A-Cat WM Florida: Heemskerk gewinnt verkürzte Brutalo-WM

Im Einfluss von "Sandy"

Impressionen vom ersten Renntag:

Der Holländer Mischa Heemskerk hat eine brutale A-Cat Weltmeisterschaft im Traumrevier von Islamorada auf den Florida Keys gewonnen. Dem Formula 18 Katamaran Weltklasse-Profi hat seine langjährige Spezialisten-Erfahrung geholfen, in seinem erst zweiten A-Cat Jahr die WM Krone zu holen, denn die Ausläufer von Hurrikane Sandy machten die Regatta zum Überlebenkampf.

Die Organisatoren konnten gerade einmal die für eine WM geforderte Mindestanzahl von fünf Läufen über die Bühne bringen und mussten auf ein Streichresultat verzichten. So konnte sich Andrew Landenberger, der australische Sieger der offenen Europameisterschaft  mit deutschem Pass, der mit Johannes Polgar an der Vorschot schon einmal eine Tornado Olympia-Kampagne bestritt, mit einer konstanten Serie noch auf den Vize-Rang vorschieben.

112 hatten zur WM der High-Speed Katamarane im nicht gerade zentral gelegenen Veranstaltungsort gemeldet und die positive Entwicklung der Klasse unterstrichen, die auch im Windschatten des America’s Cups einen zweiten Frühling erlebt. Denn die Cup Größen schulen immer mehr ihre Multihull-Fähigkeiten auf dem schnellen Einhand-Zweirumpfer.

49er Olympiasieger mit Schwertbruch

Allen voran diesmal 49er-Olympiasieger, Moth-Weltmeister und Artemis-Steuermann Nathan Outteridge. Der Australier, der Anfang des Jahres ein starkes A-Cat-Debut feierte, wurde zwar nur 16, enttäuschte aber keineswegs mit den Plätzen 6,4,2,3. Er konnte allerdings die Aufgabe wegen eines Schwertbruchs nicht kompensieren.

Das Bruch-Schicksal erlitten viele Segler. Am ersten Tag brachen gleich 12 Masten. 37 Segler traten bei den Extrembedingungen gar nicht erst an. So wie Rainer Bohrer, einer von 13 Deutschen, die den Weg nach Florida auf sich genommen haben.

Er berichtet von der WM und war am Anfang noch guter Dinge: “Wir leben hier wie die kleinen Könige im karibischen Florida, Islamorada auf den Keys und haben fast durchgängig Sonne bei 30 C. Viel Training war allerdings nicht möglich, da die letzten drei Tage so gut wie kein Wind war.”

Das änderte sich aber pünktlich mit dem Start der Regatta. Bohrer berichtet über die Aktivitäten der deutschen Flotte: “Die ersten drei Rennen bei  20 bis 25 Knoten forderten ihren Tribut. Die schwierigen Bedingungen mit viel Seegras im Wasser und heftiger Welle führten zu vielen Stürzen und Materialschäden. Mastbrüche, Trapezabrisse, Ruderschäden, Beambrüche.

“…in einen Steg gerammt”

Weißes Wasser, Überdruck. Extrembedingungen bei der A-Cat-WM vor den Florida Keys.© A-Cat Worlds

Weißes Wasser, Überdruck. Extrembedingungen bei der A-Cat-WM vor den Florida Keys.© A-Cat Worlds

Bob Baier brach sich im ersten Rennen die Ruderquerstange und im zweiten riss es ihm den Mast ab. Bei mir schlugen ein paar Mal die Ruderblätter hoch, dann drehte sich die Ruderanlage regelrecht raus. Viele können hier solche Geschichten erzählen, einige waren aber so schlau und sind gar nicht erst ernsthaft angetreten…”

Am zweiten Renntag war es nicht anders. “Die Bedingungen waren wirklich brutal. Im zweiten, verkürzten Rennen herrschten geschätzte 25 bis 27 Knoten Wind und zwei Meter Welle”, erzählt Bohrer. “Matthias ist gleich nach dem Ablegen mit vollem Speed in einen Steg gerammt, da er sein Ruder nicht rechtzeitig runter brachte. Passiert ist ihm und dem Boot zum Glück nicht viel, leider hat es der Mast nicht überlebt…

Alle Zuschauer und Helfer an Land waren aber sichtlich geschockt, da der Einschlag echt heftig war! Auch andere Boote wurden als Halbhavarie zurückgeschleppt. Eine echte Materialschlacht! `Surfing the Hurricane, – Sandi´.

Bester Deutscher wurde Helmut Stumhofer als Fünfzehnter, ein super Ergebnis und sein persönlicher Rekord bei einer WM! Mischa ist wirklich furchtlos gefahren und hat heute am dritten Tag nochmals mit zwei ersten Plätzen in den beiden Rennen des Tages überzeugt. Ich finde es manchmal etwas grob, wie er sein Material behandelt, aber hier war eine gewisse Robustheit absolut notwendig.”

Ergebnisse

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Carsten Kemmling

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5 Kommentare zu „A-Cat WM Florida: Heemskerk gewinnt verkürzte Brutalo-WM“

  1. avatar bläck sagt:

    Schöne harte Bilder, unsäglich unerträgliche Musik. Geht nur nach dem 3. LSD Drops…

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    • avatar Heini sagt:

      Ja, echt.
      Ich dachte Techno wäre out. Fehlt eigentlich nur noch ein bißchen Gebrüll von Scooter: “How much is the fish!”

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  2. avatar Ketzer sagt:

    Ganz schöne Sensibelchen, die Boote…

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  3. avatar Christian sagt:

    kleiner Nachtrag: Katrin Brunner vom Alpsee (Allgäu) bekam den Preis für die beste Frau bei der WM. Sie hat immerhin zwei Wettfahrten beendet, was angesichts der Brutalobedingungen mit übelst steiler Welle und Wind über 20 kn eine bemerkenswerte Leistung ist.

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  4. avatar abcdcat sagt:

    Wie wäre es mit 85 kg Bootsgewicht und etwas mehr Material, dann halten mehr Masten, Ruder, Beams… durch! “Langsamer” ist dann keiner.

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