Windgeneratoren: Was die aktuelle Generation leisten kann – Vor- und Nachteile der Modelle

Autark auf See

Falls man irgendwann wieder segeln darf, wird das Energie-Management an Bord immer noch eine wichtige Rolle spielen. Wir haben die zehn gängigen Windgeneratoren-Modelle in einer Marktübersicht zusammengestellt. Alles ist dabei: Vom zierlichen Spannungserhalter bis zum potenten Batterie­lader, vom dreiflügligen Standard-Gerät bis zum Fünfflügler mit Schutzring. Was die verschiedenen Generatoren an Bord wirklich zum Energiehaushalt beitragen können – und was man nicht erwarten darf, hat Gerald Sinschek für euch zusammengefasst.

Auf Langfahrt und in der versteckten Ankerbucht gleichermaßen tragen Windgeneratoren zu einem gewissen Energiepuffer bei © Marlec/Rutland

Es gibt drei Möglichkeiten, um Batterien für die zahlreichen Verbraucher oder den Starterakku zu laden, ohne hierfür den Diesel oder einen anderen Verbrenner-Generator zu nutzen: Solarpanels, Hydrogeneratoren oder Windgeneratoren.

Wo Solarpanels für nennenswerte Stromerzeugung eine üppige Fläche in Anspruch nehmen müssen und angehängte Hydrogeneratoren nur in Fahrt Strom erzeugen, stellen Windgeneratoren die beste Alternative dar. Oder sogar die Kombination aus allen drei Methoden. Denn nicht erst seit der Umwelt­aktivistin Greta Thunberg schätzen viele Segler auf allen Weltmeeren die zumindest lokal korrekte Stromerzeugung aus den sogenannten regenerativen Energien. Denn auf den brummenden und stinkenden Diesel verzichten alle gern und so oft wie möglich.

Es gibt kaum eine Blauwasseryacht, an deren Heck nicht mindestens ein Windgenerator montiert ist. Und auch an Fahrtenyachten, die über große Distanzen eingesetzt werden und deren Ziel nicht unbedingt immer nur die nächste Marina mit allem Komfort und Landstrom ist, sieht man die Rotorblätter häufig.

Unterschiedliche Bauformen der Modelle

In dieser Marktübersicht beschränken wir uns auf die klassischen Modelle mit horizontaler Nabe. Zwar finden sich in den Katalogen auch solche mit vertikaler (Naben-)Ausrichtung, die Effizienz dieser Geräte ist allerdings bis auf wenige Ausnahmen bescheiden und taugt für kaum mehr als den Spannungserhalt einer gut geladenen Batterie. Diese sogenannten Savonius-Rotoren, am Markt finden sich meistens verdrehte Helix-Formen, rotieren durch den Staudruck, der an der Luv-Seite des Flügels entsteht. Im Vergleich zu den geläufigen Konstruktionen, wie sie hier vorgestellt werden, drehen sie sich vergleichsweise langsam. Allerdings haben die sogenannten Windturbinen bauartlich bedingt Vorteile: So entfällt die Windnachführung, unabhängig von der Windrichtung und ihrer Position drehen sie sich immer. Auch die Preisgestaltung fällt hier deutlich moderater aus.

Die Modelle mit horizontaler Nabe sehen sich untereinander sehr ähnlich und bestehen im Wesentlichen aus drei Baugruppen: der Windfahne zur Nachführung und optimalen Ausrichtung der Anlage zum Wind, dem Gehäuse mit Rotor, Stator, Regelelektronik und Mastaufnahme sowie der Nase mit meistens drei, oft aber auch mehr Flügeln. Bis zu 500 Watt sollen manche der Geräte nach Angaben der Hersteller unter Idealbedingungen liefern können. Je nach Revier, Windstärke und -dauer kann das eine Ladung für die Batteriebank von mehr als 100 Amperestunden ausmachen. Dabei gilt im Prinzip: je größer, desto besser. Je mehr Durchmesser und damit Fläche die Flügel der Generatoren bieten, desto leistungsstärker sind sie.

