37. America’s Cup: New York Yacht Club gibt Herausforderung ab – Neuseeländer verärgert

"Anmaßend"

Der New York Yacht Club hat seiner Absicht Ausdruck verliehen am 37. America’s Cup teilzunehmen. Die gewünschten Regeln legt er in einem 156 Seiten umfassenden Protokoll dar. Die Neuseeländer weisen den Vorstoß zurück.

Der “Abflug” der neuen American-Magic-Yacht. © WILL RICKETSON / AMERICAN MAGIC

Wenn man den Rahmen für den America’s Cup vorgeben will, muss man ihn erst einmal gewinnen. Das ist eine der besonderen Regeln dieser Regatta. Der Cup-Verteidiger definiert zusammen mit dem ersten Herausforderer die Bedingungen für das nächste Event. Das weiß man ganz besonders gut beim New York Yacht Club (NYYC). Die Amerikaner haben 132 Jahre lang den in der Stiftungsurkunde zur Regatta dargelegten Spielraum maximal ausgenutzt, um Herausforderer zu besiegen. Deshalb ist es umso bemerkenswerter, dass sie diesen Prozess nun offenbar verändern wollen.

Obwohl sie in Auckland nach dem Duell mit Luna Rossa beim 36. America’s Cup ausschieden und danach die britische Royal Yacht Squadron als Challenger of Record akzeptiert wurde hat der NYYC nun ein eigenes Protokoll veröffentlicht. Auf 156 Seiten legt der Verein hinter dem American Magic Team dar, wie nach seiner Meinung die Zukunft der Veranstaltung in den nächsten 15 Jahren gestaltet werden sollte.

So befürworten er, die nächste Regatta im Frühjahr 2024 in Neuseeland auszutragen. Die folgenden Ausgaben sollen dann alle drei Jahre stattfinden. Erst in Italien, dann in Großbritannien und schließlich in den USA – unabhängig davon, wer den vorherigen Cup gewinnt. Das Ziel ist Planungssicherheit.

Maximal 75 Millionen Dollar Budget

Außerdem beinhaltet der Vorschlag eine jährliche America’s-Cup-Meisterschaftsregatta mit Flottenrennen und Match-Races, eine Verschärfung der Nationalitätenregeln, Budgetobergrenzen (75 Millionen US-Dollar pro Zyklus), Begrenzung der Teamgröße (85-120 Personen, maximal 20 Designer), Limitierung der Trainingszeit (100 Tage Wasserzeit pro Jahr) und die Einführung einer unabhängigen Kommission, um eine unparteiische Aufsicht über die Regeln zu gewährleisten.

Das Luna Rossa Prada Pirelli Team im engen Duell mit New York Yacht Club Herausforderer American Magic © COR 36 | Studio Borlenghi

Mit diesem Manifest bestätigen der NYYC die Absicht einer weiteren Cup-Herausforderung. Allerdings dürfte ihm klar sein, dass das sein Protokoll keine offizielle Aussagekraft hat und nicht mehr als eine Vision zur Zukunft des Cups sein kann.

Christopher J. Culver, Commodore des New York Yacht Club, begründet den Vorstoß mit “ernsthaften Bedenken über die Zukunft dieses großartigen Wettbewerbs”. Die hohen Kosten, fehlende Kontinuität und die Unfähigkeit, über den aktuellen Zyklus hinaus planen zu können, hätten eine enorm hohe Eintrittsbarriere für neue Teams entstehen lassen. “Das manifestiert sich in der geringen Zahl der Herausforderer und dem schwindenden öffentlichen Interesse.”

“Weg nach vorne”

Man wolle nachdrücklich die Begeisterung des NYYC für ein Multi-Challenger-Event im Jahr 2024 signalisieren. “Unser vorgeschlagenes Protokoll für den 37. America’s Cup ist das Produkt monatelanger Arbeit und unzähliger Gespräche mit den Interessenvertretern des America’s Cup, darunter aktuelle und ehemalige Herausforderer und Verteidiger. Es enthält die notwendigen Werkzeuge, um eine langfristige kommerzielle Lebensfähigkeit und die globale Reichweite des Wettbewerbs zu verbessern und bleibt der Deed of Gift und dem Geist eines der ältesten Wettbewerbe des internationalen Sports treu.”

