Yacht-Design: Privilège, RM, Sun Odyssee, Figaro2, Neel – Die Erfolgstory von Marc Lombard

Eins, zwei, drei Rümpfe aus La Rochelle

Marc Lombard hat wirklich alles gezeichnet: Vom Monohull bis zum Trimaran, vom Mini bis zur Superyacht. Zu Besuch bei Lombard und seinen Partnern am Atlantik

Marc Lombard (rechts) und sein Geschäftspartner Eric Levet (links) © Jan Maas

Trimarane spannen den Bogen über die vier Jahrzehnte lange Karriere des französischen Yachtdesigners Marc Lombard. Der jüngste Trimaran aus seiner Feder heißt Neel 47 – das erste Modell, das Lombard für die Werft in La Rochelle entworfen hat. Die Neel-Trimarane sind besondere Boote. Sie übertragen das Raumangebot aktueller Fahrtenkats auf drei Rümpfe und verbinden es mit einer Fertigung und einem Ausbau auf einem hohen qualitativen Niveau.

Die Trimarane, mit denen Marc Lombards Karriere begann, waren noch von ganz anderem Schlag. 1978 hatte der Kanadier Mike Birch auf einem 39-Fuß-Trimaran namens Olympus Photo die erste Route-du-Rhum-Regatta gewonnen. Er überholte kurz vor der Ziellinie den 21-Meter-Monohull Kriter V und bewies damit, dass kleine Tris nicht nur seetauglich sind, sondern auch gewinnen können. Mit Birchs Erfolg begann die Entwicklung der Renn-Trimarane, an der auch Lombard Anteil haben sollte.

Jener Mike Birch arbeitete, bevor er als erfolgreicher Regattaregler Sponsoren gewinnen konnte, als Überführungsskipper. Als solcher war er ständig auf der Suche nach Crew – und einer seiner Deckshände war Ende der 1970er-Jahre der Student Marc Lombard. Birchs Trimaran Olympus Photo war nach Plänen des Briten Nigel Irens von Walter Greene in Yarmouth/Maine in den USA gebaut worden. Greene gehörte zu den ersten, die Boote nach der neuen West-System-Methode bauten: mit Epoxy formverleimt.

Birch ließ sich nach seinem Erfolg bei der Route du Rhum einen weiteren Trimaran von Greene auf dessen frisch gegründeter Werft Greene Marine bauen. Dort verbrachte Marc Lombard 1980 ein Praxissemester beim Bau dieses neuen Trimarans namens Télé 7 Jours. Diese Erfahrung sollte sich als äußerst wertvoll in zweierlei Hinsicht erweisen. Erstens gewann Lombard Einblick in das Design von Renn-Tris. Zweitens sammelte er Erfahrung mit der konstruktiven Seite des Designs.

Für Neel zeichnet Lombard die Sonderform eines Fahrtentrimarans © Neel

Ende der 1970er-Jahre gab es in Frankreich noch keine geregelte Ausbildung zum Yachtdesigner. Marc Lombard musste den Weg erst finden, der ihm erlauben sollte, seine Leidenschaften Segeln und Entwerfen zu verbinden. Er war in Paris aufgewachsen, sein Vater war Architekt, sein Großvater Maler. Der Vater besaß eine Segeljolle, die er in die Ferien nach Spanien oder in die Bretagne mitnahm. „Ich würde nicht sagen, dass mein Vater ein Segler war, aber er liebte das Segeln“, sagt Marc Lombard über ihn.

Jedenfalls durfte der Junge mit 14 Jahren eine Segelschule besuchen, und mit 16 führte er dort bereits Schiffe. Ein Jahr später skipperte er ein 25-Fuß-Boot rund um England und bis nach Norwegen. Nebenbei zeichnete er bereits Yachten und begann, eigene Ideen zu entwickeln. Nach dem Abitur sollte er eigentlich in die Fußstapfen seines Vaters treten und Architektur studieren. Doch das Segelvirus hatte ihn angesteckt, er ging zunächst nach La Rochelle, um auf der dortigen Hervé-Werft zu arbeiten.

