World-Sailing-Untersuchung: Gefahren von verlorenen Containern für Freizeitsegler

"Die Risiken sind real!"

Die Gefahr, mit einer Segelyacht einen verlorene Container zu treffen, ist klein. Dennoch passiert es immer öfter. Zuletzt vor der griechischen Insel Kefalonia. Was nun dagegen unternommen wird.

So könnte es passieren…© Pantaenius

World Sailing hat eine Studie mit dem Thema “Die Gefahren von verlorenen Schiffscontainern für kleine Schiffe und Freizeitsegler” vorgestellt. Sie wurde von Sir Alan Michael Massey präsentiert, einem ehemaligen Vizeadmiral der Royal Navy, der den Weltseglerverband bei der International Maritime Organization (IMO) vertritt.

Dabei machte er deutlich, dass das Problem für die Schifffahrt immer größer wird. Zuletzt hatten Experten eine besorgniserregenden Anstieg der Containerverluste festgestellt. Allein im vergangenen Jahr waren es mindestens 3000. 2021 dürfte die Zahl überschritten werden. Massey hält sich an die offiziellen Zahlen, dass zwischen 2008 und 2019 jährlich durchschnittlich 1.382 Container im Wasser landeten. Die Dunkelziffer wird weitaus höher geschätzt.

Der größten Probleme gibt es im Pazifik. Aber selbst im Mittelmeer drohen Kollisionen. In der Studie heißt es: “Diese Woche wurde der Yachtversicherer Pantaenius darüber informiert, dass die Yacht “Panacea of Southampton”, die vor der Insel Kefalonia in Griechenland sank, mit ziemlicher Sicherheit einen Container getroffen hat. Die Risiken sind real!”

Bei dem Unglück sank die britische Yacht. Der Skipper konnte eine Rettungsinsel besteigen und wurde schließlich unverletzt von der Küstenwache geborgen. Weitere Kollisionen sind von den großen Hochseerennen bekannt. Allein bei der Vendée Globe 2016 gab es fünf Ausfälle durch solche Zusammenstöße. Das vergangene Weltrennen wurde durch mindestens vier Crashes (Beyou, Thomson, Davies, Simon) beeinträchtigt. Zwar kann selten bewiesen werden, dass treibende Container die Ursache waren, aber die Gefahren nehmen zu.

Massey fasst in seiner Präsentation die wichtigsten Punkte zusammen.

Warum verlorene Container eine Gefahr für kleine Schiffe sind:

  • Es gibt viele von ihnen!
  • Container schwimmen oft halb untergetaucht. Nur ein kleiner Teil ist sichtbar.
  • Es gibt keine einheitliche Möglichkeit, sie zu verfolgen oder aufzuspüren.
  • Sie sind für kleine Schiffe in der Nacht unsichtbar und tagsüber sind sehr schwer zu erkennen.

Welchen Schaden können sie anrichten?

  • Die scharfen Ecken von Containern können den Rumpf von GFK-Yachten durchbohren.
  • Kollisionsschäden unterhalb der Wasserlinie können katastrophal sein und zum Untergang führen
  • Bei höherer Geschwindigkeit kann der Kiel ganz oder teilweise abreißen, was zum Kentern oder Sinken führt.
  • Bei modernen Yachten mit tiefen, hydrodynamisch effizienten Rudern kann das Blatt beschädigt oder der gesamte Anhang abreißen.

Wie groß ist die Bedrohung für Segler?

  • Es ist schwierig, harte Daten zu erheben. Denn es ist nicht immer klar, welche Objekte tatsächlich für eine Kollision verantwortlich sind. Man sollte also ein Gefühl für die Verhältnismäßigkeit der Unglücke und der Aktionen dagegen beibehalten. Aber die Risiken sind real!

Können Segler die Kollisionen vermeiden?

  • Das ist schwierig! Ein halb untergetauchter Container wird selten auf dem Radar auftauchen. Aber…

  • … kleine Seenotfunkbaken wie EPIRBS (also Sendegeräte, die bei Aktivierung per Satellitenverbindung einen Alarmmeldung absetzen) die etwa an Rettungswesten angebracht sind, könnten auch für die Container-Ortung genutzt werden.

  • Wenn solche Geräte an Containern angebracht würden, könnten die Besatzungen kleinerer Schiffe sie erkennen und ihnen ausweichen.
  • … und diejenigen, die sich hauptsächlich um die Umweltauswirkungen verlorener Container kümmern, könnten diese finden und bergen.

Was unternimmt World Sailing?

  • Zusammen mit anderen Behörden versuchen wir, Gesetzesänderungen zu erreichen
  • Wir haben kürzlich einen neuen IMO-Arbeitsablauf zu verlorenen Containern unterstützt, der die volle Zustimmung der 27 EU-Länder und vieler anderer hat.
  • Der Ausschuss für Seeverkehrssicherheit hat gerade verkündet, große Fortschritte in Bezug auf die Entwicklung von Maßnahmen zur Erkennung der verlorenen Container gemacht zu haben. Das Meldesystem, die Ortung, Verfolgung und Bergung soll deutlich verbessert werden.

Was sich World Sailing erhofft

  • Ein breiteres Bewusstsein für die Gefahren, die für kleinere Yachten von dem Container-Verlust ausgehen.
  • Eine einfache, billige, technologische Lösung zur Ortung von über Bord gegangenen Containern.
  • Fortgesetzte Bemühungen der EU um neue ISO-Normen für die Ortung von Containern, die auf See verlorengegangen sind.
  • Ein Tracking- und Meldesystem, um Kollisionen zu vermeiden und die Bergung von Containern zu ermöglichen.
  • Internationale Unterstützung für solche Maßnahmen, um die Sicherheit von Leben und Umwelt zu schützen.
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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „World-Sailing-Untersuchung: Gefahren von verlorenen Containern für Freizeitsegler“

  1. avatar Michael Liskow sagt:

    Wenn man jeden Container – es handelt sich hier doch um eine starke Gefährdung von Menschen und Material – mit einem Sender ausstatten würde, könnte man m. E. günstig (Verhältnis containerpreis/ortungsgerät) mehr Sicherheit erreichen.

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