World Sailing: Präsident Andersen erklärt die Lage – Gehaltkürzungen und Zwangurlaub

Hoffnung auf das IOC

Der Weltseglerverband World Sailing hat große Probleme, eine Pleite abzuwenden. Schon vor Corona war es knapp. Durch die Olympia-Verschiebung fehlt jetzt viel Geld. Welche Schritte Präsident Kim Andersen unternommen hat.

World Sailing ist von der Corona-Krise schwer erwischt worden. Zuvor war Präsident Kim Andersen schon kritisiert worden, weil der Weltverband wegen eines auslaufenden Mietvertrages in Southampton in das teure London gezogen war. Die Räumlichkeiten sind nun deutlich repräsentativer – wie dieses Video zeigt – belasten aber eben auch das Budget stärker.

Kim Andersen (l.) mit Thomas Bach

World Sailing Präsident Kim Andersen (l.) mit Thomas Bach. © World Sailing

Nun bremsen die Mietkosten den Verband in seiner finanziellen Bewegungsfreiheit, wie ein Klotz am Bein. Und auch die gestiegenen jährlichen Personalkosten von rund 2,2 Millionen Euro drücken besonders. Dabei ist aktuell die Position des CEO gar nicht besetzt.

Jetzt fehlen aber wichtige Einnahmen durch die verschobenen Olympischen Spiele. Normalerweise können sich die Verbände der Olympischen Sportarten alle vier Jahre auf dieses Geld vom IOC einstellen. Aber wegen Corona bleibt die Zahlung nun erst einmal aus. Und das bringt World Sailing an den Rand einer Pleite.

Fähigkeiten im Krisenmanagement

Kritiker lasten die Situation dem seit dreieinhalb Jahren im Amt befindlichen Präsidenten Kim Andersen an. Auch wenn so etwas wie Corona nicht vorhersehbar war. Aber er muss jetzt Fähigkeiten im Krisenmanagement beweisen.

Mit folgender Stellungnahme hat er reagiert:

“Während der COVID-19-Virenpandemie und deren Auswirkungen auf alle internationalen Sportverbände behält der Vorstand von World Sailing die Finanzen und den Betrieb von World Sailing weiterhin sehr genau im Auge.

Die Regierung des Vereinigten Königreichs hat ein großzügiges finanzielles Unterstützungsprogramm zur Verfügung gestellt, auf das die World Sailing (UK) Limited (das Unternehmen, das die Mitarbeiter von World Sailing beschäftigt) zugreifen kann, um die Gehaltskosten während der Krise zu unterstützen.

Wie viele andere Organisationen innerhalb Großbritanniens hat der Vorstand beschlossen, dieses Programm in Anspruch zu nehmen, um das langfristige finanzielle Überleben von World Sailing sicherzustellen.

Zwangsurlaub

Vom 15. April 2020 bis zum 6. Mai 2020 befinden sich fast alle Mitarbeiter von World Sailing im “Zwangsurlaub”. World Sailing wird die Gehaltsdifferenzen finanzieren. Nach dem 6. Mai wird der Vorstand die Position mit dem Senior Management Team überprüfen und entscheiden, ob der Urlaub verlängert wird oder ob die Mitarbeiter an ihren Arbeitsplatz zurückkehren werden.

Eine kleine Anzahl von Führungskräften wird keinen Urlaub nehmen und am Arbeitsplatz verbleiben.

Zusätzlich zu dieser Maßnahme hat der Vorstand beschlossen, dass World Sailing Mitarbeiter, die mehr als einen bestimmten Betrag verdienen, bis zum Ende des Jahres (oder wenn möglich früher) eine Gehaltskürzung von 20% erhalten. Dies erfordert die individuelle Zustimmung des Personals, und wir haben uns mit dem Personal über die Durchführbarkeit dieses Vorschlags beraten.

Insgesamt führt der Vorstand weiterhin häufige Gespräche mit unseren Partnern über die Auswirkungen der Verschiebung der Olympischen Spiele, um unsere finanzielle Gesundheit so stabil wie möglich zu gewährleisten.”

Hoffnung auf das IOC

Im Interview mit der norwegischen Segelzeitung Seilmagasinet nimmt Kim Andersen insbesondere zu drei Themen Stellung: Die Neuverhandlung des Mietvertrags in London, die Senkung der Lohnkosten und die Möglichkeit, einer Teilzahlung der Einnahmen des IOC, die nach der Verschiebung der Olympischen Spiele erst im September 2021 fällig wird.

Letzteres ist entscheidend für die Überlebensfähigkeit von World Sailing. Kim Andersen schlägt vor, dass es im schlimmsten Fall notwendig sein wird, sich im Hinblick auf die künftigen Olympia- Einnahmen Geld vom Internationalen Olympischen Komitee zu leihen.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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