Marc Lombard bemerkte jedoch bald, dass die Arbeit der Bootsbauer mit seiner Leidenschaft für das Entwerfen recht wenig zu tun hatte. Außerdem hatte er als Pariser Oberschüler keinen leichten Stand in der Werkstatt. Unterdessen hatten seine Eltern davon erfahren, dass man in Southampton Yachtdesign studieren konnte. Das klang für alle Seiten nach einer guten Idee, und so ging Marc Lombard nach einem Jahr bei Hervé von 1979 bis 1981 zum Studieren nach England.

Direkt danach machte Marc Lombard sich 1982 selbstständig. Der erste Auftrag: Ein Trimaran mit T-Foils im Rahmen der Formula 40, die gerade populär wurde. Die Regel begrenzte Multihulls auf eine Länge von 40 Fuß, stellte jedoch die Zahl der Rümpfe frei. Lombards Designs erwiesen sich als wettbewerbsfähig, sodass er die 1980er-Jahre praktisch komplett im Multihull-Regattazirkus verbrachte. Eine harte Zeit: „Es hat zehn Jahre gedauert, bis ich wirklich Geld verdient habe“, erinnert sich der Yachtdesigner.

Über die Regattaszene erfolgte dann der Einstieg ins Design von Monohulls. Der erste Einrümpfer, den Marc Lombard entwarf, war Clips, ein Prototyp der Mini-Klasse für die Mini-Transat-Regatta 1989. Ebenfalls 1989 entstand mit Crédit Agricole IV der erste IMOCA-Racer für die erste Auflage der Vendée-Globe-Einhandregatta um die Welt. Mit diesem Boot segelte Philippe Jeantot 1990 auf den vierten Platz. Jeantot führte damals die relativ junge Katamaranwerft Privilège – ein zukunftsträchtiger Kontakt.

Marc Lombard zeichnet sich auch für die Nautitech-Katamarane verantwortlich © Nautitech

Denn nachdem die ersten Privilège-Modelle noch von einem anderen entworfen worden waren, bat Jeantot Marc Lombard, den neuen Privilège 51 zu zeichnen. Mit diesem Modell begann Lombards Arbeit als Designer von Serienbooten. Fast zur gleichen Zeit begann er, für eine kleine Werft in La Rochelle namens Fora Marine Multiknickspanter für den Sperrholzbau in Kleinserie zu entwerfen. Seit der RM 800, das zweite Modell in der Geschichte der Marke, hat Lombard alle Modelle gezeichnet.

Über mehrere Eigentümerwechsel blieb Lombard den RM-Yachten treu. Ihre Kimmkanten – im Sperrholzbau noch konstruktiv bedingt – haben inzwischen den Weg über die Rennyachten in den Serienbootsbau gefunden. Die Arbeit für RM spielt für Lombard eine besondere Rolle. Aufgrund der besonderen Bauweise sind die Investitionskosten für ein neues Modell geringer als im GFK-Serienbau: Ein Satz neue Mallen ist deutlich günstiger als eine neue Form.

Daher kann die Werft ihre Modelle schneller weiterentwickeln als andere und entsprechend neue Trends und Ideen leichter integrieren. „Aus der RM 1350 wurde die RM 1360. Sie hatte einen neuen Rumpf, aber das Deck blieb gleich. Dann wurde aus der RM 1360 die RM 1370. Diese hatte ein neues Deck, aber der Rumpf blieb gleich. So haben wir innerhalb von zehn Jahren ein komplett neues Boot entwickelt. Ein neues Modell ist bei RM wirklich ein neues Modell und nicht nur ein anderes Innenlayout.“

Anfang der 2000er-Jahre kam dann der Quantensprung für Marc Lombard: Die Bénéteau-Gruppe trat an ihn heran. Die ersten Modelle waren 2003 auf der einen Seite die Figaro 2, die neue Version einer Klasse für eine traditionsreiche und populäre französische Regattaserie. Auf der anderen Seite zeichnete der Yachtdesigner mit der Sun Odyssey 35 seine erste Fahrtenyacht für die Serienproduktion. „Das hat mein Leben verändert“ bewertet Lombard diese Zeit rückblickend.