Die Anzahl der Teile, aus denen eine Windgeneratorenanlage besteht, ist überschaubar © www.yachtbatterie.de

Montage der Generatoren

Für den Zusammenbau der Windgeneratoren ist kein abgeschlossenes Ingenieurstudium erforderlich. In der Vergangenheit gab es durchaus Modelle, bei denen die Ausrichtung der Flügel in der Gerätenase auf mehr als eine Art möglich war. Bei ungenauer Arbeit oder zu wenig Anpressdruck zweier Metallplatten zwischen denen Haltezapfen der Flügel eingeklemmt wurden, konnte ein falscher Winkel der Blätter zum Windstrom resultieren, was mangelhafte Effizienz und erhöhte Geräuschentwicklung zur Folge haben konnte.
Heute ist die Anzahl der zu verschraubenden Teile meistens an einer Hand abzuzählen, fehlerhafte Variationsmöglichkeiten gibt es zum Glück im Prinzip nicht mehr. Die Position der Flügel in der Gehäusenase ist fest vorgegeben, die Windfahne oft unlösbar am Gehäuse ausgeführt oder mit nur wenigen Schrauben befestigt, die Mastaufnahme selbsterklärend. Nach kurzer Zeit ist so ein Puzzle komplettiert, zu großen Respekt muss davor niemand haben.

In der Nase des Superwind 350 steckt die sensible Verstellmechanik der Flügel © Superwind

Materialgüte und -verarbeitung

Hier kommt man mit bloßem Augenschein leider kaum weiter, sondern muss sich entweder auf die Aussagen der Hersteller/Händler oder auf Erfahrungsberichte aus einschlägigen Blauwasserforen verlassen. Geräte, die sich schon seit vielen Jahren am Markt behauptet haben, liefern da natürlich die bessere Argumentationshilfe als Neulinge oder kaum bekannte Randprodukte. Generell sind seewasserfeste Materialien wie V4A oder Aluminium, vielleicht sogar in seewasserbeständigen Legierungen, sowie sorgfältig ausgeführte Oberflächenvergütungen wichtig.

Ebenso müssen Lager ausreichend dimensioniert und gut abgedichtet sein, damit Salzwasser am besten gar nicht erst eindringen kann. Das wiederum setzt ein gut abgedichtetes Gehäuse voraus, in dessen Inneren empfindliche elektrische und elektronische Bauteile, wie vielleicht Spulenwicklungen und Kontakte, durch eine Lackschicht geschützt sind. Oft sind die technischen Informationen leider nicht genau genug, damit man sich ein umfassendes Bild machen kann. Auch die verwendeten Kunststoffe für Flügel oder Windfahnen müssen für den harten Dauereinsatz in Wind, UV-Strahlung und Salz geschaffen sein, wobei Verschleiß leider unumgänglich ist. Für den Fall halten die Hersteller aber in der Regel entsprechende Ersatzteile zu halbwegs moderaten Preisen bereit.

Vor Anker können die Windgeneratoren für kontinuierliche Leistung sorgen und die Batteriebänke unter optimaler Spannung halten © Marlec/Rutland

Besonderheiten in der Ausstattung

Wenn man als technische Besonderheiten der verschiedenen Modelle einmal die Anzahl der Flügel (mehr bieten mehr Fläche bei gleichem Durchmesser und springen so meistens früher an) oder die Form der Windfahnen (nach oben, rechts achteraus oder nach unten gerichtet – weitgehend egal) außen vor lässt, reduzieren sich die Merkmale auf einen markanten Punkt: die mechanische Rotorblattverstellung des Superwind 350. Hier sind die Blätter nicht starr mit der Gehäusenase verschraubt, sondern sie können ihren Anstellwinkel je nach Windgeschwindigkeit ändern: Je stärker es bläst, desto weiter drehen sich die Profile durch Fliehkraft aus dem Wind, die Drehzahl steigt nicht weiter an, starke Vibrationen werden so unterbunden.

Ab etwa 25 Knoten Wind reduziert sich der Auftrieb an den Flügeln, genauso schnell „federn“ die Blätter wieder in ihre leistungsstarke Ausgangsposition zurück, wenn die Bö nachlässt. Um bis zu 40 Grad verdrehen sich die Flügel automatisch in so einer Situation. Dass für eine derartige technische Besonderheit und Entwicklung ein höherer Preis im Gegensatz zu starren Standardlösungen fällig wird, ist nachvollziehbar.

