Round Britain and Ireland: Deutsche Yachten segeln 1800 Seemeilen gegen Volvo Flotte

Dicke Bertha heizt ein

Nach dem ersten Tag des Sevenstar Round Britain and Ireland Race liegt die 'Varuna' von Jens Kellinghusen auf einem starken zweiten Platz der IRC-Gesamtwertung.  ©Rick Tomlinson/RORC

Nach dem ersten Tag des Sevenstar Round Britain and Ireland Race liegt die ‘Varuna’ von Jens Kellinghusen auf einem starken zweiten Platz der IRC-Gesamtwertung. ©Rick Tomlinson/RORC

Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 30 Knoten, aber auch viel Materialbruch, ein „fliegender“ Trimaran vor den Volvo Ocean 65 und starke deutsche Hochseeyachten – das ist die Zwischenbilanz nach dem ersten Tag des Rennens rund um Großbritannien und Irland.

Gegen Mittag hatte der MOD70 „Musandam Oman-Sail“ bereits fast den nördlichen Wendepunkt des 1800-Seemeilen-Kuses erreicht und damit nach dem spektakulären Start (Video) mehr als ein Drittel der Strecke absolviert. Dahinter dominierte Ian Walker auf der VO65 „Azzam“ den Vergleich der kommenden Weltumsegler fünf Seemeilen vor dem Spanier Iker Martinez, dessen Projektsponsor und -name noch geheim ist.

Schwerstarbeit für die Frauen an Bord des VO65 'Team SCA', die den Anschlus an die Männerkonkurrenz verloren.  ©Rick Tomlinson/RORC

Schwerstarbeit für die Frauen an Bord des VO65 ‘Team SCA’, die den Anschlus an die Männerkonkurrenz verloren. ©Rick Tomlinson/RORC

Hinter dem russischen Volvo 70 „Monster Project“ lag die Ker 51 „Varuna“ von Jens Kellinghusen auf Platz zwei des IRC-Zwischenklassements. Burkhard Keese führte mit US-Boy Ryan Breymeier unter französischer Flagge auf der „Stella Nova“ die Class 40 an.

Im Mittelpunkt des internationalen Interesse steht der Härtetest der fünf von sieben VO65, die im Oktober zum Volvo Ocean Race um die Welt starten. Nach 1a-Start und Führung konnte die reine Frauenmannschaft vom Team SCA unter Skipperin Sam Davies den Anschluss an die Männer nicht halten und hatte nach 24 Stunden schon fast 70 Seemeilen Rückstand auf die besten.

Hier wurde der im vorigen Rennen um die Welt noch arg gebeutelte Ian Walker seiner Favoritenrolle für die nächste Auflage, die erstmals in baugleichen Booten einer Einheitsklasse stattfindet, bislang vollauf gerecht. Hinter dem Spitzenduo lieferten sich das chinesische „Dongfeng“-Boot und die türkisch-amerikanische „Alvimedica“ ebenfalls einen erbitterten Zweikampf.

Während Bouwe Bekkings „Brunel“ (Niederlande) nach dem Gewinn eines ersten Kurztests gegen die Konkurrenz auf einen Start verzichtet hatte, versucht der Neuseeländer Chris Nicholson mit der gerade erst bekanntgegebenen „Vestas Wind Systems“ aus Dänemark die knappe Vorbereitungszeit zu kompensieren.

Smoking: Der Trimaran 'Musandam-Oman Sail' segelt bisher konstant um 30 Knoten Bootsspeed und könnte den Streckenrekord knacken.  ©Rick Tomlinson/RORC

Smoking: Der Trimaran ‘Musandam-Oman Sail’ segelt bisher konstant um 30 Knoten Bootsspeed und könnte den Streckenrekord knacken. ©Rick Tomlinson/RORC

Mit einem Etmal von 600 Seemeilen und weiter um die 30 Knoten Bootspeed nahm die „Musandam-Oman Sail“ den Streckenrekord des Riesen-Trimarans „Banque Populaire 5“ aus 2011 ins Visier. Der Hatte nur drei Tage und knapp vier Stunden gebraucht. „Wir haben zwar keine Fock eins mehr, nachdem das Schothorn abgerissen ist“, meldete Skipper Sidney Gavignet, „aber bislang brauchen wir die auch nicht unbedingt“. 100 Seemeilen vor der Nordspitze Großbritanniens lag sein Team zwei Stunden unter der Rekordzeit von vor drei Jahren.

Die Wetterkarte in der Nacht vor dem Start, gezogen von der Crew der 'Haspa Hamburg'.

Die Wetterkarte in der Nacht vor dem Start, gezogen von der Crew der ‘Haspa Hamburg’.

