Windenergie: Schwimmende Windräder bestehen Ostsee-Test – Es wird enger auf dem Wasser

Nezzy next level

Schwimmen bei uns demnächst Windkraftanlagen im Meer? Im Greifswalder Bodden wurde ein solches Exemplar nun zumindest getestet – erfolgreich.

Das Testmodell der schwimmenden Windenergieanlage im Sturm bei Vierow in Mecklenburg-Vorpommern © Jan Oelker/EnBW/aerodyn

Offshore-Windkraft ist nicht unumstritten. Die einen sehen in der Ausbreitung entsprechender Anlagen viele Gefahren, die anderen vor allem ein enormes Zukunftspotenzial. Besonders von schwimmenden Windkraftanlagen versprechen sich Befürworter eine Menge. Denn anders als jene Anlagen mit feststehenden Fundamenten auf dem Meeresboden können diese auch problemlos in tieferem Wasser eingesetzt werden, so ganz neue Meeresflächen nutzbar machen und kostengünstigen Windstrom vom Meer erzeugen. Vielerorts gibt es deshalb entsprechende Projekte – in teils sehr unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Eine schwimmende Offshore-Windkraftanlage hat im Greifswalder Bodden nun ihren zweiten Test bestanden.

Nach der Erprobung auf einem Baggersee zwischen Bremerhaven und Cuxhaven haben der Energieversorger EnBW und das Ingenieurunternehmen aerodyn engineering das Doppelwindrad namens „Nezzy²“ zwei Monate lang etwa 650 Meter vor dem Hafen Vierow ausprobiert. Der knapp 20 Meter hohe Prototyp im Maßstab 1:10 mit einem Tiefgang von etwa 1,5 Metern, der dort zum Einsatz kam, besteht aus zwei Windturbinen, die von einem schwimmenden Fundament getragen werden. Das wiederum wird mit Leinen am Meeresboden verankert, treibt also nicht völlig frei im umher. Die gesamte Konstruktion richtet sich selbständig durch die Windströmung aus, so EnBW.

Der Testbetrieb der Anlage in der Ostsee diente zunächst ausschließlich einer Messkampagne. Ins Netz wurde der erzeugte Strom also noch nicht eingespeist. Stattdessen lieferten 180 Sensoren Erkenntnisse darüber, wie sich Nezzy² bei verschiedenen Windrichtungen, Windgeschwindigkeiten, Wellenhöhen und Wellenrichtungen verhält.

Das Fazit von EnBW fiel nach dem Abbau des Prototyps positiv aus: Die Anlage habe den zweimonatigen Test im Greifswalder Bodden erfolgreich bestanden. Auch die Sturmflut Mitte Oktober konnte Nezzy nichts anhaben. Die Wellen- und Windbedingen hätten umgerechnet auf die spätere Originalgröße von Nezzy² einem Hurrikan der Kategorie vier bis fünf mit einer Wellenhöhe von bis zu 30 Metern entsprochen, erklärte EnBW.

Aerodyn-Geschäftsführer Sönke Siegfriedsen ergänzte: „Wir konnten eineinhalb Tage beobachten, wie Nezzy² unter extremen Wetterbedingungen stabil im Wasser lag. Unsere Tests haben bewiesen, dass unser Modell jetzt bereit ist, in Originalgröße im Meer getestet zu werden.“

Bis die Nezzy-Windräder auf unseren Meeren schwimmen und für Segler zu „Hindernissen“ werden könnten, dürfte es also vermutlich noch ein Weilchen dauern. Im Anschluss an die vollständige Auswertung der Daten soll ein Modell im Maßstab 1:1 mit einer Leistung von 15 Megawatt Ende 2021 oder Anfang 2022 erst einmal vor der Küste Chinas getestet werden, unter Bedingungen, wie sie später zum Beispiel auch auf dem Atlantik herrschen könnten.

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