Wenn aus Gründen der Wartung oder Sicherheit doch mal eine vollständige nicht durch einen Regler elektronisch gesteuerte Abschaltung des Generators gewünscht ist, sollte nach Möglichkeit ein Stoppschalter in die Konfiguration eingeplant werden. Der liegt möglichst nahe am Generator und erzeugt beim Schalten einen Kurzschluss, der die Flügeldrehung extrem verlangsamt.

Auch bei den Reglern zeigen sich Unterschiede und Besonderheiten. Neben den bereits angesprochenen Kombireglern, welche die Energiequellen „Windgenerator“ und „Solarpanel“ gleichzeitig steuern und verarbeiten können, gibt es eine Reihe anderer Ausstattungsmerkmale, die hilfreich sein können. Ausgänge für zwei separate Batteriebänke (etwa Verbraucher und Starter) können so ein praktisches Feature sein, oder aber die Anpassung an bestimmte Batterietypen. Denn hier zeigt jede Bauart ihre individuelle Ladeschlussspannung, die erforderlich ist, um die Batterie vollständig zu laden. Bei manchen Reglern lässt sich das direkt am Gerät beziehungsweise per App justieren, bei anderen Reglerarten muss der verwendete Batterietyp beim Kauf angegeben werden. Der Hersteller/Lieferant nimmt dann die erforderlichen Einstellungen vor.

Nicht zuletzt ist es sicher auch eine Frage der optischen Anforderungen, die über den Kauf von Windgenerator-Modell X oder Y entscheiden, wenn die technischen Anforderungen und Leistungen vergleichbar sind. Denn von zwischen massig und extrem robuster Anmutung bis hin zu nahezu eleganten Ausführungen hat der Markt alles zu bieten. Und auch bei dem Gewicht sind nahezu 100 Prozent Differenz möglich. Das beeinflusst an seinem vielleicht drei Meter langen Hebelarm das Seeverhalten einer Yacht allerdings nur im akademischen Bereich. Gedanken über Generatorengewicht in Relation zu Kielgewicht muss sich niemand ernsthaft machen.

Schematischer Aufbau einer kombinierten Solar- und Windanlage mit einem Hybridregler, der beides verwalten kann. Einerseits praktisch, andererseits nicht ganz ohne Risiko © Silentwind

Befestigung an Bord

Ob der Windgenerator direkt am Heck der Yacht, auf einem vorhandenen Geräteträger oder sogar am Besanmast verbolzt wird, ist nicht nur Geschmackssache. Grundsätzlich gilt, dass die Flügel möglichst frei von Ablenkungen angeströmt werden sollten. Dass das je nach Kurs und Windrichtung leider nicht immer gewährleistet ist, muss in Kauf genommen werden. Am ungünstigsten erscheint der Besanmast als Montagepunkt. Je nach Windrichtung und Status der Yacht (vor Anker) kann es hier zur Abdeckung von vorn oder achtern kommen, zudem liegt der Generator hier außerhalb schneller Erreichbarkeit im Fall der Fälle.

Auch ein Geräteträger, der sich über das Heck spannt, ist nur bedingt empfehlenswert. Zumindest dann, wenn der Generator am kurzen Mast direkt und ohne wirksame Schallentkopplung aufgeschraubt wird.

Klassisch ist die Heck-Montage an einem hohen Mast mit zweifacher Verstagung möglichst weit von der Längsachse und damit von Stagen, Leinen oder Personen entfernt. Ein im Bereich des Heckkorbes stehender Mensch darf durch Unachtsamkeit keinesfalls in den Drehkreis oder den Rotationsradius der Flügel gelangen können.

Pflege und Wartung

Wenn bei der Entwicklung keine Patzer und bei der Herstellung keine zu dicken Rotstift-Striche gemacht wurden, verrichtet ein ordentlicher Windgenerator seine Arbeit sehr lange und ohne viel Zuwendung. Gelegentliche gründliche Süßwasserduschen schaden sicher nie, auch sollten Gummilager an Befestigungsschellen oder zur Schallisolierung wenigstens einmal im Jahr in Augenschein genommen und bei Bedarf getauscht werden. Ebenso verdienen die Flügel regelmäßige Sichtinspektion, wenn sie gleichmäßig und nicht mit Unwucht und zudem pfeifend rotieren sollen. Kleine Beschädigungen in der Anströmkante lassen sich mit sehr feinem Schmirgelpapier glätten, wenn der fliegende Fisch, die Möwe oder überkommende See größeren Schaden angerichtet haben, muss Ersatz her. Abgeplatzte Farbe hingegen ist je nach dem verwendeten Gehäusematerial nicht unbedingt ein Grund, den Generator sofort abzubauen und neu zu lackieren. Viele Bauteile sind heute aus Aluminium und meistens entsprechend widerstandsfähig.