Durch diese Herausforderung zusammen mit dem Protokoll präsentiere man “einen Weg nach vorne”, der die Veranstaltung mit den Werkzeugen ausstatte, um auf dem modernen internationalen Sportmarkt zu gedeihen.

Culver sagt, er stehe mit Vertretern der Royal New Zealand Yacht Squadron (RNZYS) und der Royal Yacht Squadron (RYSR) in engem Kontakt. Er verstehe den Vorstoß als Diskussionsanstoß, “um einige oder alle Schlüsselkomponenten unseres Protokollentwurfs zu übernehmen.”

“Anmaßende Aussage”

Die Antwort der Kiwis ließ nach der Veröffentlichung der Herausforderung und des Protokollentwurfs kaum zwei Stunden auf sich warten. Darin heißt es: “RNZYS und Emirates Team New Zealand (als aktueller Verteidiger des America’s Cup) begrüßen das Interesse des New York Yacht Clubs am nächsten America’s Cup. Wir stellen aber ihre Motive für eine solch anmaßende Aussage in Frage. Denn die Frist für neue Anmeldungen als Herausforderer startet erst in einiger Zeit.”

Der NYYC spreche durchaus einige Punkte an, die bei der aktuellen Entwicklung “eines fortschrittlichen und vorausschauenden Protokolls“ eine Rolle spielen. Derzeit laufe ein dreiphasiger Prozess über die Verhandlung eines Protokolls mit RYSR und die Verhandlungen über den Austragungsort mit der neuseeländischen Regierung. Er endet am 30. Juni 2021.

Auch die Briten beziehen Stellung, bleiben aber nüchtern: “Wir sind erfreut zu hören, dass der New York Yacht Club an einer weiteren Teilnahme am America’s Cup interessiert ist, und wir werden ihn auf dem Laufenden halten.”

Radikales Protokoll

Offenbar will der NYYC öffentlichen Druck auf die beiden Parteien ausüben. Die Meldungen über ein mögliches schnelles Re-Match schon im nächsten Jahr nur zwischen Kiwis und Briten haben den Amerikaner Angst gemacht, dass sie nicht ihre Vorstellungen vom nächsten Cup kommunizieren können.

Dabei ist ihr Protokoll erstaunlich radikal. Es hört sich fast schon nach einer Liga an, wie sie sich Russell Coutts für den Cup wünschte und die er sich nun mit dem SailGP selber baute. Auch Ernesteo Bertarelli hatte nach dem Sieg 2007 Ähnliches im Kopf, wollte aber zu sehr selbst bestimmen, wohin der Weg geht.

Das große Manko des vergangenen Cups war die geringe Zahl der Teilnehmer. Nur die vermögenden vier Super-Teams waren in der Lage, auf Augenhöhe zu spielen. Deshalb ist die Konstenkontrolle ein zentraler Punkt für eine Erweiterung des Teilnehmerfeldes. Das dürfte aber auch den Kiwis und Briten nicht entgangen sein. Problematisch ist es nur, dass die Neuseeländer kein großes Interesse daran haben, ohne weiteres ihr Recht, den Austragungsort bestimmen zu dürfen, abzugeben. Sie müssen daraus Geld für die nächste Kampagne generieren, um gegen die nach wie vor vermögenden Herausforderer aus Italien, USA und England wieder bestehen zu können. Von ihrem Verhandlungsgeschick hängt ab, ob sie ein Spielfeld schaffen können, das ihnen eine erneute erfolgreiche Verteidigung ermöglicht, aber auch weitere Teams zur Teilnahme motiviert. Keine einfache Aufgabe.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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