52 SuperSeries: Combeback-Story Teil zwei – Santiago Lange führt “Azzurra” zum Saison-Sieg

Actionreiches Finale

Beim letzten Rennen der TP52 WM sah man Santiago Lange noch verzweifelt das Gesicht hinter den Händen verbergen, als “Platoon” den Titel holte. Nun drehte der 58-jährige Nacra 17 Olympiasieger und Azzurra-Taktiker den Spieß um.

Das Feld der TP52 vor Porto Cervo. © 52 SuperSeries/Martinez Studios

Der Argentinier Santiago Lange hatte für die schönste Combeback-Story der vergangenen olympischen Segelspiele gesorgt. Der sechsfache Olympionike und dreifache Medaillengewinner, der 2017 trotz einer akuten Lungenkrebs-Operation im Alter von 54 Jahren Gold im Nacra 17 holte und “Weltsegler des Jahres” wurde, erlebte in seiner illustren Karriere einen weiteren Höhepunkt.

Als Taktiker des argentinisch italienischen Azzurra-Teams gewann er die Saison-Wertung der 52 SuperSeries und verwies die deutsche “Platoon” von Harm Müller-Spreer in die Schranken. Bei überwiegend eher starkem Wind siegte die blaue Azzurra im Auftrag der Roemmers-Brüder Pablo und Alberto, die den von ihrem deutschstämmigen Vater übernommenen Pharma-Betrieb führen. Laboratorios Roemmers ist der größte Arzneimittel-Produzent in Argentinien.

Vom Aga Khan gegründet

Das Azzurra-Team wurde 1982 vom Aga Khan IV und Fiat-Milliardär Gianni Agnelli gegründet, um für den italienischen Yacht Club Costa Smeralda (YCCS) den America’s Cup zu gewinnen. Die Roemmers Familie wollte die YCCS-Historie für den 34. Cup fortführen, blieb aber beim Katamaran-Streit zwischen Bertarelli und Ellison auf der Strecke und fokussierte sich seitdem auf die TP52-Klasse. Dreimal gelang es bisher, den Saison-Titel zu gewinnen (2012, 2015, 2017).

Das Azzurra-Team krönt sich zum Saison-Sieger. © 52 SuperSeries/Martinez Studios

Diesmal lag Azzurra vor dem Finale nahezu gleichauf mit “Platoon”, und es entwickelte sich ein spannendes Duell zwischen den beiden Teams. Aber gerade der letzte Tag mit drei Rennen verlief klar zugunsten der Argentinier, die schließlich bei dem Event vor Porto Cervo auf Rang zwei landeten und Harm Müller-Spreer auf den vierten Platz verwiesen.

Olympia-Legende Santiago Lange erfolgreich auch als Taktiker. © 52 SuperSeries/Martinez Studios

Besonders für Santiago Lange ist das Ergebnis eine Genugtuung, da er in der vergangenen Saison den Taktik-Job übernommen hatte, und es noch nicht so gut für ihn lief wie erhofft. Aber mit dem Profi-Job auf der TP52 verdient er unter anderem das Geld für seine Olympia-Ambitionen, die beinhalten, dass er im nächsten Jahr das nächste Wunder schaffen will: Gold im Alter von 59 Jahren an der Pinne des Foiling Nacra 17.

Längst hat er bewiesen, dass er auch im hohen Alter die schnellste olympische Bootsklasse selbst nach der Aufrüstung mit Tragflächen wie kaum ein anderer beherrscht. In der aktuellen Weltrangliste belegt er Rang sechs. Dabei kann der Spagat zwischen dem High-Speed-Foiler und der vergleichsweise langsamen traditionellen Kielyacht kaum größer sein. Aber mit dem ex 470er Olympioniken (1988) Guillermo Prada an der Pinne kann er auf einen erfahrenen Steuermann vertrauen.

Harm Müller-Spreer bei der Arbeit:

Besonders bemerkenswert war vor Porto Cervo die unglaubliche finale Siegesserie von “Sled”, mit dem Owner Driver Takashi Okura. Dem Präsidenten der Noevir-Holding, eines in Japan und den USA führenden Herstellers von Körperpflege-Produkten, der bei der Außendarstellung seines Segelteams sehr zurückhaltend agiert.

