37. America’s Cup: Das neue Protokoll – Der Cup für Frauen kommt

Es kann gemeldet werden

Neuseeländer und Briten haben das Protokoll des 37. America’s Cup veröffentlicht, das den Rahmen für die nächste Regatta vorgibt. Eine wichtige Entscheidung wurde allerdings aufgeschoben.

Rendering des neuen AC40 für Vorregatten, Youth- und Women America’s Cup. © 37th America’s Cup

Acht Monate nach dem Zieleinlauf des letzten Matches beim 36. America’s Cup haben die Verteidiger mit der Royal New Zealand Yacht Squadron und dem Emirates Team New Zealand sowie die aktzeptierten ersten Herausforderer (Challenger of Record) mit der Royal Yacht Squadron Ltd und ihrem Team INEOS Britannia die Rahmenbedingungen für die nächste Regatta bekanntgegeben.

Das Protokoll für den 37. America’s Cup legt die Grundlagen und Regeln der Teilnahme fest und spezifiziert die groben Vorgaben die in der ursprünglichen Stiftungsurkunde (Deed of Gift) festgelegt sind. Dabei geht es laut Emirates Team New Zealand CEO Grant Dalton um die Balance zwischen den Traditionen der Deed of Gift, Innovation, Technologie und Design sowie Zugeständnisse an eine erfolgreiche Übertragung verbunden mit den kommerziellen Aspekten der Veranstaltung. “Wir glauben, dass sich das Gleichgewicht in diesem Protokoll widerspiegelt.”

America’s Cup für Frauen

Ben Ainslie, Chef des in INEOS Britannia umbenannten britischen Herausforderer-Teams, weist darauf hin, dass man versucht habe, den nächsten America’s Cup insbesondere kostengünstiger zu gestalten. Das Protokoll sehe dieses Mal geringere Betriebskosten für die Teams vor, ohne die technische Entwicklung zu beeinträchtigen. Große Neuerung sei die erste America’s-Cup-Regatta für Frauen. Und auch der Youth America’s Cup wird seine dritte Auflage erleben.

AC40 im Flugmodus. © 37th America’s Cup

Es wird wieder mit den vom vergangenen Cup bekannten AC75 Einrumpf-Foilern gesegelt. Die Klassenregel ist allerdings modifiziert worden. Yachten des vergangenen Zyklus können daran angepasst werden.

Zur Kostenreduzierung sollen folgende Punkte beitragen:

  • Die Teams dürfen nur einen neue AC75 bauen.
  • Anzahl der zu bauenden Folien und ihre Bauteile sind begrenzt.
  • Einführung des One-Design-Foilers AC40, den die Teams für Tests, Materialentwicklung umbauen und für das Match Race-Training verwenden dürfen.
    Danach sollen die AC40 wieder in Einheitsyachten zurückgebaut werden, um damit Women’s AC, Youth AC und bei Vorregatten austragen zu können.
  • Die Crew an Bord der AC75 wurde von 11 auf 8 Segler reduziert.
  • Weitere One-Design-Elemente werden integriert
  • Informationen zu bestimmten Leistungsdaten fließen in einen Pool ein, der allen Teams zugänglich ist
  • Die Startsoftware wird vom Veranstalter geliefert und muss nicht von den Teams entwickelt werden
  • Die AC75-Bootsklasse wird für den nächsten beiden America’s Cups beibehalten.

Vorbild SailGP

Laut Presseerklärung soll die Offenlegung von Leistungsdaten nicht nur dafür sorgen, dass Kosten gesenkt werden, sondern auch den Fans mehr Einblicke in die meist geheime Vorbereitung der America’s Cup Teams gewähren. Die Beobachtungen werden regelmäßig frei einsehbar über die AC-Medienkanäle veröffentlicht.

Die beiden Cupper-Typen im Vergleich. © America’s Cup

Für eine verbesserte Wahrnehmung müssen sich die Teams ebenso verpflichten, an einer Dokumentarserie mitzuwirken, die das Geschehen hinter den Kulissen beleuchtet. Ziel ist es, Content zu erstellen, der die wichtigen Persönlichkeiten der Veranstaltung bekannt macht. Vorbild mag die Entwicklung beim SailGP sein, der das Potenzial hat, gerade auf diesem Gebiet dem America’s Cup den Rang abzulaufen.

Erneut sind vor dem America’s Cup “bis zu drei” Vorregatten geplant. Die ersten beiden sollen mit den AC40 an unterschiedlichen Rennorten stattfinden, die letzte am tatsächlichen Austragungsort mit den AC75.

