49er Worlds Finals: Heil/Plößel übernehmen klare Führung – Lutz/Beucke Dritte

Duell mit den Superstars

Erik Heil und Thomas Plößel bestätigen am ersten Goldfleet-Tag der 49er WM in Auckland ihre herausragende Form. Aber auch Tina Lutz und Susann Beucke lassen sich von der härteren Konkurrenz im Finale nicht beeindrucken.

Die Jungs haben Eier! Erik Heil und Thomas Plößel ziehen am ersten Tag der Goldfleet-Phase bei der 49er-WM ihren dominanten Auftritt eisenhart durch. Kein Zögern, kein Rechnen, kein Taktieren – minutenlang machen sich auf ihrem Lieblingsplatz am Startschiff breit, balancieren ihr Skiff auf der Stelle – Schaum schlagen mit der Pinne, wriggen zum Abfallen, zum anluven, Fock back, Groß dicht, Groß auf – schrecken mit ihren gelben Trikots die Konkurrenz ab. Dann der Angriff über die rechte Seite. Mal mit einer schnellen Wende, mal schon vor dem Startschuss auf Steuerbord-Bug hinter einem Boot durch.

Erik Heil und Thomas Plößel dominieren die 49er WM auch im gelben Trikot. © Jesus Renedo / Sailing Energy

Heil/Plößel haben sich an die Strahlkraft des Trikots gewöhnt. © Jesus Renedo / Sailing Energy

Zweimal geht’s weit nach rechts. Egal, dass Peter Burling und Blair Tuke, die Olympia- und America’s Cup-Sieger, ihr Heil eher auf der linken Seite suchen. Die Golden Boys müssten es doch eigentlich besonders gut wissen auf ihrem Heimrevier. Ihnen dürfte zudem das geballte Wetter-Wissen des Arbeitgebers vom Team New Zealand zur Verfügung stehen. 2021 findet vor Auckland schließlich der America’s Cup statt. Strömung und Windschwankungen spielen auf dem Revier eine große Rolle.

Aber das Bronze-Duo vom Norddeutschen Regatta-Verein zieht seinen Plan durch. Es geht offenbar mehr darum, sich in der 25-Boote-Flotte früh eine freie Spur zu erkämpfen und dann den Speed auszuspielen – falls vorhanden. Erik Heil und Thomas Plößel haben ihn. Mit der zweitbesten Serie des Tages – nur die französischen Aufsteiger Rual/Amoros (29er Doppelweltmeister)  sind zwei Punkte besser – nehmen sie Burling/Tuke sieben Punkte ab und liegen nun neun Punkte voraus.

Duell eröffnet

Das ist längst kein beruhigendes Polster. Zumal die Kiwis noch keinen echten Streicher wie die Deutschen (27.) mitschleppen. Und die zeigen im dritten Finalrennen, dass sie das Duell nun richtig angenommen haben.

GER 4 mit ihrem Spezial-Manöver: Dem Steuerbord-Start hinter dem Feld auf die rechte Seite. © Jesus Renedo / Sailing Energy

Heil/Plößel sind diesmal rechts mit einem Steuerbord-Start nicht so dominant weggekommen, müssen sich freisegeln und holen über die Mitte sensationell auf. An der Luvtonne passieren sie schon vor den Kiwis und liegen auch nach der zweiten Runde knapp vorne.

Aber die schlagen zurück, surfen auf der Heckwelle des Kielwassers heran und überholen nach der Halse Richtung Ziel. Ein Nadelstich nur, ein verlorener Zweikampf, der die deutschen Skiff-Profis in die Schranken weisen soll, aber für die ist es nur ein verlorener Punkt. Das Duell um den Titel ist eröffnet.

Jibe-Set-Duell an der Luvmarke:

Ob die anderen Gegner da noch eingreifen können? Der Vorsprung zu Rang drei beträgt schon 32 Punkte. Die mitfavorisierten Briten Fletcher-Scott/Bithell, Foiler-Profis für den SailGP, sammelten besonders im dritten Goldfleet-Rennen schmerzhafte 21 Punkte ein.

Bei den beiden weiteren deutschen Crews im Finale lief es noch nicht so gut. Das Nachwuchs-Duo Meggendorfer/Spranger zahlte Lehrgeld und fiel von Rang acht auf 19 zurück. Schmidt/Böhme kamen auch noch nicht so richtig voran und sind jetzt 22.

49er Top Ten nach dem ersten Goldfleet-Tag

Sensationelle Serie von Lutz/Beucke

Der Erfolg der deutschen Männer stellt die Leistung von Tina Lutz und Susann Beucke etwas in den Schatten. Dabei liefert das Duo bei den 49FX gerade eine sensationelle Serie ab, die auch am ersten Goldfleet-Tag nicht gerissen ist.

Kontrolliert und solide spulten sie ihr Programm ab, das mit den Plätzen 7/8/8 zur zweitbesten Serie des Tages gehört und Gesamtrang drei beschert. Die Konkurrentinnen mussten nach Spitzenplätzen jeweils mächtige Tiefschläge einstecken. Nur die niederländischen Weltmeisterinnen Bekkering/Duetz und die Olympiasiegerinnen Grael/Kunze liegen nun voraus.

Medalrace im Blick

Bei den Nacra17 pirschen sich Paul Kohlhoff und Alicia Stuhlemmer langsam an die Top Ten heran. Ihnen fehlen noch zehn Punkte, um beim Finale am Sonntag dabei sein zu dürfen.

Einen dramatischen Tag erlebten die australischen Outteridge-Geschwister, die sich eigentlich anschickten, dem Superstar-Nimbus des Steuermanns gerecht zu werden. Der ehemalige America’s Cup Steuermann musste schon beim SailGP mit dem japanischen 50-Knoten-Foiler seinem Landsmann Jason Waterhouse als Flight Controller beim konkurrierenden AUS-Team den Vortritt lassen. Nun hat er auch einen schweren Rückschlag für die Olympia-Qualifikation erlitten. Waterhouse kämpft vorne um den Titel, Outteridge liegt nun auf Rang 12.

Nacra17 Ergebnisse. Kohlhoff/Stuhlemmer fehlen noch 10 Punkte zum Medalrace

Ergebnisse 49er WM Auckland

Live Übertragung (für 14,95)

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „49er Worlds Finals: Heil/Plößel übernehmen klare Führung – Lutz/Beucke Dritte“

  1. avatar Harrie Jasses sagt:

    Sehr beeindruckende Leistung!!

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

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