WS Präsidenten Wahl: Aussicht auf 10 Millionen Dollar vom Immobilien-Magnat

Die Macht des Geldes

Die Meldungen, dass Li Quenhai neuer Präsident von World Sailing werden wird, verdichten sich. Der 58-jährige Chinese soll ein Immobilienunternehmen als Sponsor mitbringen.

Der Chinese Quanhai Li scheint gute Chancen zu haben, World Sailing Präsident zu werden. © World Sailing

Am Sonntag den 1. November soll das Ergebnis der World-Sailing-Präsidentenwahl bekannt gegeben werden, und es wird immer deutlicher, dass wohl erstmals ein Chinese an der Spitze des Weltseglerverbandes stehen könnte. Aktuell berichtet nun auch die Zeitung South China Morning Post (SCMP), dass es so aussieht, als wenn Li Quanhai die Wahl gegen den Amtsinhaber Kim Andersen voraussichtlich gewonnen hat.

Dabei scheinen die Delegierten der 128 nationalen Segelverbände bei ihrem Votum insbesondere um finanzielle Sicherheit bemüht gewesen sein. SCMP berichtet, dass hinter Li das zweitgrößte chinesische Immobilien-Unternehmen Evergande steckt. Es soll beabsichtigen, im Falle von Lis Wahl dem Seglerverband Sponsorgelder in Höhe von 10 Millionen Dollar bereitzustellen.

Das wäre eine willkommene Finanzspritze, da World Sailing durch Corona, die verschobenen Olympischen Spiele und den Umzug von Southampton nach London schwere Schlagseite bekommen hat. Das Defizit soll in die Millionen gehen.

Gazprom ausgestiegen

Dabei fehlt auch das Geld vom russischen Erdgasförderunternehmen Gazprom. Der ursprünglich bis 2020 laufende fünfjährige Sponsorvertrag war nach zwei Jahren von den Russen ausgesetzt worden.

Die chinesische Evergrande Group befindet sich in Besitz von Xu Jiayin, der auf der Forbes-Liste mit einem Vermögen von mehr als 30 Millarden Dollar als drittreichster Chinese geführt wird. Das Unternehmen ist insbesondere im Fußball als Sponsor tätig. 2010 hat es den Fußballverein Guangzhou Evergrande FC gekauft, der nach massiven Investitionen siebenmal in Folge die chinesische Meisterschaft gewann.

Der Immobilien-Riese ist zuletzt aber auch negativ in den internationalen Schlagzeilen vertreten gewesen. So bezeichnen ihn verschiedene Finanzmedien als “finanziell angeschlagen”. Die Rating-Agentur S & P Global Rating hatte Evergrande von „stabil“ auf „negativ“ herabgestuft, weil sich die Schuldenlast massiv erhöht hatte. Mitte Oktober fiel der Aktienwert an der HongKong-Börse um 16 Prozent.

Chinas Bemühungen im Segelsport

Die Wahl des Chinesen könnte aber auch zum gewünschten Aufschwung des Segelsports in den asiatischen Ländern führen. China hat sich in den vergangenen Jahren immer intensiver um den Aufbau des Sports bemüht und versucht, ihn durch Großveranstaltungen zu befeuern.

Zumindest in den Olympiadisziplinen zeigen chinesische Sportler immer häufiger Flagge. Im Laser Radial, 470er und besonders bei den Windsurfern sind chinesische Segler eine Macht geworden. Xu Lijia gewann im Laser 2008 Olympia-Bronze und 2012 -Gold. Aber zulezt hat insbesondere der Volvo-Ocean-Race-Sieg des chinesisch-französischen Dongfeng-Teams Schlagzeilen gemacht. Auch beim SailGP zeigte China Flagge, meldete das Team jüngst aber wieder ab.

Wie nachhaltig diese Bemühungen sind, und ob sie tatsächlich auch bei einem Gros der Bevölkerung ankommen, muss die Zukunft zeigen. Ein Weltsegler-Präsident aus dem eigenen Lande dürfte der chinesischen Strategie, den Sport populärer zu machen, wohl helfen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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