52 SuperSeries: Zweimal Bronze für Platoon – Ein Deutscher gehört zum WM-Siegerteam

Alte Haudegen

Es hat nicht ganz geklappt mit der Titelverteidigung. Im letzten Rennen verpasst Harm Müller-Spreer mit “Platoon” hauchdünn den Sieg bei der WM und in der Saison-Wertung. Das Team von Hasso Plattner erlebte ein Drama.

Die Namen der Schlüsselfiguren stammen aus glorreichen Zeiten des Segelsports. Etwa von 2007 als für viele der America’s Cup noch in Ordnung war. Als es keine Tragflächen an Segelbooten gab. Als noch schön langsam gesegelt wurde.

Ex Alinghi-Segler Murray Jones (64) freut sich über einen schönen Erfolg als Sled-Steuermann. © 52 SuperSeries

Damals gewann Murray Jones mit Alinghi seinen vierten Cup. Er gehörte zu den “Fabulous Five”, die mit Russell Coutts aus Neuseeland in die Schweiz gewechselt waren. In Valencia verbrachte der Olympia-Vierte im Flying Dutchman (1992) den Großteil seiner Segelzeit 32 Meter hoch in der Luft. Er übermittelte als Windspotter und Stratege per Funk die wichtigen Böen-Informationen aus dem Alinghi-Topp.

Glenn Ashby bespricht mit Altmeister Murray Jones – fünfmaliger America’s Cup Sieger – die Strategie für den Rennkurs. © ACEA 2017 / Photo Ricardo Pinto

Der Neuseeländer gewann danach noch zweimal den America’s Cup. 2013 war er der Mastermind hinter dem Oracle Comeback-Sieg. Und 2017 arbeitete er beim Team New Zealand mit Peter Burling erfolgreich daran, Jimmy Spithill in der Startbox zu besiegen. Danach kündigte er auch gegenüber Segelreporter in Bermuda an, sich wohl aus dem Cup- und Profi-Geschäft zurückziehen zu wollen.

Murray Jones

Ex Oracle-Mann Murray Jones ist zum Kiwi-Team gestoßen. © Hamish Hooper

Schließlich drängte schon die nächste Generation nach. Tochter Gemma Jones segelte für Neuseeland bei den Olympischen Spiele in Rio Nacra17 und verpasste als Vierte eine Medaille nur knapp.

Eigner Okura nicht an Bord

Aber die Entwicklung der 52 SuperSeries hielt Jones wie viele der alten Recken aus der goldenen America’s-Cup-Zeit weiter im Spiel. Das Handwerk, eine klassische Yacht wie die TP52 mit großer Crew schnell zu machen, hat sich im Vergleich zu den IACC-Cuppern wenig geändert. Murray Jones beherrscht es. Er ist einer der Macher hinter dem Sled-Team, das 2015 von Takashi Okura (57) gegründet wurde. Okura startet für den New York Yacht Club und steht der Noevir-Holding vor, einem in Japan und den USA führenden Hersteller von Körperpflege-Produkten, der rund 1500 Mitarbeiter beschäftigt. Er segelte zuvor schon

Die TP52-Flotte vor Mallorca. © 52 SuperSeries

Bisher schaffte es das Sled-Team in den sechs Jahren seiner 52 SuperSeries-Beteiligung nicht auf das Saison-Treppchen, präsentierte sich beim Neustart nach der längeren Corona-Pause 2021 aber stark in Form. Es siegte bei der ersten Regatta, belegte Rang 4 bei der zweiten und ging als Mitfavorit in das Finale, das gleichzeitig als Weltmeisterschaft zählte.

Dafür ließ sich Eigner Okura als Owner Driver entschuldigen, nahm seine Yacht aber nicht aus dem Rennen. Murray Jones sprang als Steuermann ein. Auch andere Sled- Schlüsselspieler hatten Probleme, nach Mallorca zu reisen. So etwa Taktiker Adam Beashel, der 2007 in derselben Position für das Team New Zealand die Wenden ansagte. Er wurde durch Francesco Bruni (48) ersetzt, den kongenialen Co-Steuermann bei Luna Rossa, Flight-Controller beim SailGP (Team Japan) aber etwa 2018 auch schon Luna Rossa-Taktiker bei der SuperSeries. Damals schickten die Italiener eine TP52 ins Rennen, weil sie noch hofften, dass beim AC mit klassischen Monohulls gesegelt würde.

Ex Pinta-Trimmer

Außerdem gehört der neuseeländische Finn Dinghy-Weltmeister, Olympia-Fünfte und Team New Zealand-Grinder Josh Junior zum Team der alten Haudegen, bei dem auch Landsmann Don Cowie (59) das Wort führt. Der ehemalige Pinta-Trimmer betont, dass er Jones erstmal den gewohnten Rundumblick abgewöhnen musste. Er sollte sich auf das Steuern konzentrieren.