Alle Mann nach hinten. Das Sled-Team versucht, unter Gennaker den Bug aus dem Wasser zu halten. © 52 SuperSeries/Martinez Studios

Die für Starkwind optimierte “Sled” gewann sechs von neun Rennen. Dabei ließ sich Okura von ehemaligen Team New Zealand Veteranen Adam Beashel (Taktiker) und Murry Jones (Stratege) den Weg weisen. Das weiße Boot konnte nicht in den Kampf um die Gesamtwertung eingreifen, weil es das dritte von fünf Events in Cascais verpasst hatte.

Unbehelligt vom Final-Duell gelingt Sled eine unglaubliche Serie. © 52 SuperSeries/Martinez Studios

Bei der Siegesfeier waren auch die deutschen Farben vertreten. Tammo Baldszun arbeitete fast zehn Jahre bei North Sails und machte sich in Bremen als Berater für Segelprojekte selbständig. Beim Sled-Team ist er als Segelmacher für die Optimierung des Segelinventars zuständig.

In die Saison-Wertung griffen 2019 nur noch acht Teams in die 52 SuperSeries. Bei der WM waren es maximal elf Schiffe, in Cascais nur sieben. 2017 und 18 bestritten noch zehn Teams die gesamte Saison. Es muss sich zeigen, ob den Eignern diese Beteiligung auch in Zukunft ausreicht.

Hasso und Tina Plattner waren teilweise mit zwei Yachten am Start. Für die Gesamtwertung teilten sie sich die Aufgaben am Steuer. Beim Finale vor Sardinien steuerte Tina Plattner auf Platz sechs. In der Saison-Rangliste reichte es nur für den achten Platz.

Final Results – Porto Cervo (9 races)
1. Sled (USA) (Takashi Okura) (1,2,6,2,1,1,1,1,1) 16 points
2. Azzurra (ARG/ITA) (Alberto/Pablo Roemmers) (3,5,2,8,2,2,3,4,6) 35 p.
3. Quantum Racing (USA) (Doug DeVos) (5,3,7,4,5,3,2,6,2) 37p.
4. Platoon (GER) (Harm Müller-Spreer) (8,4,4,1,3,8,4,5,5) 42 p.
5. Bronenosec (RUS) (Vladimir Liubomirov) (4,10,1,5,7,7,5,3,4) 46 p.
6. Phoenix 11 (RSA) (Tina Plattner) (6,6,3,7,4,5,6,7,3) 47 p.
7. Provezza (TUR) (Ergin Imre) (2,7,8,3,6,6,7,10,9) 58 p.
8. Alegre (USA/GBR) (Andrés Soriano) (9,1,5,10,9,9,8,2,7) 60 p.
9. Gladiator (GBR) (Tony Langley) (7,8,9,9,8,4,10,9,8) 72 p.
10. Team Vision Future (FRA) (Jean Jacques Chaubard) (10,9,11DNF,6,10,10,9,8,10) 83 p.

Event Website

Ergebnisse

Final Results – 2019 52 SUPER SERIES
1. Azzurra (ARG/ITA) (Alberto/Pablo Roemmers) 167 points
2. Platoon (GER) (Harm Müller-Spreer) 179 p.
3. Quantum Racing (USA) (Doug DeVos) 181 p.
4. Bronenosec (RUS) (Vladimir Liubomirov) 193 p.
5. Provezza (TUR) (Ergin Imre) 213 p.
6. Sled (USA) (Takashi Okura) 218 p.
7. Alegre (USA/GBR) (Andrés Soriano) 230 p.
8. Phoenix 11 (RSA) (Tina Plattner) 248 p.

Wenn der Fotograf mal eine andere Optik versucht… © 52 SuperSeries/Martinez Studios

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „52 SuperSeries: Combeback-Story Teil zwei – Santiago Lange führt “Azzurra” zum Saison-Sieg“

  1. avatar Stollergrund Ultras sagt:

    “Bei der Siegesfeier waren auch die deutschen Farben vertreten.”
    Nicht zu vergessen SLED Boatcaptain Julian Hampe!!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  2. avatar herr zettpunkt sagt:

    Wie wäre es mit Rettungswesten?

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 4

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