A-Cat WM: 10. Titel für Ashby – Oldie besiegt Team New Zealand Kollegen Tuke und Burling

Der Trick: Mehr Grip

Glenn Ashby hat seinen jungen Team New Zealand-Gefährten mal wieder gezeigt, wer der Boss ist. In seiner angestammten A-Cat-Klasse foilt er zum 10. WM-Titel. Nur ein Holländer kommt ihm nahe.

Nachdem das Team New Zealand im vergangenen Jahr den America’s Cup in Bermuda gewonnen hatte, wurde viel über den großen Anteil der jungen, schnellen 49er Olympiasieger Peter Burling (27) und Blair Tuke (29) spekuliert. Dabei vergaß man gerne den Skipper Glenn Ashby, dessen 41 Jahren viele schon für ein biblisches Alter im neuen Foiler-Zirkus halten.

Ashby tut mit seiner ruhigen, besonnenen und sympathischen Art auch wenig dazu, sich im Gespräch zu halten. Er hält den Ball ziemlich flach, und das mag für einen Australier im Kiwi-Team auch sehr hilfreich sein. 

Einmal im Jahr gibt er aber Vollgas. Immer dann, wenn die A-Cat-WM ansteht, die Klasse, in der er neunmal Weltmeister wurde. Jetzt hat er seinen zehnten WM-Titel hinzugefügt, und das ist gerade deshalb bemerkenswert, weil er anders als manchmal in früheren Jahren nicht mit einem großen technischen Vorsprung an den Start gegangen ist.

Foilen am Wind

Die Regel-Öffnung der Klasse, und die technische Foil-Entwicklung hat dazu geführt, dass die Einhand-Katamarane auch am Wind  stabil auf Tragflächen segeln. Für Ashby, der 2008 als Tornado-Vorschoter von Darren Bundock nach dem WM-Titel Olympia-Silber  gewonnen hat, war das die Voraussetzung, wieder viel Zeit in die Klasse zu investieren.

Der Meister bändigt sein Biest. © Josh McCormack

Denn durch das Am-Wind-Fliegen glaubt der alte und neue Skipper vom Team New Zealand, der im Februar 2018 auch für die nächste Kiwi-Kampagne unterschrieben hat, wichtige Lektionen für den nächsten America’s Cup zu lernen. Damit ist die A-Cat-Segelei nicht nur Hobby sondern Job, und das rechtfertigt die Zeit, die er mit Peter Burling und Blair Tuke im Vorfeld der WM in das Boot investiert haben.

Ashby bestätigt das nach seinem zehnten Titelgewinn: “Ich denke, dieser Monat war für uns von grundlegender Bedeutung, um wieder in der leistungsstarke Konstruktionsklasse mit starker Konkurrenz einzusteigen.” Aber er weist auch darauf hin, neben dem ganzen Spaß nicht den Fokus zu verlieren. “Noch wichtiger ist es, dass wir als Team gemeinsam unser erstes AC75-Boot entwickeln und bis 2021 noch weiter kommen.”

Burling kommt zu spät in Fahrt

Dennoch werden die jungen Wilden darauf gedrängt haben, den alten Haudegen in die Schranken zu weisen. Mit gleichem Material mochte man davon ausgehen, dass sie auch gute Chancen haben. Aber Ashby hat es nicht zugelassen. Am Ende stand doch wieder ein überlegener Sieg von ihm mit neun Punkten Vorsprung nach sechs Siegen in neun Rennen.

Peter Buring am Draht. © Josh McCormack

Die Teamkollegen mussten sich dahinter einreihen, und wie vor vier Jahren ist es Blair Tuke gelungen, sich vor seinem 49er Steuermann zu platzieren. Allerdings wurde deutlich, dass Burling immer besser zurecht kam. Die Serie von 2/1/2/2 zum Schluss reichte aber nicht aus, das Defizit zu Beginn auszugleichen. Am Ende fehlten ihm zwei Punkte zu Tuke, der auch schon beim Volvo Ocean Race – mit Mapfre – knapp den Bug vor Burlings Brunel Team geschoben hatte.

Ein großer Erfolg gelang dem Holländer Mischa Heemskerk, der sich schon seit Jahren einen Namen im Katamaransegeln und speziell in der Foiler-Entwicklung bei der High-Tech-Schmiede DNA Performance Sailing in Lelystad gemacht hat. In der vergangenen Woche wurde er sogar als neuer Direktor von DNA vorgestellt. Das mag ihn zum Vize-WM-Titel beflügelt haben vor den beiden 49er Olympiasiegern vom Team New Zealand.

