Zeugen vergangener Zeiten

8mR-Flotte segelt in Kiel

Die First-Rule-Yacht „Bayern II“ während der 8mR- Weltmeisterschaft 2006 auf dem Bodensee ©Tom Koerber

Die siebte Rolex Baltic Week ist um einen Höhepunkt reicher: Vom 30. Juni bis zum 4. Juli kommt die 8mR-Flotte zum Euro Cup an die Stätte ihres letzten Olympia-Auftritts. Klassische Yachten und moderne Schiffe dieser traditionsreichen Meter-Klasse kämpfen dann vor Kiel um den europäischen Titel, darunter auch Schiffslegenden, die bereits vor 74 Jahren vor Düsternbrook um Medaillenehren segelten.

Außerdem versammelt der Kieler Yacht-Club (KYC) in Kooperation mit dem Flensburger Segel-Club die majestätischen 12mR- und die schnittigen 6mR-Yachten zum Robbe & Berking Sterling Cup im ehrwürdigen Becken des alten Olympiahafens direkt vor dem frisch renovierten Klubhaus des KYC am Hindenburgufer.

Inmitten dieser klassischen Schönheiten zur See dürfte der Achter “Germania III” in besonderem Maße die Blicke auf sich ziehen. Es gibt nur wenige Schiffe, die mit der Segelgeschichte des Landes und der Kiels so eng verknüpft sind wie die sechs “Germania”-Yachten, die im 20. Jahrhundert für die Familie Krupp gebaut worden sind.

Herrlicher Anblick – die „Bayern II“ auf dem unter Spi vor malerischer Kulisse ©Tom Koerber

Die “Germania III” erlangte dabei herausragende sportliche Bedeutung, als sie 1936 in heimischen Gefilden um olympische Ehren segelte und die Bronzemedaille gewann. In der damaligen olympischen Königsklasse lag die Yacht von der Traditionswerft Abeking & Rasmussen (A&R) bis zum letzten Rennen auf Goldkurs. Dann aber verlor die Besatzung um so herausragende Persönlichkeiten wie Hans Howaldt, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach und Felix Scheder-Bieschin Platz eins und im Stechen auch noch “Silber”.

Nun schließt sich für die “Germania III” der Kreis, denn im Sommer gibt es beim Euro Cup die Chance zur Olympia-Wiedergutmachung. Und die 15 Meter lange Yacht wird so ursprünglich antreten wie sie damals ausgerüstet war. 1990 entdeckte der Duisburger Unternehmer Bernhard Kolbe die “Germania III” am Bodensee wieder und ließ sie in aufwändiger Restauration in ihren Zustand von 1935 zurückversetzen.

Schnell ist der Achter bis heute geblieben. 1998 gewann Eigner Kolbe, der das Schiff auf der Elbe und der Ostsee segelt, die Weltmeisterschaft. „Seitdem haben allerdings einige Konkurrenten nachgerüstet, so dass es schwer werden dürfte, um den EM-Titel mit zu segeln. Aber wir gehen stets mit großen Ambitionen an den Start und wollen vorn mit dabei sein“, erzählt Bernhard Kolbe voller Vorfreude auf die Rolex Baltic Week 2010.

Eine Ausnahmestellung in der Euro-Flotte wird auch die „Elfe II“ einnehmen. Die 1912 ebenfalls bei A&R gebaute Yacht ist der einzige Achter mit zwei Masten. Die Ketsch ist zudem mit dem seltenen Spreizgaffelrigg ausgestattet. „Damals hatte die ,Elfe’ noch die übliche Kuttertakelung, wurde dann aber 1935 von ihrem damaligen Besitzer umgetakelt. Trotz eines Mastbruchs vor neun Jahren haben wir uns entschlossen, diese Takelung beizubehalten, da sie sich sehr komfortabel segeln lässt”, berichtet Eigner Andi Lochbrunner. Er wird mit seinem Schiff den weiten Weg von Lindau am Bodensee an die Ostsee antreten und bei den starken Achter-Flotten im Alpenraum für die Rolex Baltic Week werben. „Schließlich hat das Revier vor Kiel seinen besonderen historischen Reiz für diese Klasse.“

Obwohl die Achter sich in die drei Divisionen “First Rule” (Baujahre von 1907, der Konstruktion der Klasse, bis 1919), “Classic” (1920 bis 1966) und “Modern” (1967 bis heute) aufteilen, gehen sie doch gemeinsam an den Start. 15 bis 20 Yachten werden erwartet. Titelverteidigerin ist die „Hollandia” aus den Niederlanden. Allerdings liegt ihr Titelgewinn vor Flensburg schon fünf Jahre zurück, denn in den vergangenen Jahren wurden die Weltmeisterschaften stets in europäischen Revieren ausgetragen, wodurch es keinen Euro Cup gab. Der Weltmeistertitel 2009 ging vor dem französischen Hyères an die britische „Lafayette”, ein moderner Achter von 1986.

Mathias Müller

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Andreas John

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