Unglück vor Sardinien: Ein 69-jähriger Segler gerät in den Propeller eines Motorboots

Tod vor Portisco

Der Segelausflug am Samstag, 29. Mai 2021, endete für den 69-jährigen Skipper einer zehn Meter langen Segelyacht tödlich. Ein Motorboot kollidierte mit dem Segler.

Die zerstörte Segelyacht. © Policia Sardegna

Zusammen mit seiner Frau segelte der Verunglückte an diesem Wochenende an Bord seiner „Sea Fever 2“ von Portisco in Richtung Porto Cervo im Nordosten Sardiniens. Das Segelglück fand am Vormittag ein abruptes Ende, als die zwölf Meter lange Motoryacht Argo 1 in die Segelyacht krachte. Der Skipper wurde von Aufprall über Bord geschleudert und geriet anschließend in die laufenden Propeller der Motoryacht. Die italienischen Medien berichten, der Körper sei förmlich zerrissen worden. Die gleichaltrige Ehefrau des Skippers wurde traumatisiert in ein Krankenhaus gebracht.

Die Küstenwache wurde sofort informiert und schickte zwei Boote zu dem Unglücksort. Taucher sammelten die Leichenteile ein, die jetzt obduziert werden, um zu klären, ob der Skipper bereits beim Aufprall starb oder erst im Propeller den Tod fand.

Beide Boote wurden beschlagnahmt. Gegen den Eigner der Motoryacht wurde ein Verfahren wegen Totschlags eingeleitet, wie die italienischen Medien berichten.

Der Unfall-Verursacher. Ein Motorboot vom Typ Argo. © Policia Sardegna

Der Eigner des Motorbootes soll angegeben haben, das Segelboot nicht gesehen zu haben. Auch die drei Crewmitglieder gaben an, nichts gesehen zu haben. Es wird angenommen, dass das Motorboot schnell unterwegs war und der Bug sich daher weit nach oben richtete und so die Sicht einschränkte. Bei einem Aufprall schießen die Motorboote dann einmal quer über das Deck des anderen Bootes.

Da der Unfall von Zeugen beobachtet worden ist, wird sich ein genaues Bild des Unfalls durch die Staatsanwaltschaft rekonstruieren lassen. Laut italienischen Medienberichten kommt es immer wieder zu Unfällen zwischen Motorbooten und Segelyachten. Laut den Berichten liege es oft daran, dass die Steuerleute mit zu wenig Erfahrung und Kenntnissen auf Booten mit 700 PS-Motoren unterwegs seien. Es wird auch darauf hingewiesen, dass bei solchen Unfällen oft der Autopilot liefe.

Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass ich die beiden Skipper kannten. In der Marina Portisco hatten beide ihren Saisonliegeplatz. Am gleichen Steg, nur vier Liegeplätze auseinander.

Der Vorfall erinnert an den Unfall am 7. August 2011 vor Pelzerhaken in der Neustädter Bucht, als eine Motoryacht einen Surfer überfuhr, der sein linkes Bein verlor, aber fast auch sein Leben. Der BSU-Untersuchungsbericht kam zu dem Schluss, dass die Rundumsicht an Bord der Motoryacht klare Defizite aufwies. 

6 Kommentare zu „Unglück vor Sardinien: Ein 69-jähriger Segler gerät in den Propeller eines Motorboots“

  1. avatar Rüger sagt:

    Sehr geehrte Damen u. Herren,
    Wer zu inkompetent ist u. sich nich ausreichend Sicht nach vorne verschafft, lebt schon gefährlich.
    Aber wer noch 1 Segelboot auf Wasserstraßen, die so gering befahren werden, verglichen mit Verkehrsstraßen , rammt , gehört weggesperrt.

    16
    1
  2. avatar Andy T. sagt:

    Das sehe ich genauso!
    Als Segler bestürzt mich diese Nachricht ganz besonders.
    Das klingt nach Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit.
    Der Bootsführer sollte nie wieder seinen Fuss auf ein motorisiertes
    Wasserfahrzeug setzen dürfen, nachdem er hoffentlich einige Jahre im Gefängnis zur Besinnung gekommen ist.

    7
    1
  3. avatar Chris sagt:

    Hier stellt sich nun die Frage: Wer hatte hier Vorfahrt? War der Segler unter Motor?

    1
    8
    • avatar Bernd Brauer sagt:

      Selbst wenn der Segler unter Motor lief, was für den Mobo Führer bei seiner Geschwindigkeit wahrscheinlich nicht zu erkennen war, gilt immer noch die Regel des “Manöver des letzten Augenblicks”. Das Segelboot ist ja nun auch nicht so klein das man es hätte übersehen können.

  4. avatar Helmut sagt:

    Auch wenn da ein hoher Mast drauf ist, sagt das noch lange nicht, dass das Segelboot als Segler gefahren ist.
    Obwohl das nicht eingerollte bzw aufgetuchte Groß dafür spricht,dass das Segel oben war beweist noch lange nicht, dass er nicht doch unter Motor gefahren ist. (Wie es da unten ja so oft vorkommt, Segel UND Motor und KEIN schwarzer Kegel). “Gehörig Ausguck” und “Manöver des letzten Augenblicks” des Motorbootes hätten den Unfall auf alle Fälle verhindern können. Wenn das MoBo im Recht gewesen sein sollte (es ist ja von Stb gekommen) wird die Gerichtsentscheidung spannend.

    1
    2
    • avatar Kugelfisch sagt:

      Was folgt daraus? Der MoBo-Fahrer bildet sich unter voller Fahrt ein Bild darüber, er de jure Vorfahrt hat oder nicht und hält im Zweifelsfall einfach mittig drauf?
      Ich finde es durchaus sinnvoll, auch unter Motor ein Segel oben zu haben, denn dann wird man wesentlich besser gesehen. Das hat hier anscheinend nicht ausgereicht. Und was hätte der Segler mit seiner Höchstgeschwindigkeit von vielleicht 10 kn (mit oder ohne Maschine) machen sollen, um der Kollision zu entgehen?
      Dieser Unfall mit Todesopfer war auf jeden Fall vermeidbar und ich sehe die Verantwortung dafür beim MoBo-Fahrer, denn ausweichen oder vom-Gas-gehen wäre nicht zu viel verlangt gewesen, auch wenn er Vorfahrt gehabt hätte. Ich überfahre ja auch nicht den Fußgänger, der bei Rot über die Ampel geht, nur weil ich Grün habe…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

1 × 5 =