Insgesamt  114 Boote waren in im australischen Hervey Bays an den Start gegangen. Allerdings wird die Klasse inzwischen in Foiler und Nicht-Foiler unterteilt. 69 Foiler segelten vor den 45 klassischen A-Cats.

Technischer Kniff

Laut Ashby war technisch ein unterschiedlicher Anstell-Winkel der beiden Ruder-Foils auf einem Bug der Schlüssel zum Erfolg. “Wir ahmen nach, was wir früher mit den AC50-Katamaranen auf den Bermudas gemacht haben”, erklärt Glenn Ashby. Um mehr Grip zu erhalten wird das Luv-Ruder so angestellt, dass es den Rumpf nach unten zieht. Das Leeruder dagegen soll Auftrieb entwickeln. In der Wende müsse jeweils die Einstellung geändert werden. 

Der perfekte Foil-Modus mit dem neuen Deck-Sweeper-Großsegel, das alle Spitzensegler fahren. © Josh McCormack

Der Meister mag mit seiner Überlegenheit die Hackordnung im Team manifestiert haben, aber er versucht diese Bedeutung herunterzuspielen. “Natürlich bin ich sehr glücklich, dass ich sowohl die australische Meisterschaft als auch die WM wieder gewonnen habe. Wirklich beeindruckend war aber, wie Pete und Blair in Fahrt gekommen sind. Sie haben diese Boote sehr intuitiv bedient, obwohl sie genau genommen vier Jahre lang nicht mit ihnen gesegelt sind.”

Top 15 der A-Cat Worlds 2018.

Eine starke Leistung gelang auch Andrew Landenberger als Sieger der Classic Division. Der australische Segelmacher, der 1997 seine Firma in Deutschland am Titisee  aufbaute und auch einen deutschen Pass besitzt, betreibt inzwischen eine Farm in Australien. Aber der 50-Jährige zeigt in seiner Lieblingsklasse, dass er noch nichts verlernt hat. 2002 bildete er ein Tornado-Team als Steuermann von Johannes Polgar. Das Duo verpasste allerdings die angestrebte Olympiaqualifikation.

Ergebnisse Open (Foiling) Division (69 Boote)

Ergebnisse Classic Division (43 Boote)

Die Liste der Champions 2018

Classic Division;
Andrew Landenberger – Classic World Champion
Scott Anderson – Vice World Champion
Graeme Parker – Third
Alberto Farnassi – Forth
Bob Weddon – Fifth
Matt Johnson – Apprentice Master
Neil Caldwell – Grand Master
Andy Landnberger – Junior
Claire Neeskins – Womens Champion

Open Division
Glenn Ashby – Open World Champion
Mischa Heemskerk – Vice World Champion
Blair Tuke – Third
Peter Burling – Forth
Barren Bundock – Fifth
Micah Wilkinson – Junior
PJ Dwarshuis – Grand Master
Stuart Scott – Great Grand Master
Carolijn Brouwer – Womens Champion 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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8 Kommentare zu „A-Cat WM: 10. Titel für Ashby – Oldie besiegt Team New Zealand Kollegen Tuke und Burling“

  1. avatar jorgo sagt:

    Wer Glenn je seinen A-Cat segeln sah ahnt, dass dieser Mann auf dem Gerät unschlagbar ist. Er scheint stets eine perfekte Einheit mit seiner Yacht zu bilden.
    Ebenfalls stark und in gleicher Richtung unterwegs: Mischa Heemskerk.
    Bei Beiden stecken endlose Stunden auf dem Wasser hinter den Erfolgen.

    Immer klarer indes, dass das “abgehobene” Segeln Profisache ist. Folgerichtig ist die Trennung der Felder. Wohlmöglich auf Dauer eine Lösung um die Klasse für “Normal” Segler zu erhalten, bzw. jenseits der Int. Top-Events wieder neu zu beleben. Mal sehn….. .