Marktübersicht

© Superwind
Hersteller Superwind
Vertrieb Superwind, www.superwind.com
Modell 350
Preis 2.200 Euro
Leistung/Watt 350
Gewicht/kg 11,5
Rotordurchmesser/m 1,22
Drehkreisdurchmesser/m 1,26
Anzahl Blätter 3
Spannung/Volt 12/24
Drehzahl U/min 500 – 1300
Ladereglertyp/-preis Shunt, temperaturkompensiert, 469 Euro
Montagesatz/Euro ab 889
Ausstattung/Besonderheiten Rotorblattverstellung, Rotationsdämpfer, IP 54, Neuer Lastwiderstand, Anschluss für manuellen Stoppschalter, Anschluss für Solarpanel

© Silentwind
Hersteller Silentwind
Vertrieb Phaesun, www.phaesun.com
Modell Pro
Preis 1.796 Euro
Leistung/Watt 420
Gewicht/kg 6,8
Rotordurchmesser/m 1,15
Drehkreisdurchmesser/m 1,17
Anzahl Blätter 3
Spannung/Volt 12/24/48
Drehzahl U/min 550 – 1700
Ladereglertyp/-preis MPPT-Hybrid, inkl.
Montagesatz/Euro ab 850
Ausstattung/Besonderheiten Handlaminierte Karbonfaser Blätter, Stoppschalter, Solaranschluss am Regler, Bluetooth, App, vergl. leicht

© Marelc/Rutland
Hersteller Marelc/Rutland
Vertrieb www.marlec.co.uk, diverse Anbieter
Modell 504
Preis ca. 500 Euro
Leistung/Watt max. 80
Gewicht/kg 3,5
Rotordurchmesser/m 0,51
Drehkreisdurchmesser/m k.A.
Anzahl Blätter 6
Spannung/Volt 12
Drehzahl U/min k.A.
Ladereglertyp/-preis PWM, ab 120 Euro
Montagesatz/Euro ca. 420
Ausstattung/Besonderheiten Umlaufender Schutzring um die Blätter, Solaranschluss am Regler

© Marelc/Rutland
Hersteller Marelc/Rutland
Vertrieb www.marlec.co.uk, diverse Anbieter
Modell 914i
Preis ca. 850 Euro
Leistung/Watt 260
Gewicht/kg 11,6
Rotordurchmesser/m 0,91
Drehkreisdurchmesser/m 1,12
Anzahl Blätter 6
Spannung/Volt 12/24
Drehzahl U/min k.A.
Ladereglertyp/-preis MPPT intern, PWM ab 120 Euro
Montagesatz/Euro ca. 600
Ausstattung/Besonderheiten Solaranschluss am Regler

© Marelc/Rutland
Hersteller Marelc/Rutland
Vertrieb www.marlec.co.uk, diverse Anbieter
Modell 1200
Preis ca. 1.600 Euro
Leistung/Watt 480
Gewicht/kg 7,8
Rotordurchmesser/m 1,22
Drehkreisdurchmesser/m 1,24
Anzahl Blätter 3
Spannung/Volt 12/24
Drehzahl U/min k.A.
Ladereglertyp/-preis MPPT, PWM ab 120 Euro
Montagesatz/Euro ca. 600
Ausstattung/Besonderheiten Solaranschluss am Regler, vergl. leicht

© Leading Edge
Hersteller Leading Edge
Vertrieb Leading Edge, www.leadingedgepower.com, diverse Anbieter
Modell LE 300
Preis ca. 900 Euro
Leistung/Watt 300
Gewicht/kg 6,5
Rotordurchmesser/m 1,0
Drehkreisdurchmesser/m 1,04
Anzahl Blätter 3
Spannung/Volt 12/24/48
Drehzahl U/min k.A.
Ladereglertyp/-preis PWM, Shunt (200 Euro), ab 240 Euro
Montagesatz/Euro k.A.
Ausstattung/Besonderheiten Sehr schlankes Gehäuse, vergl. leicht

