505er Klasse: Boris Herrmanns Wurzeln – Vom Deutschen Meister zum Weltumsegler

Wo einem die Seebeine wachsen

Was hat Jollensegeln mit dem Hochseezirkus zu tun? Die Welten liegen näher beieinander, als man denken mag. Viele der aktuellen Offshore-Profis sind erfolgreiche Jollensegler. Boris Herrmann feierte Erfolge im 505er.

Boris Herrmann und Julien Kleiner im 505er. © SAP 505

Dieser Tage drücken nicht nur viele deutsche Segler Boris Herrmann die Daumen bei seinem ersten Vendée-Globe-Abenteuer. Auch internationale Weggefährten freuen sich mit ihm, dass er es an den Start geschafft hat. Darunter die Freunde aus der 505er-Klasse.

Die deutsche Fiven-Crew bei der WM. © SAP 505

Tim Böger, neuer Sportwart der deutschen 505er-Klasse, weist darauf hin, dass Herrmanns Hochsee-Erfolge in der anspruchsvollen Jollenklasse wurzeln. So paradox es klingt: Der Einstieg in den 505er mit dem besten Kumpel Julian Kleiner ist der eigentliche Start von Herrmanns ungewöhnlicher Hochseegeschichte.

So segelt Herrmann heute. © borisherrmannracing

In dieser Klasse macht er sich einen Namen, feiert Erfolge, holt Titel und seglerisches Selbstbewusstsein. Aus dem Held vom Mittelfeld, der zuvor mit dem 470er auf Regatten durch Europa tourte, wird ein Sieger. Denn nach einer erfolgreichen Mini-Transat-Teilnahme im Alter von 19 Jahren startet Herrmann ein BWL-Studium und parallel das 505er-Segeln.

In dieser Klasse gehört er mit Kleiner schnell zu den Leichtwind-Spezialisten und gilt als Aufsteiger der Saison. Zwei Jahre lang war das Duo Ranglisten-Erster außerdem Vize-Europameister, Europa-Cup-Sieger und 2007 Deutscher Meister.

Herrmann in seinem Element. © borisherrmannracing

Karriere-Katalysator ist Hasso Plattner. Der SAP-Gründer, der im hohen Alter mit dem 505er seine Leidenschaft für das Jollensegeln wiederentdeckte, formte eine internationale Trainingsgruppe scharte einen Profi-Tross um sich, und lud zu Trainings ein. Per Privatjet ging es für Herrmann auf die Bermudas, nach San Francisco und Annapolis. Die Nähe zu Plattner, mit dem er über das Segeln als auch Studieninhalte fachsimpelte, prägte Boris Herrmann.

Seine Effizienz bei Trainingsbesprechungen beeindruckte ihn. Aber besonders die Segelprofis brachten ihn weiter. Die akribische Arbeit am Material, die Vorbereitung der Regatten, die Entwicklung einer Segelkampagne, mit ihnen diskutiert er die Realisierung seiner Hochseepläne.

Im 505er lernt er das Schnellsegeln – die perfekte Nutzung der Trimmeinrichtungen, mit denen ein Segel verändert und eingestellt werden kann. Die technisch anspruchsvolle Jolle wurde so zu einer Basis für sein aktuelles Können, das ihm auch beim IMOCA-Segeln hilft.

So sieht es auch Morten Bogacki für seine Hochsee-Karriere. Er segelte 2019 auf das Mini-Transat-Podium, sammelte das Gros seines Segelwissens aber auch im 505er. Er wurde Junioren-Weltmeister und 2013 Vize-Europameister.

Wenige 505er-Segler dürften eine Hochsee-Karriere anstreben. Aber sie sind stolz darauf, nun einen von ihnen um die Welt segeln zu sehen. Der 505er ist ein wichtiger Teil von Boris Herrmanns Vita. Und die Klasse lebt. Das bringt sie in ihrem aktuellen Klassenporträt zum Ausdruck:

Klassenvereinigung 505er

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „505er Klasse: Boris Herrmanns Wurzeln – Vom Deutschen Meister zum Weltumsegler“

  1. avatar Jörg Gosche sagt:

    Die “Piepen-Köppe” erobern die Weltmeere! (sacht man in Bremen)

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  2. avatar Fastnetwinner sagt:

    Alles übrigens was, was keiner bei der Jugendbundesliga lernt. Oder bei der großen Bundesliga.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 2

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