen Schwerpunkte auf die Eis- und Schneeschmelze gelegt werden. Besonderen Wert besitzt dementsprechend für mich der Besuch der Antarktis sowie die Durchquerung des Nordpolarmeeres. Desweiteren ist mir auf meiner Reise wichtig, neben den Ozeanen ebenfalls die dort ansässigen Länder und Menschen kennen zu lernen. Für meine Route plane ich daher einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren ein.“

Jung, engagiert, tatkräftig: Laurin Steinmaier © steinmaier

Zum Thema „CO2-neutral“ zeigt der Skipper auf, dass er seine „Momo“ für eine möglichst emissionsfreie Energieversorgung mit Sonnenkollektoren und einem Windgenerator bestückt hat. Als Motoren sollen Elektro-In- und Außenborder (am Tender) dienen. Wobei Laurin in einem seiner Videos erwähnt, dass der Elektro-Inborder noch nicht installiert sei und deshalb der E-Außenborder als Flautenschieber für die „Momo“ diene. 

Verrückt oder ambitioniert?

Nun ist es so, dass sich selbst völlig verrückt anmutende Langfahrt-Ankündigungen von jungen Menschen durchaus realisieren ließen. Denken wir nur an den Bretonen Guirec, der mit seinem Huhn Monique (letzter SR-Bericht) ebenfalls durch die NW-Passage segelte und die Welt umrundete. Oder die jungen Abenteurer, die auf indischen Fischernachen von Goa nach Frankreich segelten, im Mini nonstop um die Welt glitschten oder mehrfach die Antarktis umrundeten. Entsprechend gilt also auch hier: Vor dem Unken, erstmal abwarten, was sich in den nächsten Wochen und Monaten so tut. 

Laurin beschreibt auf seinem Blog, dass er Mitte August bis Norwegen gekommen sei. Und dort jetzt erstmal das Landesinnere erkunde. Wie seine weitere Terminplanung aussieht, etwa wo er überwintern wird etc, ist noch nicht bekannt. 

Die Route © steinmaier

„Meine Vision handelt weder von Rekorden noch von nie erbrachten Leistungen,“ schreibt der angehende Weltumsegler in seinem Blog. „Meine Vision ist es, absolut klimaneutral unseren Planeten mit all seinen Facetten kennen zu lernen. Besonders am Herzen liegt mir dabei, meine erlebten Eindrücke nicht für mich zu behalten, sondern den Menschen die Folgen und Auswirkungen des Klimawandels aufzuzeigen.“ 

Drücken wir ihm die Daumen, dass er seinen Traum voll und ganz leben kann. Denn den wichtigsten Schritt seiner Reise hat der 22-jährige Youngster bereits geschafft: Laurin ist auf seiner „Momo“ losgesegelt. Nicht mehr und nicht weniger!

Website mit Blog

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