© Leading Edge
Hersteller Leading Edge
Vertrieb Leading Edge, www.leadingedgepower.com, diverse Anbieter
Modell LE 450
Preis ca. 1.200 Euro
Leistung/Watt 450
Gewicht/kg 8,0
Rotordurchmesser/m 1,0
Drehkreisdurchmesser/m 1,04
Anzahl Blätter 5
Spannung/Volt 12/24/48
Drehzahl U/min 2000
Ladereglertyp/-preis PWM, Shunt (200 Euro), ab 240 Euro
Montagesatz/Euro k.A.
Ausstattung/Besonderheiten Sehr schlankes Gehäuse, vergl. leicht

© Primus Windpower
Hersteller Primus Windpower
Vertrieb Phaesun, Tel. 08331/990 42 12, www.phaesun.com
Modell Air Breeze schwarz
Preis 2.240 Euro
Leistung/Watt 160
Gewicht/kg 5,9
Rotordurchmesser/m 1,17
Drehkreisdurchmesser/m 1,22
Anzahl Blätter 3
Spannung/Volt 12/24/48
Drehzahl U/min k.A.
Ladereglertyp/-preis PPT inklusive
Montagesatz/Euro k.A.
Ausstattung/Besonderheiten Sehr schlankes Gehäuse, vergl. leicht, Spritzgussblätter Composite

© Primus Windpower
Hersteller Primus Windpower
Vertrieb Phaesun, Tel. 08331/990 42 12, www.phaesun.com
Modell Air Silent X blau
Preis 2.240 Euro
Leistung/Watt 400
Gewicht/kg 5,9
Rotordurchmesser/m 1,17
Drehkreisdurchmesser/m 1,22
Anzahl Blätter 3
Spannung/Volt 12
Drehzahl U/min k.A.
Ladereglertyp/-preis k.A. inklusive
Montagesatz/Euro k.A.
Ausstattung/Besonderheiten Sehr schlankes Gehäuse, vergl. leicht, handlaminierte Blätter aus Karbonfaser, geriffelte Blätter

© Eclectic Energy
Hersteller Eclectic Energy
Vertrieb Shipshop, Tel. 0203/35 20 44, www.shipshop.de
Modell D 400
Preis 1.899 Euro
Leistung/Watt 420
Gewicht/kg 17,0
Rotordurchmesser/m 1,1
Drehkreisdurchmesser/m k.A.
Anzahl Blätter 5
Spannung/Volt 12/24
Drehzahl U/min k.A.
Ladereglertyp/-preis Shunt, 359 Euro
Montagesatz/Euro k.A.
Ausstattung/Besonderheiten Massiges und vergl. schweres Gerät

Die Flügel

Schnatternde Flügel der Windgeneratoren können in der Marina oder am Ankerplatz sehr stören. Gehört es vor Anker noch zum guten Ton, naheliegende Yachties möglichst nicht mit den Geräuschemissionen zu behelligen, ist der Betrieb unter Last in Marinas ein zuweilen verbotenes „No-Go“. Das auch aus einem Sicherheitsgedanken heraus seine Berechtigung zieht.

Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass Windgeneratoren mit fünf oder mehr Flügeln tendenziell eher leiser sind, als Modelle mit weniger Blättern. Welches aerodynamisch-akustische Phänomen genau dafür verantwortlich ist, sei dahingestellt; s konnte es in einem umfangreichen Test im Windkanal der TU Hamburg-Harburg vor gut zehn Jahren jedoch recht eindeutig feststellen.

Kleine dreieckige Riffelstrukturen an der Vorderkante der Flügel sorgen in gewissem Maße für einen leisen Lauf © Silentwind

Schon früh experimentierte Hersteller Air X Marine (damals Southwest Windpower) mit speziellen Strukturen auf der Vorderkante der Saugseite. Im Test entpuppte sich das so konstruierte Blatt zumindest bei geringen Windgeschwindigkeiten tatsächlich als vergleichsweise leise. Dass es auch heute noch mit dem Air Silent X (heute Primus Windpower) und Silentwind Pro solche Modelle in der Range gibt, belegt eine gewisse Bestätigung der Konstruktion.