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    • avatar A-cat sagt:

      Blödsinn, wer noch grade laufen kann kommt auch mit einem fliegenden A-Cat zurecht. Man sehe sich die Altersstruktur und den Anteil der foiler (fast 90%) der deutschen Regattascene an. Mit Beherrschung hat die Teilung nichts zu tun.
      Um foilen zu können braucht man ein modernes Schiff. Das kostet bei DNA 30k, bei Explorer rund 20k. Das wollen und können nicht alle in ihr hobby investieren. Insbesondere für Einsteiger ist es wichtig auch mit altem Material vernünftig Regatten Segeln zu können.
      Außerdem ist der klassische A-Cat natürlich eine ganz eigene Herausforderung, besonders bei mehr Wind.

      Entgegen der Behauptung im Artikel hat sich auch nichts an den Klassenregeln geändert. Für Classic und foiler gelten die gleichen Regeln.

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      • avatar Christian sagt:

        Nana, so ganz stimmt das nicht, lieber A-cat. Foilen verlangt schon in besonderem Mass nach körperlicher Fitness und nach grossem seglerischen Können. Erst recht, wenn man konkurrenzföhig sein will. So oder so sind getrennte Wertungen sinnvoll und in der Klasse auch weitgehend unumstritten.

        Was stimmt, ist dass classic-segeln viel guenstiger ist – und nahezu gleich viel Spass macht.

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        • avatar jorgo sagt:

          NaNa, Herr A-Cat – nicht so stürmisch!
          Gebe Christian recht.
          Einfach mal ein bisschen Abheben und eine halbe Meile weit geradeaus Fliegen ist die eine Sache und mit einem aktuellen Modell nicht mehr ganz so schwierig (wenn der Wind gleichmäßig ist und die Welle nicht zu hoch).
          Aber: Konkurrenzfähig foilen und eben jetzt auch zunehmend auf Amwindkurs erfordert ein hohes Maß an Kondition, seglerisches Können, Bootsberherrschung (Training.Training,Training),Materialpflege und Bereitschaft zu z.Zt. noch aufwändigen ständigen Updates.
          Außerdem kann man sich dabei ganz schön wehtun….
          Es gibt einige namenhafte Segler, die das bereits erkannt und Konsequenzen gezogen haben – genannt sei hier nur Andrew Landenberger, der langjährige Präsident der Int.A KV.
          Beide grossen Hersteller (Exploder und DNA) bieten inzwischen neue Classic Boote an …. warum?

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  2. avatar jorgo sagt:

    Selbstverständlich gelten für Foiler und Classic nicht die gleich Regeln!

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    • avatar Christian sagt:

      Jorgo, das stimmt jetzt aber auch nicht ganz. Es gelten sehr wohl die gleichen Regeln fuer Foiler und Classics. Letztere werden nur zusaetzlich definiert als Boote, die nicht fliegen können. Ist also denkbar einfach.

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      • avatar jorgo sagt:

        Du meinst verstellbare Schwertkästen, Schlangenschwerter und die ganze Mimik können auf einem Klassik auch genutzt werden? Er darf nur nicht abheben.
        Also im Prinzip könnte ich mit einem F 1 auch Klassik segeln solange ich ihn “am Boden” halte?
        Kann ich nicht glauben…. .

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        • avatar Christian sagt:

          Genau so ist es, Jorgo. In der Regel haben die Classics einfach keine Schwerter (und in zweiter Linie auch Ruder), die genügend Auftrieb zum Fliegen haben. Falls du als Classic meldest und dennoch fliegst, bekommst du mit der Jury und den Mitseglern ein Problem…

          Einen Foiler zum Classic downgraden ist kein Problem. Einfach C-Schwerter nehmen, die in der Regel auch in die Schwertkästen passen, Maske oben und unten anpassen, und fertig.

          Die Classic-Version der Exploder unterscheidet sich m.W. nur durch Schwerter und Ruder von der Foiling-Version. Es ist sicherlich möglich, auch die Schwertverstell-Mimik wegzulassen, da teuer und schwer. Aber notwendig ist es nicht, sie kann auch bei C-Schwertern nutzen und man kann jederzeit upgraden zum Foiler. Gleiches gilt fürs Rudersystem.

          Was Classics mit C-Schwertern in den letzten 6 Jahren schon immer konnten, ist der schnell machende Skimming-Mode: Auch C-Schwerter haben Auftrieb und heben die Rümpfe partiell aus dem Wasser. Nur zum vollen Fliegen reicht es nicht – und darf es bei Meldung als Classic auch nicht.

          Hab ich schon erwähnt, dass A-Cat-Segeln vielseitig ist und in allen Varianten einen Höllenspaß macht?

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