Die Cup-Regatten sind für 2024 terminiert, aber ein genaues Datum gibt es ebenso wenig wie eine Entscheidung über den Ort der Regatten. Die finale Bekanntgabe einer Vereinbarung ist nun auf den 31. März 2022 verschoben. Vieles deutet darauf hin, dass im Sommer 2024 vor den Ende Juli startenden Olympischen Spielen tatsächlich in Europa gesegelt werden soll.

America’s Cup Finale der 36. Auflage. © ACE | Studio Borlenghi

Die Verzögerung der Bekanntgabe soll offenbar etwa den Iren ermöglichen, die politischen Hürden zu beseitigen, die einer Ausrichtung in Cork im Wege stehen. Zuletzt hatten die Iren um ein halbes Jahr Bedenkzeit gebeten und schienen damit aus dem Rennen. Valencia schien die besten Karten zu haben – und Jeddah in Saudi Arabien.

Neu definierte Nationalitätsregel

Um den Rückstand für neuen Herausforderer zu verringern und Kosten zu sparen sieht das Protokoll Einschränkungen in Bezug auf die Wasserzeit vor. Bestehende Teams dürfen ihre AC75 nicht vor dem 17. September 2022 segeln. Neue Challenger, die eine gebrauchte “Version 1 AC75” erworben haben, dürfen damit jedoch ab dem 17. Juni 2022 für 20 Tage segeln. Darüber hinaus sind weitere eingeschränkte Segelzeiten geplant.

Zentraler Punkt ist die Nationalitätsregel für die Crew. Die gesamte Renncrew jedes Teams muss einen vor dem 17. März 2021 ausgestellten Pass des Landes besitzen, in dem der Herausforderer-Verein ansässig ist. Oder er muss sich in den drei Jahren vor diesem Datum mindestens 18 Monate in dem jeweiligen Land aufgehalten haben. der vorangegangenen drei Jahre vor dem 17. März 2021 physisch aufgehalten hat. Eine Ausnahme soll es nur für neue Teams geben die als “emerging countries” bezeichnet werden. Die genaue Definition, wer genau dazu zählt, ist noch nicht klar.

So soll das obligatorische Team-Boot aussehen, mit dem die Segelyachten verfolgt werden. © 37th America’s Cup

Wichtig ist den Organisatoren bei dieser Auflage der CO2-Fußabdruck. Dabei geht es insbesondere um die Probleme, die durch die permanent beim Testen begleitenden Motorboote verursacht werden. In Bezug darauf bemühen sich insbesondere die Neuseeländer darum die Wasserstofftechnologie einzuführen und haben schon die Überlegungen zu einem sogenannten Chase Boat vorgestellt. Diese werden nun im neuen Protokoll konkretisiert. Solche Boote sollen für die Teams verpflichtend sein. Die Definition: Sie müssen mindestens 10 Meter lang sein und bestimmte Nutzungs- und Leistungskriterien erfüllen.

Prototyp eines wasserstoffbetriebenen Foiling Chase Boats. © 37th America’s Cup

Das Protokoll weist auch Veränderungen bei den Booten auf. Die AC75 Version 2 soll etwa 500 kg leichter sein als ihr Vorgänger. Diese Reduktion wird unter anderem durch insgesamt 200 Kilogramm leichtere Tragflächen erreicht. Aber auch die Verringerung der Besatzung um drei Personen von 11 auf 8 trägt zu einem leichteren Gesamtgewicht bei. Deren zulässiges Durchschnitt-Gewicht soll um 2,5 Kg sinken. Das alles soll sich positiv auf die frühen Foilng-Fähigkeiten auswirken. Das untere Windlimit beträgt nun 6,5 Knoten, das obere 21 Knoten.

Nun kann also gemeldet werden. Wie wohl die Resonanz potenzieller Herausforderer ausfällt? Sie müssen entscheiden, ob sich aus den neuen Regeln eine realistische Chance ergibt, die Neuseeländer vom Thron zu stoßen. Zentraler Punkt ist dabei normalerweise die Kenntnis über den Austragungsort. Von ihm hängen etwa Logistik-Budgets ab, aber auch Sponsoren-Gespräche. Während der europäische Markt für Geldgeber aus der Wirtschaft attraktiv sein könnte, dürfte das bei einem Cup in Saudi-Arabien etwas anders aussehen.

Neben den Briten haben Luna Rossa und auch American Magic angekündigt durchaus noch einmal dabei sein zu wollen. Dazu soll Alinghi großes Interesse zeigen. Bemühungen weiterer Syndikate sind noch nicht bekannt.

Aus deutscher Sicht ist wohl erneut der Youth America’s Cup von Interesse. Und auch der Women’s Cup könnte realisierbar sein. Die neue Klasse der AC40 sieht vielversprechend aus.

Protokoll für den 37th America’s Cup
AC75 Class Rule

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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