Seitdem mögen auch andere Hersteller an der Form ihrer Flügel gearbeitet und Anström- wie Abrisskanten aerodynamisch optimiert haben. Doch vollständig lässt sich eine Geräuschentwicklung bei der Vermischung der unterschiedlich schnellen Luftströmungen an der Hinterkante der Rotorblätter und außerdem an den rasend durch die Luft schneidenden Flügelspitzen wahrscheinlich nie vermeiden.

Der Regler

Ein externer Kombiregler für die Energiezufuhr aus Wind- und Sonnenkraft in die Batteriebank ist eigentlich logisch. An so ein Gerät lassen sich sowohl der Windgenerator als auch Solarpanels anschließen. Silentwind zum Beispiel bietet mit dem Hybrid Boost 12V ein solches Gerät an, das sich zudem über eine Wireless-Schnittstelle mit Android oder iOS konfigurieren lässt.

Doch der scheinbar praktische Funktionsumfang „2-in-1“ eines Hybridladereglers kann sich rächen, wenn der Apparat kaputtgeht: Dann ist die gesamte autarke Stromzufuhr von den Batterien gekappt. Aus diesem Grund sind eher zwei separate Regler für die beiden Stromquellen ratsam: Arbeitet der eine nicht mehr so, wie er sollte, kann wenigstens das andere System davon unbeeinflusst für Ladung sorgen.

Ein Hybridregler kann Ladung aus zwei verschiedenen Quellen gleichzeitig steuern © Marlec/Rutland

Moderne Regler sollten generell in der Lage sein, die Batterien wirklich vollzuladen. Kurzzeitige Spannungsspitzen, etwa bei viel Wind nahe der Grenze zur Schutzabschaltung, führen bei einfachen Reglern zu einem beständigen Stoppen und Wiederanlaufen des Generators. Das schützt zwar die Batterien, verhindert aber unter Umständen deren vollständige Ladung.

Besser und heute weit verbreitet sind elektronisch gesteuerte Regler, die in der Lage sind, Batterien über eine entsprechende Kennlinie vollständig zu laden. Wenn in so einer Konfiguration vom Windgenerator zu viel Energie geliefert wird, schickt der Regler sie an sogenannte Lastwiderstände, wo sie in Wärme umgewandelt und so quasi verbrannt wird.

Befestigung

Die Komponenten der Masthalterung müssen aus seewasserbeständigem Edelstahl sein und über Dämpfereinsätze verfügen © Silentwind

Der arbeitende Generator erzeugt nicht nur durch die Drehbewegung der Rotorblätter in der Luft vor Anker oder im Hafen ein gut hörbares bis störendes Geräusch. Durch Schwingungen und Resonanz kann es zudem zu einem deutlichen Brummen kommen, das sich bis zum Bug fortsetzt und im Schiffsrumpf sogar noch verstärkt werden kann. Eine möglichst entkoppelte Montage der Anlage vom Rumpf ist also erstrebenswert. Wie kann das funktionieren, wenn der Mast gleichzeitig stabil verstrebt und verschraubt sein soll, um gerade nicht zu wackeln und zu schwingen?

Geteilte und steckbare Rohre mit perfektem Sitz an den Verbindungsstellen sind eine Option, welche die Montage erleichtern können © Silentwind

Schallentkopplung heißt das Stichwort, erreicht wird diese im Idealfall nahezu vollständige Sperre durch Gummilager im Mastfußbeschlag wie auch in den Halterungen der seitlichen Streben. Solch eine zugleich massive und doch gummigelagerte Anlage hat ihren Preis: Ab 600 Euro sollten für ein einfaches Befestigungsset kalkuliert werden. Für besonders dicke Mastdurchmesser oder mehrfach gelagerte Teile fallen höhere Kosten an. Spezielle Halterungen für den Besanmast sind für etwa zwei Drittel des Preises zu haben. Edelstahl V4A sollte bei derartigen Bauteilen Standard sein.

Praktisch sind Mastfüße mit einem Doppelgelenk, mit dem sich die Neigung des Achterstevens oder Rumpfkonturen im Heckbereich am ausgewählten Befestigungsort ausgleichen lassen. Denn auch wenn auf See der Mast durch Schiffsbewegungen praktisch nie senkrecht steht, sollte das vor Anker oder am Steg durchaus der Fall sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *