470er EM: Deutsche Crews werden immer besser – Nah dran an den Medaillen

Selbstvertrauen tanken

Die deutschen 470er zeigen sich beim ersten echten Leistungstest der Saison auf Augenhöhe mit der Weltspitze. Bei der Qualifikation für die Pre-Olympics setzten sich aber nicht die bisherigen Top-Teams durch.

Böhm/Goliass

Nadine Böhm sind und Ann Christine Goliaß segeln bei der EM ins Medalrace

Die diesjährige Europameisterschaft wird nicht gerade als Sternstunde in die Historie der Klasse eingehen. Mit nur sieben Kurzrennen sind kaum die Hälfte der geplanten Läufe über die Bühne gegangen. Mal fielen sie anhaltender Flaute, mal zu starkem Wind  zum Opfer. Am vorletzten Tag wehte es noch mit über 40 Knoten, und so mussten die Medalrace-Plätze bei den Männern nach nur zwei Gold-Fleet-Rennen vergeben werden. Die Frauen, die mit ihren 40 Crews in nur einer Flotte segelten, zählten sechs Rennen für das Finale.

Das wäre dann wieder fast der Flaute zum Opfer gefallen. Die Boote wurden erst einmal wieder in den Hafen geschickt, und der Medalrace-Start von 11 Uhr auf die Mittagszeit verschoben. Aber dann starteten auch die deutschen Vertreter aussichtsreich in das Finale.

Bei den Männern waren Diesch/Autenrieth mal wieder in die Top Ten vorgerückt, die zuletzt bei ihren internationalen Auftritten nicht in Reichweite lagen. Besser kamen Cipra/Winkel zu Saisonbeginn in Schwung, und für sie lief es auch in San Remo bei der Qualifikation gut. Aber ein verkorkster Goldfleet-Tag ließ sie bis auf Rang 18 abrutschen.

Die Top Ten der 470er EM bei den Männern

Diesch/Autenrieth bestätigten dagegen, dass sie gerade bei Starkwind zu den Besten der Welt gehören. Auch das Medalrace verlief bei leichtem Wind mit Platz sechs ordentlich. Und so tanken sie mit dem achten Gesamtplatz (Sechster in der EM-Wertung) jede Menge Selbstvertrauen. Damit entschieden sie die interne Qualifikation für die Teilnahme bei den Pre Olympics in Enoshima für sich.

Philipp Autenrieth sagt nach dem Finale in San Remo: „Wir sind mit der EM-Woche insgesamt sehr zufrieden. Unser Start im Medalrace war aber etwas schleppend, daher sind wir im Klassement noch auf Platz 8 zurückgefallen. Unser Feld war wie eine WM besetzt und extrem stark. Wir beenden die Serie mit dem guten Gefühl, dass wir unser Potenzial wieder abrufen können. Jetzt eint uns mit unseren Teamkameraden Malte Winkel und Matti Cipra, die hier etwas Pech hatten, vor allem ein Ziel: Wir wollen bei der WM den Nationenstartplatz für Deutschland im 470er sichern. Das ist in diesem Jahr das A und O. Wir glauben daran, dass wir das schaffen werden.”

Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass die Qualifikation der Klasse für Olympia kein Selbstgänger ist. Vier Plätze werden noch bei der August-WM in Japan ausgesegelt, nachdem sich schon neun Nationen bei der vergangenen WM qualifiziert haben. Und bei dem aktuellen EM-Ranking hätte Platz zehn schon nicht mehr für Olympia ausgereicht. So sehr durchmischt sich das Feld bei den Männern. Auch andere Teams, die noch nicht qualifiziert sind, segeln plötzlich stärker, als bei der vergangenen WM.

Entspannte Frauen

Für die Frauen sieht die Situation entspannter aus. Auch sie konnten überraschend 2018 in Aarhus keinen Nationenplatz für Deutschland ergattern. Bei ihnen ist die Hierarchie aber deutlich stabiler. Das heißt die schon qualifizierten Nationen segelten auch bei der EM vorne und Rang 20 hätte noch für einen Olympia-Platz in Japan ausgereicht, wenn es schon um die WM gegangen wäre. Für die Frauen sind auch noch sechs Plätze offen.

Dass Nadine Böhm und Ann Christin Goliaß diesmal die deutsche Flotte anführen würden, war nicht abzusehen. Sie hatten im vergangenen Jahr zwar noch mit Bronze bei der EM in Bulgarien geglänzt, und waren als 15. bei der WM gut unterwegs. Aber die ersten Leistungstests 2019 in Miami und Palma verliefen enttäuschend.

Die Top Ten der 470er EM bei den Frauen

Nun segelten sie mit einem guten dritten Platz im Medalrace noch auf Gesamtrang sechs bei der EM, und melden damit wieder klar ihre Ansprüche auf den Olympiaplatz an. Der Wettbwerb mit den drei weiteren starken deutschen Teams ist längst noch nicht entschieden, aber diese Geschlossenheit in der Mannschaft ist vielleicht der größte Pluspunkt beim Rennen Richtung Weltspitze.

„Für uns war nach dem holprigen Saisonauftakt bei dieser Europameisterschaft vor allem ein gutes Ergebnis das Ziel“, sagt Nadine Böhm nach dem Finale. „Wir sind sehr zufrieden mit dieser Leistungssteigerung. Im Finale ist uns der Start super gelungen, auch das war uns wichtig.“

Zu den Stärken ihrer Crew sagte Nadine Böhm: „Wir ziehen immer an einem Strang, gehen gemeinsam durch Tiefen und Höhen. Wir haben unsere Vorwind-Möglichkeiten ausgebaut, der Speed war hier sehr gut.“

Dass die Stimmung unter den Frauen gut ist, zeigt die Protestverhandlung, die Böhm/Goliass nach einer Kollision mit den Japanerinnen gewannen. Als Zeugin trat Frederike Löwe auf, die vielleicht größte Konkurrentin im Kampf um die Olympiafahrkarte.

Ergebnisse 470er EM 2019

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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