Mit Argusaugen hatten die 28 teilnehmenden Crews und die Organisatoren des Sevenstar Round Britain and Ireland Race seit Tagen die Wetterentwicklung auf den Satellitenschirmen verfolgt. Der ehemalige Hurrikan Bertha zog pünktlich zum geplanten Start der 1800 Seemeilen langen Traditionsregatta rund um alle Britischen Inseln über Großbritannien hinweg. Windstärke acht bis neun und Böen über 50 Knoten im Englischen Kanal bewogen den Royal Ocean Racing Club (RORC) zunächst zur Kursänderung gegen den Uhrzeigersinn, um eine zu harte Am-Wind-Kreuz zu vermeiden. Dann wurde der Start auch noch um 21 Stunden auf Montagmorgen verschoben.

Musste mit gerissenem Großsegel aufgeben: Sir Robin Knox-Johnston auf dem Open 60 'Grey Power'.  Foto: RORC

Musste mit gerissenem Großsegel aufgeben: Sir Robin Knox-Johnston auf dem Open 60 ‘Grey Power’. Foto: RORC

Seitdem kämpfen die Hochseesegler bei Südwest um sieben Beauforts mit Höchstgeschwindigkeiten vor dem Wind gegen die Unbill des zu Ende gehenden Sommers. Vier Teams mussten schon am ersten Tag aufgeben, darunter die Weltumseglerlegende Sir Robin Knox-Johnston, der mit Simon Clay zu zweit auf dem Open 60 „Grey Power“ gut unterwegs war, bevor das Großsegel zwischen dem zweiten und dritten Reff riss und sie nach Calais abliefen. Drei Class 40, darunter die favorisierte einheimische „Concise 8“ mussten ebenfalls schon die Segel streichen.

Obwohl der Bugspriet der 'Bank von Bremen' brach, ist das SKWB-Team weiter im Rennen.  ©Rick Tomlinson/RORC

Obwohl der Bugspriet der ‘Bank von Bremen’ brach, ist das SKWB-Team weiter im Rennen. ©Rick Tomlinson/RORC

Zu den beschädigten Yachten gehört auch die JV53 „Bank von Bremen“, deren Bugspriet abbrach. Die Chancen auf eine vordere Platzierung sind damit dahin, doch die Crew der Segelkameradschaft Das Wappen von Bremen unter Carol Smolawa meldete „Alles wohlauf, wir segeln weiter!“ Immerhin lagen die Hansestädter von der Weser berechnet immer noch knapp vor ihren Gegnern von der Elbe. Mit dem Start versiegten die lebhaften Web-Berichte der jungen Crew von Katrin Hilbert auf der JV52 „Haspa Hamburg“ vom Hamburgischen Verein Seefahrt.

Eine Top-Leistung liefert bislang die „Varuna“ ab, die mit dem ausgebufften Profi Guillermo Altadill aus Barcelona einen Navigator der obersten Liga nach Bord holte. Bislang hält das Team fast mit dem Open 60 „Artemis – Team Endeavour“ von Brian Thomsen Schritt. Ebenfalls überraschend ist die Pace der Class 40 „Stella Nova“, die nur 24 Seemeilen hinter der „Varuna“ ebenfalls auf Kurs Klassensieg liegt. Eine lange Regattareise von fast 1600 Seemeilen lag am Dienstagmittag noch vor der Figaro II „Dessert D’Alcyone“ von Werner Landwehr.

Top-Speed im Surf über 30 Knoten: die Ker 51 'Varuna' an der Küste Großbritanniens.  ©Rick Tomlinson/RORC

Top-Speed im Surf über 30 Knoten: die Ker 51 ‘Varuna’ an der Küste Großbritanniens. ©Rick Tomlinson/RORC

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3 Kommentare zu „Round Britain and Ireland: Deutsche Yachten segeln 1800 Seemeilen gegen Volvo Flotte“

  1. avatar Ikarus sagt:

    habe leider den anfang des rennens verpasst! war bis samstag noch in cowes fuer die cowes week. war aber cool die ganzen boot hier ganz nah zu sehen!

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  2. avatar Ole H. sagt:

    Hmm. Stella Nova ist abgedreht (gegen 1500) und läuft nen Halbwindkurs auf die deutsche / niederländische Küste zu. Da ist wohl was nicht in Ordnung – schade!

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  3. avatar Ole H. sagt:

    Jetzt gerade von der Website des Veranstalters:

    “Stella Nova has also retired from the race after sustaining structural damage after hitting a large wave. They are returning towards the Dutch Coast trying to protect the boat against any further damage. The coastguard are aware and keeping in close contact with the boat. The crew are both well.”

    Strukturschaden nach Welle hört sich ein bisschen so an wie die VOR’s vor einigen Jahren, die Delaminationen im Bugbereich bei Schwerwetter hatten.

    Schade.

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