Aus dem Einzelkämpfer, der projektbezogen mit anderen zusammenarbeitete, wurde die Marc Lombard Yacht Design Group (MLYDG) von heute. Lombards Partner Eric Levet stieß Anfang der 2000er als erster dazu, inzwischen arbeiten acht Personen fest in dem Büro im Yachthafen Les Minimes von La Rochelle. Lombard hat die Arbeit im Team sehr zu schätzen gelernt. „Wir sind ein Team von Spezialisten auf verschiedenen Feldern: Konstruktion, Hydrodynamik und Design.“

RM-Yachten werden aus Sperrholz gefertigt und nehmen eine besondere Rolle in Lombards Arbeiten ein. © RM

Der Vorteil liegt darin, dass ein Fortschritt auf einem Feld zu einem Fortschritt auf einem anderen Feld führen kann. So können neue Erkenntnisse in der Strömungslehre ebenso neue Designs ermöglichen wie neue Werkstoffe. Oft beeinflussen Einsichten aus einem Teilbereich der Arbeit andere Entwürfe. Die Ähnlichkeiten zwischen der RM 1180, dem jüngsten Entwurf für Fora Marine, und der Sun Odyssey 410, dem neuesten Modell für Jeanneau, springen geradezu ins Auge.

RM-Yachten werden aus Sperrholz gefertigt und nehmen eine besondere Rolle in Lombards Arbeiten ein. © RM

Um ein paar Beispiele zu nennen: Beide Modelle verfügen über die Kombination von festem Bugspriet und negativem Steven. Außerdem haben beide einen Überhang im Bugbereich. Das Vorschiff ist voluminös, schnürt aber zum Deck hin ein. All diese Kennzeichen sind bei der RM jeweils viel stärker ausgeprägt, vorhanden sind sie aber bei beiden Modellen. „Die Boote sind natürlich verschieden, folgen aber derselben Philosophie,“ fasst Marc Lombard zusammen.

In diesem Fall, erläutert er, gehe es darum, Wasserlinie und Volumen dort zu erzeugen, wo sie gebraucht werden: In Fahrt und in Krängung. Volumen im Vorschiff bedeute nicht automatisch, dass das Deck breit sein müsse. Besonders auf der RM 1180 kippt die Spantkurve im oberen Bereich steil nach innen. Ein radikaler, aber schnittiger Entwurf, für den RM erstmals seine Bauweise umgestellt hat: Der obere Bereich des Rumpfes besteht nicht mehr aus Sperrholz, sondern aus Schaumsandwich.

„Design ist am Ende immer eine Summe kleiner Details“, sagt Marc Lombard. Dabei scheuen die Designer nicht davor zurück, Anleihen zu nehmen, die nicht unbedingt auf der Hand liegen. So verfügt die Fahrten­yacht Sun Odyssey 410 über eine vereinfachte Version der 3-D-Holepunkte, die auf Regattayachten schon lange gang und gäbe sind. „Wir übernehmen gerne Dinge aus dem Regattabereich, weil sie oft auf einfaches Handling ausgelegt sind.“

Viele dieser Ideen stammen aus der Mini-Klasse, der die MLYDG immer noch treu ist. Die Arbeit an den IMOCAs dagegen liegt auf Eis. „Wir haben genug Arbeit“, sagt Lombard. Aber auch der jüngste Mini-Prototyp 945 stammt nicht von ihm, sondern von seinem Mitarbeiter und zukünftigen Partner Henri Paul Schipman. Marc Lombard bereitet langsam seinen Ausstieg vor. Er wünscht sich mehr Zeit zum Segeln auf seinem Nautitech 40.

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