14 Footer German Open: Bericht von der Front am Wannsee

Windhose an der Luvtonne

„Ähhh. Warum wird denn das so weiß da vorne? Ist das schon wieder eine Regenwalze?“ Steuermann Stephan schweigt ein paar Sekunden, bevor er eine etwas gequälte Antwort auf meine ebenso gequälte Frage gibt. „Sieht eher aus wie fliegendes Wasser.“ Gebannt starren wir auf das, was sich nun innerhalb weniger Sekunden vor unseren Augen abspielt. Gischt steigt auf, wird bis in 40 Meter Höhe verwirbelt und bildet in Nähe der Luvtonne eine Windhose.

Oh my god!  Was geschieht jetzt mit dem 14-Footer, der gerade die Tonne gerundet hat? Ein schwarzer Gennaker wird auf ihm gesetzt. Sind die wahnsinnig? Oder hat die Mannschaft gar nichts davon mitbekommen, was sich gerade hinter ihrem Rücken abspielt?

Grünes Boot vor grünen Bäumen. © BYC

Grünes Boot vor grünen Bäumen. © BYC

Noch bevor das Boot richtig losfährt, schlägt die Windhose zu. Das Boot wird nicht umgeweht, es wird in Sekundenbruchteilen regelrecht umgerissen. So schnell habe ich noch nie ein Boot kentern sehen. Wie sich später an Land rausstellt, ist das Spifall in dieser Situation gerissen. Zum Glück, denn das dürfte den filigranen Kohlefasermast vor Bruch gerettet haben.

Mit brachialer Kraft umgerissen

„Was machen wir? Das Boot lieber gleich umlegen?“ Während wir nebeneinander im Trapez stehend diese Frage diskutieren, wird uns die Entscheidung abgenommen. Es wirft uns einfach mit brachialer Kraft um, so wie alle Boote in unserer Nähe. Stephan springt hinter das Großsegel, und ich mache ebenfalls einen großen Satz. Glück gehabt, ich verfehle das Achterliek um wenige Zentimeter, das empfindliche Foliensegel bleibt unversehrt.

Meisterlich trotz Mastbruch. Georg Borkenstein (l.) und Eike Dietrich. © C. Stock

Meisterlich trotz Mastbruch. Georg Borkenstein (l.) und Eike Dietrich. © C. Stock

Wir ziehen uns auf den Rumpf. Die Windhose hat sich aufgelöst, aber es bläst flächendeckend mit geschätzten 35 bis 40 Knoten. Die Wetterdienste berichten hinterher von bis zu 50 Knoten, die aus der Kaltfront wehen. Der enorme Winddruck lässt uns mit hoher Geschwindigkeit treiben, und es baut sich hier auf der Unterhavel eine beachtliche Welle auf.

Das Boot beginnt zu schlagen. Ich balanciere auf dem Mast, um ihn runter zu drücken. Wenn jetzt das Rigg hochgeweht wird, bricht der Mast. Das gesamte Feld der 14-Footer liegt flach. Diejenigen, die versuchen, ihr Boot aufzurichten, werden sofort wieder umgeworfen.

Inzwischen ist das volle Programm der Rettungsdienste aufgeboten: Wasserwacht, DLRG, WaschPo und die Schlauchboote der Wettfahrtleitung. Das ist beruhigend, auch wenn wir deren Hilfe momentan nicht benötigen. Nach einiger Zeit kreist sogar ein Helikopter über dem See. Hoffentlich ist nichts Schlimmes passiert? Bis jetzt hatte ich nur gehofft, dass die Wettfahrtleitung die Wettfahrt abbricht, damit wir unser Material nicht strapazieren müssen. Aber nun wird es uns doch etwas mulmig.

Furcht um den makellosen Karbon-Renner

Eike Dietrich gibt alles auf dem Weg zur Titelverteidigung. © C. Stock

Eike Dietrich gibt alles auf dem Weg zur Titelverteidigung. © 14 KV

Nach einiger Zeit drohen wir immer noch gekentert auf ein steinernes Seezeichennahe der Insel Schwanenwerder zu treiben. Stephan wird nervös, er fürchtet um seinen makellosen Karbon-Renner. Ein Motorboot drückt uns vom Hindernis weg. Irgendwann haben wir Grund unter den Füßen und können das gekenterte Boot in Ufernähe festhalten. Puh, gerade noch mal davongekommen, nichts kaputt gegangen.

Nach einer Stunde lässt der Wind nach. Wir richten wir das Boot auf.  Mit zittrigen Knien geht es zurück zum Berliner Yachtclub. Die meisten anderen Boote sind bereits reingeschleppt worden. Eine erste Bestandsaufnahme ergibt: Alle Segler sind wohlbehalten zurück, abgesehen von blauen Flecken und dergleichen.

Viele Boote haben jedoch gelitten: Zahlreiche Pinnenausleger, Segellatten und Salinge sind gebrochen. Mehrere Teams müssen an diesem Abend Reparaturen vornehmen und ausgiebig harzen. Die amtierenden Meister Georg Borkenstein und Eike Dietrich haben einen Mastbruch zu beklagen. Ihre Titelverteidigung ist gefährdet.

Die 14 Flotte bringt in Berlin 19 Schiffe an den Start. © C. Stock

Die 14 Flotte bringt in Berlin 19 Schiffe an den Start. © 14 KV

Eigentlich hatte ich mir die German Open der International 14 am beschaulichen Wannsee etwas weniger aufregend gewünscht. Schließlich bin ich zuletzt vor fünf Jahren auf so einem High-Tech-Geschoss gesegelt. Ohne intensives Training ist ein 14-Footer schon bei moderaten Verhältnissen schwer zu beherrschen, er ist eines der anspruchsvollsten Zweimann-Boote überhaupt.

Der kleine Bruder des 18-Footers ist deutlich kippliger und agiler als ein 49er, aber fast gleich schnell. Das Cockpit ist aufgrund der Rumpflänge von nur 14 Fuss extrem eng. Da muss in den Manövern jede Bewegung passen. Zahlreiche Trimmeinrichtungen sind verbaut. Sie müssen allesamt gut eingestellt sein, will man den Speed der Topteams mitgehen.

avatar

Christian Stock

Näheres zu Christian findest Du hier
Spenden
https://yachtservice-sb.com

Ein Kommentar „14 Footer German Open: Bericht von der Front am Wannsee“

  1. avatar downburner sagt:

    Ein Freund erwähnte das auch grausame Trapezhosen gesichtet wurden! Oh Gott!!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 5

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *