470 Worlds: Qualifikation wird knapp – Deutsche Crews weit weg von der Weltspitze

Kämpfen für den Traum

Bei der 470er WM in Japan haben die deutschen Teams große Probleme, Deutschland für Olympia zu qualifizieren. Vor dem Finaltag tun sich die Frauen schwer, die Männer wären draußen.

Für die aktuell besten deutschen Segler hat die entscheidende Phase der Olympia-Qualifikation begonnen. Sie versuchen mit aller Kraft, einen Startplatz für 2020 in Japan zu ergattern. Ein Großteil der Tickets wurde schon im vergangenen Jahr bei der gemeinsamen Olympiaklassen-WM in Aarhus vergeben. Und dort konnten nur drei deutsche Boote die internationalen Kriterien erfüllen (Laser, Laser Radial, 49er). Das Gros der restlichen Spots in den zehn Segel-Disziplinen wird bei den jeweiligen Klassen WMs in dieser Saison vergeben.

Diesch/Autenrieth

Diesch/Autenrieth brauchen noch einen mächtigen Endspurt. © 470 worlds

Den Anfang machen die 470er, deren WM in Japan gerade in vollem Gange ist. Den Männer- und Frauen-Duos bleibt nur noch ein Tag morgen, um ihre Träume zu erfüllen. Die Männern segeln um vier freie Plätze, die Frauen um sechs. Und schon vorher war klar: Es wird richtig knapp.

Dabei hat man beim Deutschen Segler-Verband aus Fehlern der Vergangenheit gelernt und das interne Qualifikationssystem der aktuellen Entwicklung angepasst. Unvergessen sind die internen Duelle zum Beispiel zwischen Kadelbach/Belcher und Lutz/Beucke bei der 470er Frauen WM in Perth vor den Olympischen Spielen 2012 in London, als es nicht nur um das WM-Ergebnis ging. Das interne Duell auf dem Wasser setzte sich schließlich vor der deutschen Gerichtsbarkeit fort.

Sailing Team Germany gescheitert

Der DSV hat nun den externen Kampf um den Quotenplatz von der internen Quali getrennt. Bei der WM in Japan müssen die deutschen 470er Crews nicht einander im Auge haben, sondern können ganz darauf konzentrieren, überhaupt einen Startplatz zu sichern.

Das ist umso wichtiger, weil die Zeiten längst vorbei sind, als die DSV-Flotte noch zu den stärksten der Welt gehörte. Damals qualifizierte sich einigermaßen mühelos für das Gros der Olympia-Disziplinen.

Die Athleten, die heute noch das Wagnis eingehen, ihre Berufsausbildung hintenan zu stellen und den mühevollen Weg Richtung Sport-Olymp zu beschreiten, werden immer weniger. Die schleichende Verschlechterung der Bedingungen für deutsche Segler im internationalen Vergleich schien sich kurzzeitig mit dem Engagement des Sailing Team Germany und den Sponsoren Audi und SAP zu verbessern. Aber nach zehrenden Grabenkämpfen mit den DSV-Verantwortlichen scheiterte das Projekt. Im deutschen Segelsport sind die Voraussetzungen, Leistung zu bringen, wieder schwieriger geworden.

Deutschland auf Augenhöhe mit Israel

Und die Konkurrenz erscheint auch noch stärker als früher. Auch kleineren Nationen gelingt es, Spitzensegler zu formen. So verteilen sich die Olympiastartplätze auf immer mehr Länder. Nur die Briten haben sich schon für alle zehn Disziplinen sportlich qualifiziert. Während auch die Japaner als Gastgeber alle Klassen bestücken dürfen, hat bisher Neuseeland und Frankreich 7 Plätze sicher, Italien 6, Australien, Dänemark, Holland und Norwegen 5 und Deutschland (3) bewegt sich auf Augenhöhe mit Israel, Kroatien, Polen, Russland.

Wenn man bedenkt, das es insbesondere mit dem deutschen Quali-Platz im Laser Radial entsprechend der bisherigen Saison-Ergebnisse sehr kritisch werden kann – die Endkampfchance muss nachgewiesen werden (Top 10 Nationen bei drei Quali-Regatten 2020; eine Regatta mindestens Rang 12) – richten sich die Hoffnungen in Bezug auf weitere deutsche Startplätze insbesondere auf die 470er-Klasse.

Die waren nicht unberechtigt nach einer starken Europameisterschaft im Mai. Bei den Frauen wurden Böhm/Goliaß 6. und das Jungs-Team Diesch/Autenrieth segelte auf Rang 8.

Winkel/Cipra verpassen Gold-Fleet

Davon sind die deutschen Crews einen Tag vor dem Schluss der WM in Japan aber nun deutlich entfernt. Bei den Männern verabschiedeten sich Winkel/Cipra schon nach den ersten fünf Rennen der Qualifikation aus dem Kampf um das Nationen-Ticket. Sie verpassten die Goldflotte der besten 26 Teams unglücklich um einen Platz.

So verbleiben Diesch/Autenrieth im Kampf um einen der vier freien Olympiaplätze. Vor dem Schlusstag liegen sie als 20. aber 15 Punkte hinter den Ungarn (15.) auf dem letzten Quotenplatz zurück. Sie müssen auch noch die Chinesen und Schweizer überholen. Das ist ein hartes Stück Arbeit. Aber ein Hintertürchen bliebe noch. Beim Weltcup 2020 in Genua ist für europäische Teams noch ein Platz zu holen.

Löwe/Markfort in der japanischen Sonne. © 470 worlds

Für die Frauen sieht es in Japan deutlich besser aus. Weil noch sechs Plätze offen sind, und weil die deutschen Crews nach einem schwachen Start bei leichterem Wind nun wieder besser in Fahrt kommen, wenn die Pump-Flagge gehisst wird.

Auch sie sind zwar noch vom EM-Hoch weit entfernt, aber Löwe/Markfort belegen als 17. den vierten Nationen-Quali-Platz und Schweden als zurzeit nicht qualifizierte siebte rangiert auf Rang 27, mit 45 Punkten Rückstand. Außerdem bewegen sich Böhm/Goliaß als 19 noch im Soll.

Fabienne Oster und Anastasiya Winkel liegen als drittbestes deutsches Team auf Rang 26. © 470 worlds

An der Spitze der 470er Flotten segeln die alten Bekannten. Während sich die deutschen Crews überwiegend in ihrem ersten Olympia-Zyklus befinden, sind die besten Teams der Welt schon viel länger dabei.

Allen voran der Australier Matthew Belcher, der bei den Männern mit Will Ryan die Führung übernommen hat und nach 18 Jahren im 470er seinen achten WM-Titel anpeilt. Aber auch die zweitplatzierten Spanier segeln ihre zweite Olympia-Kampagne, der Schwede Dahlberg seine dritte.

Bei den Frauen liegt mit der Britin Hannah Mills die Silber- und Gold-Gewinnerin der vergangenen beiden Spiele vorne, dicht gefolgt von der Japanerin Ai Kondo Yoshida, die seit 15 Jahren 470er segelt, drei Olympische Spiele bestritt und 2018 erstmals Weltmeisterin wurde.

Wenig Platz für Überraschungen

Beide Crews liegen weit vor dem Rest der Flotte. Es scheint keinen Platz für Überraschungen zu geben. Aber das stimmt nicht ganz. In Japan trumpfen die Italienerinnen Berta/Caruso groß auf, die auf Platz 14 der Weltrangliste liegen.

Die Polin Agnieszka Skrzypulec als zurzeit Vierte hat eine zehnjährige 470er-Karriere hinter sich. 2017 wurde sie Weltmeisterin und seit sie sich danach mit Jolanta Ogur zusammentat, wurden die Leistungen noch stabiler.

Die Vorschoterin startete noch 2013 bis 16 für Österreich und gewann bei den WMs mit Steuerfrau Lara Vadlau zweimal Gold, und je einmal Silber und Bronze. Jetzt bringt ihre Erfahrung aber jetzt wieder für ihr polnisches Heimatland ein. 

Ergebnisse 470er WM 2019 Japan

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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