Das funktionierte zu Beginn der WM-Serie noch nicht so gut. Sled begann mit Platz sieben im zehn-Boote-Feld. Aber neben einigen weiteren mühsamen Rennen gelangen auch zwei Siege. Der Titel schien außer Reichweite zu geraten, als im vorletzten Lauf erneut sieben Punkte gezählt werden mussten. Drehender Wind ließ sie auf der finalen Kreuz von Rang zwei zurückfallen.

“Platoon” diesmal knapp geschlagen. © 52 SuperSeries

Aber dann überstürzten sich die Ereignisse im letzten Rennen. Harm Müller-Spreer lag mit seiner “Platoon” und Taktiker John Kostecki als vierter eigentlich im Soll, um den Titel und die Saisonwertung zu gewinnen. Eine Rechtsdrehung auf der zweiten Kreuz kostete aber zwei Plätze. Sled dagegen siegte, Quantum wurde zweiter und plötzlich lagen Murray Jones und seine Mannen in beiden Wertungen vorne. Da am nächsten Tag wegen zu starken Windes nicht mehr gesegelt wurde, blieb die Wertung bestehen.

Drama für Hasso Plattners Team

So knapp und war es selten. Gleich vier Crews lagen bis zum Schluss gleichauf. Mit dabei auch Phoenix von SAP-Gründer Hasso Plattner. Auch er reiste nicht nach Mallorca. Projektleiter Tony Morris übernahm die Pinne. Tom Slingsby und Cameron Dunn übernahmen die taktischen Aufgaben. Sie sahen nach zwei ersten Plätzen zum Auftakt der Regatta wie sichere Sieger aus.

Phoenix passiert am Heck von Quantum. Dabei reißt der Gennaker.

Aber ein Drama im vorletzten Rennen zeigt, wie eng gerade diesmal bei der 52 SuperSeries Sieg und Niederlage beieinander lagen. Phoenix segelte einem sicheren zweiten Platz entgegen, der sie mit zwei Punkten Vorsprung die WM (und die Saison-Serie) hätte gewinnen lassen.

Nur noch ein knapper Cross hinter der führenden Quantum und dann ab ins Ziel (siehe Video oben). Eine sichere Sache, eigentlich. Dann platzt der Gennaker aus den Nähten. Musste der Steuermann vielleicht leicht anluven? Erhöhte sich dadurch der Druck im Tuch über die Lastgrenze hinaus? War es einfach ein Materialfehler? Phoenix segelte ohne Gennaker ins Ziel, verlor vier Boote und landete zwei Punkte hinter den Siegern auf Rang vier – auch in der Saisonwertung.

Das Siegeteam Sled. Der deutsche Segelmacher Tammo Baldzuan (2.u.l.) gehört seit 2018 zum Team: © 52 SuperSeries

Bei der Siegesfeier des Sled-Teams waren auch wieder die deutschen Farben vertreten. Tammo Baldszun ist seit 2018 als Segelmacher für die Optimierung des Segelinventars zuständig. Zuvor arbeitete er fast zehn Jahre bei North Sails und machte sich in Bremen als Berater für Segelprojekte selbständig.

Ergebnisse Rolex TP52 WM 2021

52 SuperSeries 2021. Gesamtwertung der verkürzten Saison.

Live-Übertragung vom 3. Renntag. Ein Leckerbissen für Racing-Nerds mit dem ex Azzurra-Skipper Guillermo Parada als versierter Co-Kommentator:

Live-Übertragung vom 1. Renntag. U.a. Harm Müller-Spreer im Interview:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „52 SuperSeries: Zweimal Bronze für Platoon – Ein Deutscher gehört zum WM-Siegerteam“

  1. Hallo Segelreporter-Team,
    danke für den Bericht! Es war eine kurze und nicht immer einfache Saison, wir hatten einige Crew-Änderungen und konnten nach dem weniger befriedigenden 2. Event in Menorca noch einige Details aufdecken, die uns dann erlaubt haben, jetzt in Palme wieder richtig schnell zu sein.
    Dazu gehörten auch noch einige Änderungen an Großsegel-Vorliekskurven und Jib-Geometrie, die dem Segelinventar von 2020 noch mal frisches Leben eingehaucht haben! Was mir aber am besten gefällt: das dieses Team wirklich Team-Spirit besitzt und diesen auch pflegt- wir haben Spaß zusammen! Somit war es eine tolle Team-Leistung und ein grandioses Ergebnis!

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